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»Die Schanzenanlagen sind ein Riesenproblem«

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Bernhard Kübler ist seit 2017 Vorsitzender des Skiverbands Chiemgau. Er sieht eine der Hauptaufgaben des Verbands darin, neben dem Spitzensport auch den Breitensport gezielt zu fördern. Der Erfolg der verschiedenen Rennserien gibt ihm dabei recht.

Schon seit Kindesbeinen an ist Bernhard Kübler dem Sport in der Region eng verbunden. Seit 25 Jahren ist er jetzt schon in der Vorstandschaft des SC Hammer. Zudem ist er als Wettkampfleiter und OK-Chef bei vielen Sportveranstaltungen auf Gauebene bis hin zu Deutschen Meisterschaften und Europacups aktiv.


Seit 2017 ist Bernhard Kübler auch der Vorsitzende des Skiverbands Chiemgau – ein 24-Stunden-Job, den Kübler freilich ehrenamtlich erfüllt. Im Interview mit unserer Sportredaktion spricht Bernhard Kübler kurz vor der Mitgliederversammlung des Skiverbands Chiemgau (Dienstag um 19.30 Uhr im Wochinger Brauhaus in Traunstein) über die vielfältigen Aufgaben des Verbandes, über die bevorstehende Wintersaison und warum intakte Skischanzen in Ruhpolding wichtig für den heimischen Nachwuchs wären.

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Die neue Wintersaison steht kurz bevor. Steigt bei Ihnen schon die Vorfreude darauf, Herr Kübler?

Momentan noch nicht. Es ist noch sehr viel Arbeit zu erledigen.

Was genau steckt eigentlich hinter dem Skiverband Chiemgau?

Das ist ein Zusammenschluss von 69 Wintersportvereinen in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein. Wir haben derzeit rund 14 000 Mitglieder.

Und was genau hat sich der Skiverband Chiemgau zur Aufgabe gemacht?

Wir kümmern uns um alles, was mit Ski und Snowboard zu tun hat – also Biathlon, Langlauf, Skisprung, Nordische Kombination, Ski Alpin und Skicross. Bob, Rodeln, Skeleton und Eisschnelllauf gehören nicht zu unserem Aufgabengebiet.

Seit wann gibt es denn den Skiverband?

Wir haben in zwei Jahren unsere 100-Jahr-Feier. Wir wissen also, was wir nächstes Jahr tun dürfen.

Das heißt, da kommt eine jede Menge mehr an Arbeit auf Sie zu...

Ja, das stimmt. Aber ich bin der Meinung, dass man so ein Jubiläum schon feiern muss! Vor allem auch in Hinblick auf die vielen Erfolge, die wir seit der Gründung erzielt haben. Der erste deutsche Medaillengewinner bei Alpinen-Weltmeisterschaften etwa war ja aus Berchtesgaden – das war 1931 Friedl Däuber. Er holte Bronze im Slalom. Das Jahr darauf ist er Weltmeister geworden. Wir haben hier also seit 100 Jahren durchgehend Spitzensport zu bieten. Aber nicht nur.

Heißt das, dass auch der Breitensport im Skiverband nicht zu kurz kommt?

Ich lege unwahrscheinlich viel Wert auf den Breitensport. Weil es für die Kinder in der heutigen Zeit unheimlich wichtig ist, sich zu bewegen und nicht nur vor dem Computer zu sitzen.

Und was macht der Skiverband dafür konkret?

Wir veranstalten im Winter die Sparkassen-Cups. Diese gliedern sich auf drei Wettbewerbsserien auf: nämlich die Bioteaque-Langlauftournee, die Bioteaque-Schanzentournee und die Sparkassen-Cups alpin. Die Alpin-Serie ist komplett bei uns im Chiemgau, die anderen beiden Serien veranstalten wir zusammen mit dem Inngau.

Und die Serien kommen beim Nachwuchs gut an?

Ja, das sieht man an unseren Teilnehmerzahlen. Wir haben im Nachwuchsbereich circa 800 Kinder in den drei Disziplinen am Start! Das ist schon eine gute Zahl. Und auch hier sieht man, wie wichtig uns der Breitensport ist. Denn es kommen auch nicht alle ganz nach vorne, aber das wird auch gar nicht erwartet. Das Wichtigste ist: Alle haben einen Riesenspaß dabei!

