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Die Passion für Kinder diesmal als Hörspiel

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Wagin Passionsspiel Hörspiel
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Gemeindereferent Martin Riedl hat die Passion für Kinder bereits zehn Mal einstudiert. Doch heuer ist eine Aufführung nicht möglich, weshalb er ein Hörspiel gemacht hat, das auf der Homepage des Pfarrverbands Waging abgerufen werden kann. (Archivfoto: Eder)

Waging am See – Alle paar Jahre hat Gemeindereferent Martin Riedl im Pfarrverband Waging, dem die Pfarreien Waging, St. Leonhard und Otting angehören, ein Passionsspiel für Kinder mit einer Gruppe von gut 30 Schulkindern einstudiert und dann in den drei Ortskirchen aufgeführt. Das war auch heuer wieder geplant. Aber Corona hat den Proben und damit erst recht den Aufführungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Damit aber wollte sich Riedl nicht so ohne weiteres abfinden – und so ist nun ein Hörspiel daraus geworden, anzuhören auf der Homepage des Pfarrverbandes Waging.


Martin Riedl erzählt: »In diesem Jahr hätten wir im Pfarrverband wieder das Passionsspiel für Kinder aufgeführt. Dies war leider nicht möglich. Darum habe ich im 'Heimstudio' kurzerhand die szenische Darstellung als Hörspiel mit meiner Familie aufgenommen.« So sei es allen möglich, die Passion Christi zu hören.

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Was dieses Vorhaben erleichtert hat, ist die Tatsache, dass alle drei Kinder der Familie Riedl schon ein bis mehrere Male an diesem Passionsspiel – bisher immer als Darsteller beziehungsweise Sängerinnen – mitgewirkt hatten. Dazu kam das musikalische Talent von Ursula Riedl, die eine hervorragende Harfenspielerin ist. Unter diesen Voraussetzungen stand einer Tonaufnahme in den heimischen Wänden nichts mehr im Weg, ein paar Lauteffekte aus dem Internet mit inbegriffen – zum Beispiel eine Fanfare oder der Hahn, der die Verleugnung des Petrus offenbar machte. Für viele Hintergrundeffekte war auch Kreativität gefragt und so mussten so manche Küchenutensilien herhalten. Spontan wurde auch die örtliche Kirchenglocke eingebaut. Der Text wurde mit Harfe und Gesang abwechslungsreich aufbereitet. Die Lieder sind bekannte Passionsmelodien aus dem Gotteslob wie »Beim letzten Abendmahle«, »O Haupt voll Blut und Wunden« oder »Herr, du bist mein Leben«.

Martin Riedl hatte dieses Passionsspiel einst selbst kennengelernt. Im Lauf der Zeit hat sich mit jeder Auflage der Text minimal verändert. Die heurige Aufführung wäre bereits die zehnte gewesen, bei der er Regie geführt hätte. Je dreimal hat das Stück im Pfarrverband Garching und in der Stadtkirche Traunstein stattgefunden, wo er zuvor tätig war, und nunmehr auch bereits viermal im Pfarrverband Waging – ohne das jetzige Hörspiel.

»Das ganze ist zwar keine professionelle Aufnahme« sagt Riedl, »aber die Passion kann in die eigenen vier Wände übertragen werden und somit zum Nachdenken anregen.« »Nehmen Sie sich Zeit, lassen Sie sich ansprechen, fühlen Sie mit«, appelliert er an die Menschen im Pfarrverband – und gern natürlich auch darüber hinaus. »Die Passion darf uns durchaus in diesen Tagen nachdenklich stimmen. Vielleicht finden wir für uns Antworten für diese besondere Zeit. Viel Kraft! Fühlen Sie sich getragen! Bleiben Sie gesund«, sagt Riedl, der sich zur Zeit selbst einer schwierigen medizinischen Behandlung unterziehen muss.

Wesentliche Elemente des Spiels sind der Einzug in Jerusalem, bei dem sich die Hosianna-Rufe der fünf Mitglieder der Familie Riedl wie von einer deutlich größeren Schar kommend anhören, die temperamentvolle Tempelsäuberung, bei der Jesus die Händler samt ihren Tieren aus dem Heiligtum vertreibt, der Verrat des Judas, das letzte Abendmahl, die schlafenden Jünger am Ölberg, die Festnahme Jesu und die Gerichtsverhandlung vor Pontius Pilatus. Weiter geht es mit der Szene, wie Jesus der rote Spottmantel umgelegt und ihm die Dornenkrone aufs Haupt gesetzt wird – bis hin zum Kreuzweg und zur Kreuzigung.

Die Kinder der Familie ließen sich nicht lange bitten, ehe sie sich nach einigen Einstimmungen und Vorbereitungen an den Küchentisch setzten und ihre Einsätze mit viel Emotion einsprachen. Schließlich sind sie mit dem Passionsspiel groß geworden. Hannah, mit 20 Jahren die Älteste, war zudem für die Lieder zuständig, die das Spiel gliedern und vertiefen. Bereits mit zehn Jahren sang sie die Lieder in den Kirchen solo. Lucia, 17 Jahre alt, war auch schon mehrfach dabei, und David (13) hatte vor vier Jahren seine Premiere. Immer wieder wirkten sie in den jeweils neu aufgestellten Ensembles mit, die sich großteils aus Schülern der dritten bis achten Klassen zusammensetzen.

Auf das Riedlsche Passionsspiel für Kinder ist man bereits überregional aufmerksam geworden. Die Münchner Kirchenzeitung berichtete unter anderem darüber, und heuer hatte Martin Riedl eine Anfrage, die ihn fast umgehauen hat. Die für die Pfarrei Oberammergau zuständige Pastoralreferentin Dr. Angelika Winterer hat ihn angeschrieben, ob sie das Spiel ebenfalls aufführen dürften. Die Begründung: Viele Oberammergauer Kinder wüssten kaum, worum es in der gesamten Passionserzählung geht. Daher wollte sie das Stück bereits bei den Jüngeren aufführen, um so möglicherweise die Voraussetzung dafür schaffen, dass sie später einmal wissen, was da in ihrer Heimat - alle zehn Jahre normalerweise – aufgeführt wird. he