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Die Revolution in Bayern 1918

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Novemberrevolution in Bayern 1918 Foto:dpa
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Menschenmengen sammeln sich während der Novemberrevolution 1918 in München. Foto: dpa
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Anfang November 1918 ächzt das Deutsche Kaiserreich unter den Folgen des Ersten Weltkriegs. Die Kritik an Krieg und Monarchie wird lauter. Die Serie »Niedergang und Aufbruch« blickt ins Archiv des Traunsteiner Wochenblatts und zeigt in loser Folge, was die Bevölkerung im Chiemgau über die politischen Ereignisse aus der Zeitung erfahren konnte. Auch will die Serie Einblick in die damalige Lebenssituation der Bevölkerung geben. Der erste Teil der Serie widmet sich der Berichterstattung über die Revolution in Bayern.


»Die Umwandlung Deutschlands in einen Volksstaat, der an politischer Freiheit und sozialer Fürsorge hinter keinem Staat der Welt zurückstehen soll, wird entschlossen weitergeführt« – so wird Reichskanzler Max von Baden in einem »Aufruf der Volksregierung« im Traunsteiner Wochenblatt (TWB) vom Mittwoch, 6. November 1918, zitiert. Noch ist der Erste Weltkrieg nicht zu Ende, der Kaiser nicht gestürzt – doch der Umbruch im deutschen Kaiserreich und damit in Bayern ist nicht mehr aufzuhalten. Auch wenn diese Entwicklung nicht allen in Bayern recht erscheint.

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In derselben Ausgabe macht nämlich ein Vertreter des Bayerischen Bauern- und Bürgerbunds unter der Überschrift »Klarheit.« deutlich, dass der Bauer im Königreich Bayern »grundsätzlicher Gegner aller unüberlegten Vorwärtsdrängerei« ist. Besonders verwehrt sich der Autor gegen eine geforderte Änderung der bayerischen Verfassung in eine parlamentarische Monarchie, die neben der Abschaffung des Adels auch die Aufhebung der Privilegien des Königs anstrebt. »Gesunden und wohlüberlegten Neuerungen ist auch der Bauernstand nicht entgegen. Wir lehnen aber grundsätzlich den Umsturz ab (...)«, ist im TWB, dem »Hauptorgan des Bayerischen Waldbauernbundes und des Bayerischen Bauern- und Bürgerbundes«, zu lesen.

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Doch die aktuellen politischen Entwicklungen machen diese Überlegungen obsolet: Nur einen Tag später, am 7. November 1918, nahm mit einer Versammlung auf der Theresienwiese die Revolution in München ihren Anfang – und die Monarchie in Bayern ging zu Ende. Die »Arbeiterschaft aber zog zu vielen Zehntausenden in geschlossenen Zügen mit Tafeln und roten Fahnen zur Theresienwiese vor die Bavaria, wo um 3  Uhr eine gewaltige Massenkundgebung stattfand. Verschiedene Redner (...) hielten Reden (...), in denen sie die Abdankung des Kaisers und des Hohenzollernhauses, die Ausschaltung des Junkertums aus Regierung und Verwaltung, (...) die weitgehende Demokratisierung und Sozialisierung des Reichs und aller Bundesstaaten, die Einführung einer reichsgesetzlichen Arbeitslosenversicherung, des Achtstundentags usw. forderten. Die Volksmenge hörte die Reden mit Ruhe und Disziplin an und begleitete sie an den Kraftstellen mit Beifallsbekundungen.«

Dann ging es Schlag auf Schlag: Noch in der Nacht auf Freitag, 8. November 1918, wurde im bayerischen Landtag von den Demonstranten ein Arbeiter- und Soldatenrat gegründet und der Sozialdemokrat Kurt Eisner rief den Freistaat Bayern aus. »Das furchtbare Schicksal, das über das deutsche Volk hereingebrochen, hat zu einer elementaren Bewegung der Münchner Arbeiter und Soldaten geführt. Ein provisorischer Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat hat sich in der Nacht vom 8. November im Landtag konstituiert. Bayern ist fortan Freistaat.« Der neuen bayerischen Regierung stand Kurt Eisner als Ministerpräsident vor. Bayern war über Nacht zur Republik geworden, das seit 700 Jahren regierende Königshaus der Wittelsbacher wurde abgesetzt.

Auch in Berlin wehte ein neuer Wind. Nur wenige Tage später, am 11. November 1918, teilt das Traunsteiner Wochenblatt seinen Lesern mit: »Der Kaiser und König hat sich entschlossen, dem Throne zu entsagen.« Gegen seinen Willen war Kaiser Wilhelm II. am 9. November zum Thronverzicht und zur Abdankung gezwungen worden und ins Exil in die Niederlande geflohen. In Berlin rief der stellvertretende SPD-Vorsitzende Philipp Scheidemann die Republik aus.

Obwohl die Revolution in München unblutig verläuft, kann der Aufruf des Traunsteiner Bürgermeisters Dr. Georg Vonficht in der Ausgabe des TWB vom 9. November 1918 nicht verhehlen, wie ungewiss die Situation war und wie nervös die etablierten Eliten waren. So wollte der Stadtoberste vor allem Ruhe und Ordnung bewahren: »In der Hauptstadt Bayerns vollziehen sich zurzeit große politische Umwälzungen. Wie die Ereignisse sich auch weiter abspielen mögen, für uns in Traunstein heißt das Gebot der Stunde: Einigkeit, Ruhe und Ordnung.« vew

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