Die Linden in St. Valentin sollten vor 20 Jahren gefällt werden – Sie stehen immer noch

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Lindenhüter Sepp Plenk ist immer wieder fasziniert von der urwüchsigen Kraft, die von den riesigen Bäumen in St. Valentin ausgeht. Seit 20 Jahren kümmert sich der Lindenverein erfolgreich um ihre Pflege. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Vor genau 20 Jahren, im Mai 2001, gab es einigen Aufruhr im Zellerboden: Die größte und markanteste Linde des Baum-Trios vor der Filialkirche St. Valentin sollte gefällt werden.


Auslöser der Entscheidung, zu der sich die Kirchenverwaltung der Pfarrei St. Georg durchgerungen hatte, war ein dicker Seitenast, der während eines Sturms auf den Kirchenweg krachte. Das Gremium entschied daraufhin, der Einschätzung des Sachverständigenbüros zu folgen und den jahrhundertealten Baum zu fällen. Denn die Kirchenverwaltung mit dem damaligen Ortspfarrer Josef Mühlbacher sah sich nicht imstande, die Kosten der aufwändigen Sanierung sowie für die jährlichen Pflegearbeiten zu tragen. In ihrem Gutachten hatten die Experten unter anderem große Faulstellen im unteren Stammbereich festgestellt, sodass die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben war, was natürlich auch ungelöste Haftungsfragen nach sich zog. Die Situation rief auf die Schnelle eine Handvoll überzeugter Gegner auf den Plan, die sich mit der drohenden Fällung und einer geplanten Neupflanzung nicht abfinden wollten. Zu sehr bestimmten die Bäume als prägende Kulisse den Vorplatz vor den Kirchenmauern. Und das über Generationen hinweg.

Unter der Führung von Architekt Sepp Plenk formierte sich über Nacht eine Gruppe mit 40 Anwohnern und Unterstützern mit dem Ziel, die anfallenden Kosten zu übernehmen. Und das mit Erfolg: Durch die engagierte Initiative konnte die Fällung bis heute verhindert werden.

Mehr noch: 2005 wurde sogar der Verein »Rettung der alten Linde St. Valentin-Zell e. V.« ins Leben gerufen. Der Lindenverein, der mittlerweile schon Tausende Euro in den Erhalt des einzigartigen Baumensembles investiert hat, zählt heute aktuell 80 Mitglieder. Weitere Genugtuung für die Lindenfreunde: Seit drei Jahren sind die Kirchenlinden, auch Kapellenlinden genannt, offiziell als Naturdenkmal ausgewiesen. In der Begründung der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt heißt es, dass »diese drei eindrucksvollen Linden wegen ihres Alters, besonderen Schönheit und landschaftsprägenden Charakters im öffentlichen Interesse zu erhalten sind«. An den rissigen, knorrigen Stämmen weisen seitdem dreieckige Schilder mit grünem Rand auf den gebotenen Naturschutzstatus der bis zu 650 Jahre alten Baumriesen hin.

Wie Sepp Plenk, Vorsitzender des Lindenvereins und oberster »Lindenhüter«, anlässlich des 20. Jubiläums betonte, ist man nach wie vor auf Neumitglieder und Sponsoren angewiesen, um dem Erhaltungsauftrag gerecht zu werden.

ls