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»Die Musik gehört zu meinem Alltag«

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Marie Sophie Hauzel am Flügel zu Hause in Grassau. Etwa vier Stunden umfasst ihr tägliches Übungspensum. (Foto: Giesen)

Grassau – Ein absolutes Ausnahmetalent beim Klavierspielen ist Marie Sophie Hauzel aus Grassau. Mit 15 Jahren ist sie nun die jüngste Bachelor-Studentin am Mozarteum in Salzburg. Sie gibt Klavierkonzerte auf der ganzen Welt und füllt Konzerthallen, zum Beispiel kürzlich bei einer einwöchigen Konzertreise in China, wo sie unter anderem in Peking oder in der Concert Hall von Shenzhen vor 2300 Zuhörern spielte.


Konzerte gab sie schon bei den Salzburger Festspielen, bei der Mozartwoche, in Berlin, Hamburg, Stuttgart, München, in Bad Reichenhall oder mit dem Starling Chamber Orchestra in Cincinnati, Ohio, um nur einige zu nennen.

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Es ist ein besonderes Erlebnis, Marie Hauzel an ihrem Flügel spielen zu sehen und zu hören: ihre Finger flitzen mit enormer Geschwindigkeit und Präzision über die Tasten, je nach Stück ist der Anschlag zart oder glasklar und hart. Auch die schwierigsten Kompositionen von Rachmaninoff, Chopin oder Bach spielt Marie auswendig. Ihr Gesichtsausdruck zeigt, wie sie hochkon-zentriert, völlig versunken in die Musik ist.

Talent wurde ihr in die Wiege gelegt

Ein wenig scheint Marie ihr Talent in die Wiege gelegt worden zu sein: Ihr Großvater war Konzertmeister in Wiesbaden und beide Eltern spielen mehrere Instrumente. Immer stand ein Klavier im Haus, sodass Marie schon mit vier Jahren gerne spielte und Unterricht bekam. »Ich saß unglaublich gerne am Klavier«, erinnert sie sich.

Marie Hauzel wurde am 1. Dezember 2000 in Merseburg geboren. Bis zu ihrem achten Lebensjahr lebte sie lange in Spanien in der Nähe von Barcelona, wo ihre Eltern ein Ferienhaus haben. Hier ging sie in die ersten beiden Klassen der Volksschule und hatte daneben Klavierunterricht am Konservatorium in Girona bei der bekannten Musikpädagogin Professor Rosa Masferrer. Marie lernte schnell katalanisch und spanisch, schon weil die Lehrer kein deutsch sprachen. Danach besuchte sie die Volksschule in Grassau und wechselte nach der vierten Klasse auf das Staatliche Landschulheim in Marquartstein, wo sie ab September die 10. Klasse besuchen wird. Neben der Schule wurde die damals Achtjährige am Leopold-Mozart-Institut in Salzburg für die Hochbegabtenförderung aufgenommen. Bei der Aufnahmeprüfung musste sie vor elf Professoren eine praktische und theoretische Prüfung ablegen, die sie mit Bravour bestand. Auch ein psychologischer Test gehört dazu, um festzustellen, ob ein Kind stabil genug ist und die hohen Anforderungen auch seelisch verkraftet.

Wie außergewöhnlich erfolgreich Marie Hauzel ist, zeigen schon die vielen nationalen und internationalen Wettbewerbe, die sie gewonnen hat. 2012 war sie zum Beispiel erste Preisträgerin beim Hans-von-Bülow-Wettbewerb in Meiningen und beim International Balys-Dvarionas-Wettbewerb in Vilnius. 2014 gewann sie den Bundeswettbewerb bei Jugend musiziert mit der höchsten Punktzahl in Solowertung und Duowertung. Sie ist unter anderem Stipendiatin in der Carl-Bechstein-Stiftung und der Deutschen Stiftung Musikleben. Die Preise und Ehrungen ließen sich mühelos fortsetzen.

