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Die Macht der Phantasie

Auch wenn das Märchen von »Peterchens Mondfahrt«, 1912 als Theaterstück in Leipzig uraufgeführt und drei Jahre später in Buchform veröffentlicht, längst als ein Klassiker der deutschen Kinder- und Jugendliteratur gilt, kannte ich es bislang nur vom Hörensagen. Wusste ich nicht viel mehr, als was der Titel verrät und dass ein böser Mondmann darin vorkommt. Mag sein, dass ich mal die Verfilmung aus dem Jahr 1959 gesehen habe, die häufig in der ARD gezeigt wurde, aber hängen geblieben ist nichts davon. Also, wie kam der kleine Peter auf den Mond und was hatte er dort zu suchen?

Phantastisch allein schon wegen der Kostüme: »Peterchens Mondfahrt« im NUTS. (Foto: Heel)

Die Antwort darauf lieferte jetzt die Theatergruppe »Die Pampelmusen«, die das Märchen in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS aufführte, und das gleich viermal hintereinander vor ausverkauftem Haus. Und, um auch das gleich zu sagen, vor begeistertem Publikum, in dem alle Altersschichten vertreten waren. Doch zunächst zur Geschichte, zu der Bearbeitung von Barbara Mende, die auch Regie geführt hat. Sie hat die an sich recht umfangreiche Handlung des Märchens geschickt gestrafft und auf drei Schauplätze gebündelt.

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In der ersten Szene erfahren wir, was Peter und seine Schwester Anneliese, bravourös gespielt von Luca Bennert und Luisa Jung, erst auf die Idee mit der Mondreise bringt. Nämlich ihre Bekanntschaft mit dem furchtsamen Maikäfer Sumsemann, anrührend verkörpert von Viktoria Stegemann, dessen sechstes Beinchen vor langer Zeit auf den Mond gezaubert wurde, und das die drei auf Initiative von Anneliese nun zurückholen wollen, mit der Kraft der Phantasie und geleitet vom Sandmännchen (Gisela Tanner).

Kaum sind die vier weg, finden wir uns auf dem Schloss der so schönen wie gütigen Nachtfee (Dr. Eva Weiß) wieder, wo sich eine überaus bunte Truppe zum Kaffeetratsch trifft. Lernen wir all die Elemente kennen, die auf Erden für das Wetter sorgen und auch hier viel Wirbel machen, den Donnermann und sein Weib, die Blitzhexe (Adam Nassor und Christiane Jung), den Sturmriesen und seine Braut, die Windliese (Paul Clarke und Barbara Mende), den Regenfritz (Uli Englmaier) und den Hagelhans (Dirk Bennert), um nur ein paar zu nennen. Ein Fest der Kostüme und exzentrischen Verhaltensweisen, spannend inszeniert und mit Gusto gespielt.

In diese ausgelassene Party platzen nun unsere Mondfahrer und erhalten sofort Unterstützung bei ihrer »Mission«. Nach einem Ritt auf dem großen Bären landen sie auf dem Mond, wo sie mit der Mondkanone zum Domizil des Mondmanns (herrlich grimmig: Wolfgang Mende) geschossen werden, denn dort befindet sich die Birke, an der Sumsemanns sechstes Beinchen hängt. Nur dumm, dass der Mondmann ein wirklich übler Typ ist, der die Kinder als willkommene Speise betrachtet. Doch in letzter Sekunde greifen Donnermann & Co ein und attackieren den Bösewicht, der sich unvermutet als sehr wasserscheu erweist, was ihm dann auch zum Verhängnis wird. Und so kriegt Sumsemann endlich sein Beinchen wieder, und alle drei kommen wohlbehalten zur Erde zurück.

In weiteren Rollen wirkten noch mit: Karin Stegemann (Wolkenfrau), Robert Gastager (Wassermann), Barbara Mende (Frau Holle), Werner Hoßfeld (Eismax), Christiane Jung (die Sonne), Gisela Tanner (Milchstraßenmann) und Dr. Eva Weiß (Morgenröte). Musikalisch untermalt wurden die Aufführungen vom Mondpianisten Paul Clarke, der mit Gesang und fetzigen Rock'n'Roll-Klängen den passenden Soundtrack zu dem turbulenten Geschehen lieferte. Begleitet er dabei von einer Sternschnuppe (Emily Clarke) auf der Klarinette.

Für die Maske waren Dr. Eva Weiß, Christiane Jung und Andrea Bennert verantwortlich, das schöne Bühnenbild hatte Dr. Christoph Jung entworfen und angefertigt.

Also wieder einmal ein Riesenerfolg für die »Pampelmusen«, die nun bereits das fünfte Jahr im NUTS spielten und dies hoffentlich auch in der Zukunft machen werden. Wolfgang Schweiger