Aber auch das hört sich nach viel Arbeit an. Die Hauptaufgabe im Sommer ist es dann wohl, diese Serien vorzubereiten, oder?

Es gibt sehr viel mehr, was man da tun muss! Um überhaupt Wettbewerbe durchführen zu können, müssen beispielsweise unsere Kampfrichter geschult werden. Dann erfolgt die Vergabe der Wettbewerbe. Dabei treffen sich die Vereine meist an ein, zwei Abenden und dann entsteht langsam der Wettkampfkalender. Und das ist übrigens gar nicht so einfach: Wir können auf Gauebene nämlich nicht einfach etwas bestimmen. Da muss etwa der Biathlon-Weltcup in Ruhpolding berücksichtigt werden, der Deutschlandpokal, der deutsche Schülercup und der bayerische Schülercup. Da bleiben für unsere Wettkämpfe oft nicht mehr viele Termine übrig. Dann müssen wir natürlich auch schauen, dass wir mit unseren Sponsoren reden. Wir müssen die Wett- bewerbe ja auch finanzieren können.

Alles in allem ist das eine Wahnsinnsaufgabe. Warum tut man sich das bitte an?

Es steht ja ein ganzes Team dahinter und wir alle sind sportbegeistert! Und wenn man mal bei einer Gesamtsiegerehrung dabei gewesen ist und miterlebt hat, wie begeistert die Kinder sind, dann weiß man, warum man das alles macht.

Und die Unterstützung in der Region ist auch da...

Definitiv! Der Skiverband steht nicht im luftleeren Raum. Ich bin beispielsweise sehr froh darüber, dass es viele Schulen in unserer Region gibt, die die Kinder und Jugendlichen unterstützen und ihnen den Leistungssport ermöglichen. Ohne diesem Zusammenspiel würde es nicht gehen!

Es gibt aber auch Sorgenkinder: Die Skischanzen in Ruhpolding und Hammer haben zuletzt immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt. Wie sieht der Skiverband Chiemgau die Situation?

Es gibt im Skiverband Chiemgau Bereiche, da funktioniert wirklich alles. Im Skisprung ist das Ganze zweigeteilt. Unsere Sportler sind genial. Wir sind seit Jahren im Deutschen Skiverband in diesem Bereich die erfolgreichste Region. Die Schanzenanlagen sind aber ein Riesenproblem.

Dabei hatte die Region mal jede Menge Top-Anlagen...

Ja, früher hat es im Skiverband Chiemgau 21 Sprungschanzen gegeben. Sie sind nach und nach weggebrochen, was ewig schade ist. Jetzt haben wir vier Anlagen – nämlich in Reit im Winkl, in Berchtesgaden, in Hammer und in Ruhpolding.

Aber in Ruhpolding können aktuell nicht alle Schanzen genutzt werden. Warum ist dem so?

Es gibt sehr viele Gründe dafür. Fakt ist: Wir brauchen in Ruhpolding unbedingt eine 60er und eine 90er mit Matten belegt, das wäre für unseren Nachwuchs ganz wichtig und würde unseren Trainern die Arbeit erleichtern. Das ist momentan aber nicht möglich. Aktuell müssen die Berchtesgadener Sportler in der Ramsau am Dachstein trainieren. Unsere weichen nach Saalfelden oder bis nach Villach aus.

Gerade für die Jugendlichen, aber auch für die Trainer und die Eltern ist allein schon die Fahrerei eine große Belastung. Villach etwa ist ja nicht der nächste Weg...

Ja, das ist mit sehr viel Zeitaufwand für alle verbunden. Und für uns mit großen Kosten.

Müsste Ihrer Meinung nach die Politik etwas tun?

