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Die Neue Zeit

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Dörte (Anna Maria Mühe, Mitte, r) und Gunta (Valerie Pachner, Mitte,l) werden zusammen im Studentenwohnheim wohnen. Foto: Anke Neugebauer/ZDF/Zero One Film/Constanin Television/Nadcon/ARTE Foto: dpa

Das Bauhaus in Weimar ist eine richtungsweisende Einrichtung für Kunst und Kultur gewesen. Zum 100. Jubiläum gibt es jetzt eine sechsteilige Fernsehserie bei Arte und im ZDF.


Berlin (dpa) - In diesem Jahr wird die Kunst-, Design- und Architekturschule Bauhaus für ihre Gründung vor 100 Jahren gefeiert.

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Dazu wurden bereits mehrere Dokus und Spielfilme (»Lotte am Bauhaus« mit Alicia von Rittberg) gezeigt, doch nun will die sechsteilige Serie »Die Neue Zeit« insbesondere die damalige Rolle der Frau beleuchten. Sie wird ab diesem Donnerstag (5.9., 20.15 Uhr) auf Arte und ab Sonntag in einer Woche (15.9., 22.15 Uhr) im ZDF gezeigt.

Massachusetts, USA im Jahre 1963: Walter Gropius (August Diehl) empfängt in seinem schönen Haus im Bauhaus-Stil die ihm bekannte Journalistin Stine Branderup (Trine Dyrholm). Sie fällt buchstäblich mit der Tür ins Haus und konfrontiert ihn mit der Frage: »Walter, wie lebst Du mit der Lüge, dass Frauen und Männer am Bauhaus gleich behandelt worden seien?«

Dem 80-jährigen, international gefeierten Gropius (1883-1969) gefällt das, weil sie »Interviews wie ein Mann eröffne«. Er murmelt dann etwas von einer »Basis der Gleichberechtigung«, woraufhin sie auf Dörte Helm (Anna Maria Mühe) zu sprechen kommt. Sie war Tochter aus einer bürgerlichen, wohlhabenden, jüdischen Familie in Rostock und lernte Gropius 1919 in Weimar kennen, womit sich - neben den Interviewszenen - die zweite Erzählebene der Serie ergibt.

Dörte Helm (1898-1941) war Studentin am Bauhaus, widersetzte sich gern jeglichen Bevormundungen, legte sich auch immer wieder mit dem ambivalenten Gropius und dem cholerischen Seminarleiter und Maler Johannes Itten (Sven Schelker) an, die sie jedoch stets unterstützten, ebenso wie ihren Freund Johannes I. Auerbach (Alexander Finkenwirth).

Die angeblich radikalen Ideen des Bauhauses sowie die Befreiung der Frauen kamen jedoch nicht überall gut an - stellvertretend für Gropius' zahlreiche erzkonservative Gegner tritt hier die einflussreiche Baronesse von Freytag-Loringhoven (Corinna Kirchhoff) auf. Andererseits gab es auch die freiheitsliebende Alma Mahler (Birgit Minichmayr), die fünf Jahre lang mit Gropius verheiratet war, und die feinsinnige Dichterin Else Lasker-Schüler (Marie-Lou Sellem).

Anna Maria Mühe (34, »Solo für Weiss«) spricht über ihre Rolle wie folgt: »Dörte Helm war in meinen Augen eine sehr mutige, risikoreiche und uneitle Frau. Es muss eine wahnsinnig spannende Zeit gewesen sein, progressiv und fortschrittlich. Die Künstler am Bauhaus wollten den Muff der alten Zeit hinter sich lassen, etwas experimentieren und wagen, sie waren lebenshungrig.«

Die Serie von Autor und Regisseur Lars Kraume (»Das schweigende Klassenzimmer«, »Der Staat gegen Fritz Bauer«) zeigt auch, wie wichtig Farbe für das Bauhaus (1919 bis 1933) gewesen ist, das bis heute überwiegend in Schwarz-Weiß wahrgenommen wird - beides setzt Kraume mit interessanten Farbspielen um. Alle Schauspieler agieren fabelhaft, vor allem Mühe (jung und forsch) und Diehl (jung und dynamisch, aber auch alt und müde). Die im Film gezeigte Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren wäre nicht zwingend notwendig gewesen, zumal sie historisch nicht belegt ist.

Auch wenn die Serie modern und schnell erzählt wird und durchweg unterhaltsam ist, werden viele historische Fakten verdichtet. Der Zuschauer kommt mit ein wenig Vorwissen über das Bauhaus deutlich besser zurecht. Imitieren, Kopieren und Langeweile waren verpönt, freie Liebe, wilde Tanznächte, Nacktbaden, vegetarische Ernährung und weitere »Skandale« am Bauhaus werden ebenso gezeigt wie politische Debatten um Deutschnationalismus und Ausländerhass. Das alles macht diese gelungene Serie absolut sehenswert.

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