Hausaufgaben macht sie oft im Auto und im Zug

Hat Marie mit Lampenfieber zu kämpfen? »Das kommt aufs Publikum an«, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Beim Vorspiel vor Professoren sei sie oft viel nervöser als vor einem großen Konzert. Gleich beim Betreten des Saals spüre sie, wie die Stimmung im Publikum ist. In China zum Beispiel seien die Leute auch während des Konzerts oft ziemlich laut, telefonieren mit Handys, was aber nichts damit zu tun habe, ob ihnen die Musik gefällt, sagt sie. Anderswo, wie in Deutschland oder den USA, sei es dagegen oft mucksmäuschenstill.

An zwei bis drei Tagen in der Woche fuhr Marie in den vergangenen sieben Jahren nach der Schule ins Mozarteum, wo sie bei Professor Andreas Weber Klavierunterricht bekam. Dazu kommen die Fächer Komposition, Dirigieren, Musiktheorie und Improvisation bei weiteren Professoren. Die Hausaufgaben für die Schule machte sie oft im Auto oder im Zug.

Marie Hauzel und ihren Eltern ist es sehr wichtig, dass sie auch in der Schule gute Noten schreibt. Bisher ist ihr das hervorragend gelungen, denn es gibt nur Einsen, Zweien, höchstens mal Dreien im Zeugnis. Maries Traum ist es zwar, ihre Karriere als Pianistin erfolgreich fortzusetzen, aber sie weiß, dass das sehr viele andere auch wollen und die Konkurrenz sehr stark ist. »200 Millionen Chinesen spielen Klavier und viele wollen an die Spitze«, erzählt sie. Am Mozarteum seien 75 Prozent der Studenten Asiaten aus China, Taiwan oder Japan. Marie möchte deshalb nach dem Abitur und dem abgeschlossenen Bachelor-Studium am Mozarteum auf jeden Fall noch etwas anderes stu-dieren, »ein handfestes Fach, vielleicht Jura oder Politikwissenschaften«, sagt sie, obwohl ihre Lieblingsfächer eigentlich Deutsch und Geschichte sind. Sicher ist sie sich aber, dass das Klavierspiel sie ihr ganzes Leben weiter begleiten wird. »Die Musik ist mein Alltag«.

Ab dem kommenden Schuljahr ist Marie Hauzel nach weiteren Prüfungen nun jüngste Bachelor-Studentin am Mozarteum in Salzburg. Das bedeutet weitere acht Semester Vollstudium mit einem noch größeren Pensum als bisher. Mit Kultusministerium und Direktorat des Landschulheims ist es abgesprochen, dass die 15-Jährige ab dem kommenden Schuljahr nur noch ein- bis zweimal pro Woche in die Schule geht. Dafür wird sie täglich bis zu sieben Stunden im Mozarteum studieren. Das heißt natürlich noch mehr im Zug und am Wochenende zu arbeiten als bisher.

Durchschnittlich etwa vier Stunden üben täglich

Bleibt denn überhaupt noch Zeit für Freunde und etwas anderes als Lernen und Üben? »Ja, auf jeden Fall«, sagt Marie. Sie findet es sehr wichtig, auch hinaus in die Natur zu gehen und Freunde zu treffen, schon um Erfahrungen zu sammeln. Ihr tägliches Übungspensum am Klavier sei sehr unterschiedlich, durchschnittlich vielleicht vier Stunden täglich, erzählt sie, aber selten würde sie acht Stunden oder länger üben, so wie es viele Mitstudenten tun.

Marie Hauzel hat auch ein ungewöhnliches Hobby: Fragmentieren. Dabei werden unvollendete Stücke eines Komponisten, also Fragmente, die manchmal nur aus ein paar Takten bestehen, weiter komponiert. »Das ist sehr interessant – man muss sich ganz in die Zeit und die Lage des Komponisten versetzen«, erzählt sie. Daneben komponiert sie auch eigene Stücke, Jazz oder moderne Musik in der Art von Hindemith oder Messiaen. gi