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»Die Politik in München macht viel kaputt«

Bischofswiesen - Die Belange der Almbauern und Jäger standen bei Hubert Aiwangers kürzlichem Besuch im Gasthaus »Brenner Bräu« ganz oben auf seinem Plan. Im Gespräch mit der Heimatzeitung machte Aiwanger, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler und Mitglied des Landtags, deutlich, dass seitens der Politik noch viel Nachholbedarf besteht. Denn Almbauern seien »systemrelevant« - und dürften deshalb um keinen Preis vergrault werden.

MdL Hubert Aiwanger hat mit Almbauern und Jägern in Bischofswiesen über aktuelle Probleme gesprochen. Foto: privat

Sie sind gelernter Landwirt, kennen sich mit der Materie also aus. Welche Probleme plagen denn unsere heimischen Almbauern, mit denen Sie sich in Bischofswiesen getroffen haben?

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Hubert Aiwanger: Die Almbauern fühlen sich von unserer Politik im Stich gelassen und vor allem nicht ernst genommen. Das geht los bei der Verpachtung von Almanteilen und zieht sich bis hin zum Nationalpark, der in Teilen verwahrlost. Für die Almbauern bedeutet das eine erschwerte Beweidung wegen all der toten, umgestürzten Bäume. Das ist eine klare Strategie des Nationalparks: Die Landwirte werden dadurch ausgespielt, deren Tiere möchte man nicht sehen.

Eine weitere Sache, die zum Problem der Bauern wird, ist die Anbindehaltung, die zunehmend mehr infrage gestellt wird. Indirekt zwingt man Almbauern mit Auflagen, neue Ställe zu bauen. Allerdings fehlt dafür wiederum das Geld. Die Folge: Viele geben auf. Die kleinen Halter werden plattgemacht.

Wie wichtig sind unsere Almbauern für die Region?

Aiwanger: Absolut systemrelevant. Sie sind notwendig für die Region, für das gesellschaftliche Leben. Unsere Almbauern prägen das Gesellschaftsbild in eindrucksvoller Weise. Wenn es sie nicht mehr gäbe, würde die Seele der Region verloren gehen.

Außerdem sorgen sie sich in besonderer Weise um die Landschaftspflege. Das wiederum ist die Grundlage unseres hiesigen Tourismus. Das darf man nicht vergessen. Darüber hinaus sind unsere Almbauern ein wichtiger Faktor in der Nahrungsmittelproduktion. Leider wird diese aber unter Wert verkauft, obwohl unsere regionalen Produkte eine einmalige Qualität aufweisen.

Was sind die dringlichsten Punkte, die bei den Almbauern angegangen werden müssen, um ihnen die Arbeit zu erleichtern?

Aiwanger: In jedem Fall muss zunächst einmal die politische Wertschätzung steigen. Bislang fehlt diese. Es kann doch nicht sein, dass die Almbauern nach München bestellt werden. Der Minister müsste mit seinen Juristen raus, direkt zu den Bauern, um sich die Probleme vor Ort anzuschauen. Die Politik in München macht viel kaputt. Das müsste alles nicht sein.

Sie treffen sich auch mit den Jägern? Wo drückt da der Schuh?

Aiwanger: Zwischen der Jägerschaft und staatlichen Stellen wird darüber diskutiert, wie viel geschossen werden muss. Wichtig ist aber, Rücksicht auf die Schonzeit zu nehmen. Muttertiere, die weggeschossen werden, auch das ist eine Sache, die zu gesellschaftlichen Akzeptanzproblemen führen könnte. Man darf nicht Gefahr laufen, das nötige Fingerspitzengefühl zu verlieren. Deshalb fordern wir, die vor Ort Betroffenen besser zu hören und Schutzgebiete nicht zu hinterfragen. Derzeit wird auch wieder das Thema »Wintergatter« infrage gestellt. Zuerst hat man viele Steuergelder investiert und jetzt soll sich wieder alles ändern. Man sollte sich wirklich fragen, in welche Richtung die Politik überhaupt möchte. Kilian Pfeiffer