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Die Moldau schlägt immer Wellen

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Mit Elisabeth Fuchs, der Leiterin der Philharmonie Salzburg, macht auch jungen Leuten klassische Musik Spaß. (Foto: Erika Mayer)

Wenn Elisabeth Fuchs und die Philharmonie Salzburg zu Smetanas »Moldau« einladen, dann steht über dem Konzert: »Sanfte Wellen und wilde Stromschnellen«. Und wenn Julia Hagen das Cellokonzert von Edward Elgar spielt, dann ist das Motto »Das Cello klagt, weint, hört zu«.


Sprich: Man rührt immer einen ordentlichen Schuss Emotion auf. Das ist das Geheimnis hinter dem exzeptionellen Erfolg der Philharmonie Salzburg. Im vergangenen Kalenderjahr hat man auf den unterschiedlichsten Schienen von den Abokonzerten über »Symphonic talk«, bei den Familien- und Kinderkonzerten auf der Schiene »Kinderfestspiele«, bei Lehrlingskonzerten und verschiedensten anderen Initiativen 80 000 (mehrheitlich junge) Menschen erreicht. Man kann von Elisabeth Fuchs und ihrem Team lernen, wie man klassischer Musik ein dynamisches Image gibt. Kaum ein Konzertunternehmen, das sich selbst einen so dynamischen Touch gibt. Wenn ein Symphonic Talk-Abend einen Stummfilm mit Buster Keaton bietet, ist’s eben ein »Symphonic Silent Talk«. Alles eine Frage des PR-Aufmascherlns. Schon fast kommt man sich als Spaßverderber vor, wenn man im neuen Jahresprogrammheft blättert und zum Schluss kommt: Eigentlich spielen sie ja doch jedes Jahr fast dasselbe...

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Ein paar Zahlen aus dem Jahr von 2018: Man hat 140 Orchesterkonzerte veranstaltet (davon 72 Konzerte für Kinder und Familien/Kinderfestspiele), 89 Kammerkonzerte angeboten, fünf Mal zu »Almklassikkonzerten« geladen. Mit rund siebzig Education-Konzerten (mit je rund 500 Besuchern) und 322 Musik-Workshops (mit jeweils rund 20 Teilnehmern) hat man Kinder und Jugendliche sehr gezielt angesprochen. Es gibt sogar »UV Musikkunde interaktiv inklusive Konzerterlebnis«, also ein Angebot für Hörerinnen und Hörer an der Universität Salzburg. Im Rahmen der Kinderfestspiele wurden 17 000 CDs mit dem »Bildern einer Ausstellung« verteilt. Und so zum Drüberstreuen gab es zwei Tourneen nach China.

Hollerstauden? Das ist eine volksmusikalische Girlband aus dem Pinzgau, die man im März zum Symphonc Talk lädt, in ein Familienkonzert. Nicht nur in die große Aula, sondern auch nach Zell am See, nach Mühldorf am Inn und ins Festspielhaus Erl. Mit den Schülern und Lehrlingskonzerten reist man auch in die Linzer Brucknerhalle. Dorthin, nämlich zum Open Air »Klassik am Dom« müsste man auch fahren, um die Philharmonie Salzburg mit Orlando Villazon und der Sopranistin Pumeza Matshikiza zu hören (13. Juli).

Im Großen Saal des Mozarteums traut man sich immerhin an Mahlers »Fünfte«, kombiniert diese mit »Silentium« von Arvo Pärt und verkauft das unter »Extreme und Stille«. Mit dem Quadro Nuevo ist man beim Rosenheim Sommerfestival zu Gast – mit einem Programm, das man in den ersten beiden September-Wochen übrigens auch auf einer weiteren China-Tournee hören lässt.

»Together Remember to Dance« heißt ein Konzert für zwei Klaviere von der bulgarischen Komponistin Dobrinka Tabakova. Das erlebt in einem Abokonzert seine österreichische Erstaufführung durch die Solistinnen Ferhan und Ferzan Önder. Es wird mit Schuberts Großer C-Dur-Symphonie kombiniert.

Philipp Hochmair hat im Vorjahr als Jedermann-Einspringer von sich reden gemacht. Sein Programm »Jedermann Reloaded« ist offenbar auch Elisabeth Fuchs aufgefallen, das gibt es im Großen Festspielhaus (25. Oktober) – erstmals mit Orchester, aber natürlich auch mit der Band Elektrohand Gottes. Das Gasteinertal ist nicht zu vergessen – da ersetzt man ja seit dem Vorjahr das Kurorchester, eröffnet mit »Best of Broadway«. Dort ist auch eine Spielwiese für rund ein Dutzend Kammermusikformationen aus den Reihen der Philharmonie Salzburg. All das kostet: Philharmonie Salzburg und Kinderfestspiele hatten 2018 einen Gesamtumsatz von 2,05 Millionen Euro (bemerkenswert: 2017 hielt man noch bei 1,55 Millionen). Reinhard Kriechbaum