Ja! Das Problem ist die Zuschussförderung. Die Gemeinde Ruhpolding kann das allein nicht stemmen. Das muss auch nicht der SC Ruhpolding machen, weil das ja ein überregionales Projekt ist. Aber es heißt, prinzipiell gefördert wird nur eine Schanze ab 90 Metern. Das kann natürlich nicht funktionieren, wenn ich genau die darunter brauche. Die Höhe der Förderung ist dann auch nicht unbedingt das, was man sich vorstellt. Wenn sich Politiker auch künftig bei den diversen Sportlerehrungen und -empfängen mit unseren erfolgreichen Sportlern auf der Bühne präsentieren und fotografieren lassen wollen, dann müssen die zuständigen Ministerien und Fachverbände (DSV, BSV und BLSV) jetzt irgendwann mal in diesem Bereich etwas investieren.

Kann das noch für diesen Winter klappen?

Für diesen Winter ist es definitiv so, dass die großen Schanzen in Ruhpolding nicht gesprungen werden können. Wir müssen froh sein, dass wir jetzt für Berchtesgaden die Zulassung bekommen haben. Und Reit im Winkl – dank sehr viel Eigenleistung – auch die kleine und die mittlere Schanze so in Betrieb hat, dass wir die Wettbewerbe durchführen können.

Gehen wir zurück zum Sportlichen. In welcher Disziplin sehen Sie aktuell am meisten Potenzial?

Das kann man so gar nicht sagen. Wir sind in allen Disziplinen gut aufgestellt. Sehr erfreulich ist aber, dass wir im Langlaufbereich den Anschluss an den DSV-Standard geschafft haben. Wir haben beispielsweise bei der letzten Bayerischer Meisterschaft mit 120 Kindern ein Drittel der Teilnehmer stellen können. Das ist eine tolle Geschichte. Da wird eine super Arbeit gemacht.

In unserer Region sind auch viele ehemalige Spitzensportler daheim. Einige davon engagieren sich auch für den Nachwuchs...

In der Tat gibt es viele Sportler, die da sind, wenn wir sie brauchen. Die sind bereit, etwas zurückzugeben. Ein absoluter Glücksfall für uns ist Tobias Angerer. Er unterstützt uns unheimlich in allen Bereichen und ist auch beim Training dabei und gibt seine Erfahrung weiter. Das ist genial, denn ohne Vorbilder funktioniert der Sport nicht.

Der Wintersport hat auch seine Schattenseiten. Pepi Ferstl hat sich vor wenigen Tagen im Training verletzt. Skispringer Andreas Wellinger verpasst wegen eines Kreuzbandrisses die ganze Saison. Leidet man da mit den Sportlern mit?

Ja, natürlich! Aber man stellt sich gerade dann auch die Frage: Bringt es das alles überhaupt? Also, Kinder zu einem Leistungssport zu bringen, der ein so hohes Verletzungsrisiko birgt. Wo bei dem einen oder anderen Wettkampf keine Rücksicht auf die Sportler sondern mehr auf die Action und das Drumherum gelegt wird.

Ein ganz tragisches Beispiel dafür ist der schwere Trainingsunfall von Ski-Nachwuchtstalent Nikolai Sommer im Mai 2017. Der Kirchanschöringer ist seitdem querschnittsgelähmt.

Das ist eine Katastrophe! Aber es ist unglaublich, was da für eine Unterstützung angelaufen ist. Auch für das ist der Skiverband Chiemgau wichtig! Auch der TSV Waging mit seinem rührigen Vorstand Beppo Hofmann hat da Großes geleistet. Martin Braxenthaler hat auch sofort geholfen. Und was Sportler mit Handicap erreichen können, ist phänomenal!

Der Wintersport steht aber auch aus einem anderen Grund immer wieder in der Kritik. Haben Sie das Bild aus Kitzbühel gesehen: grüne Wiese und ein weißer Streifen zum Skifahren. Wie sehen Sie das?

Das ist auch für mich eine Katastrophe. Und ich finde es auch nicht gut, wenn man mit Gewalt noch ein neues Skigebiet installieren will.

Der Winter ist in unserer Region zuletzt unberechenbar geworden. Was wünschen Sie sich für diese Saison: einen Mega-Winter wie zuletzt oder einfach einen normalen Winter?

Ein ganz normaler Winter wäre mir wesentlich lieber! Dann können wir unsere Sportstätten so präparieren, dass wir gut was machen können. Letzten Winter war die Menge des Guten zu viel! Stephanie Brenninger

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