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»Die schmutzigen Hände«

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Roubauds harmonische Kompositionen werden von Schwarz und verschiedenen Grautönen beherrscht. Hinzu kommt die Farbe Rot, symbolhaft für das Blut.

»Die schmutzigen Hände«: ein Bilderzyklus von Sylvia Roubaud nach einem Drama von Jean Paul Sartre, in dem nicht nur allein die Zeichensprache der in München geborenen Künstlerin, sondern der Inhalt den Akzent setzt, ist bis 28. April im »heimatMuseum« in Prien zu sehen.


Angelehnt an das Stück von Sartre und gegliedert in sieben Akte zeigt Roubaud in ihrem Bilderzyklus sieben großformatige Arbeiten auf Papier, bei denen noch die abgerissene Perforation aus dem Papierblock bewusst sichtbar bleibt. Als Meisterschülerin von Professor Emilio Vedova in Venedig und von Professor Günter Fruhtrunk an der Akademie der Bildenden Künste in München zählt Sylvia Roubaud heute zu den renommiertesten Künstlerinnen der bayerischen Landeshauptstadt.

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Fruhtrunk war Roubauds »geistiger Vater« und Vedova der »Motor« zu Beginn ihres künstlerischen Schaffens. Mit dem Chiemgau und Prien ist sie über ihren Großvater, den Schlachtenmaler Franz von Roubaud, verbunden. Seit 1964 stellt sie in Prien bei den Jahresausstellungen Chiemgauer Künstler aus, seit zwei Jahren ist sie auch Mitglied in der Jury. Der Leiter der Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising, Dr. Ulrich Schäfert, gab in der Ausstellungseröffnung äußerst fundierte und informative Gedanken zum Thema und brachte überzeugend und mit viel Begeisterung die Thematik des Dramas von Jean Paul Sartre, das in den ausgestellten Werken von Sylvia Roubaud verarbeitet wird, den Besuchern näher.

In den Exponaten, die in den Jahren 2017 und 2018 entstanden sind, setzt sich die Künstlerin mit einem Thema auseinander, das in der Politik und der Gesellschaft unserer Zeit aktueller ist denn je: Das Drama behandelt den Zwiespalt zwischen Verantwortung gegenüber sich selbst und dem großen Ganzen, zwischen ideellem Rigorismus und erfolgsorientiertem Pragmatismus, zwischen persönlicher Moral und überpersönlicher Parteiraison.

Um die komplexe Vielschichtigkeit und Betriebsamkeit des Lebens in der Vergangenheit und Gegenwart in ihren Bildern einzufangen, greift Sylvia Raubaud das Thema von Sartre, das Unendlichkeitsspiel, zu dem keine Erlösung in Sicht ist, auf und gestaltet es mit modernen zeichnerischen Mitteln im abstrakt-expressiven Stil. Die Entschlüsselung der Inhalte in den Werken setzt einerseits Kenntnis über Sartres Drama voraus, anderseits werden in den Exponaten unterschiedlichste Assoziationen wachgerufen.

Roubauds harmonische Kompositionen in den Blättern werden von Schwarz und verschiedenen Grautönen beherrscht. Hinzu kommt die Farbe Rot, symbolhaft für das Blut, die Sylvia Roubaud mit Ihren Händen auf das Papier aufträgt und in enger Verbindung zu dem Inhalt von Sartres Drama steht. Farbflächen, Linien, Schraffuren und Verwischungen zeigen eine spontane Niederschrift innerer Empfindungen und ein rein abstraktes Spiel bewegter Kräfte. Die Bilder wirken auf den ersten Blick ungezügelt, aber zugleich harmonisch.

Die Arbeiten suggerieren Kämpfe oder Konflikte, die nachvollziehbar sind. Aus den Verschlingungen der Farben Rot und Schwarz entsteht ein expressives Linien- und Flächenspiel mit inhaltsträchtigen Sinneszeichen und »kämpferischen« Szenerien zwischen den Formen. Linie, Form und Farbe, vom Zwang der Darstellung befreit, entfalten ihre ursprünglichen Kräfte in einem offenen Prozess der Schöpfung. Weitere Arbeiten mit den Titeln »Zeit-Raum« von 2017 oder »Hommage à Josef Anton Riedl« von 2016 sind im rechten hinteren Raum des Museums ausgestellt wie auch sieben weitere kleinere Arbeiten,

Die sehr sehenswerte Ausstellung ist bis 28. April täglich außer Montag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Karfreitag, 19. April, Ostersonntag und 21. April ist die Ausstellung geschlossen. Am Ostermontag, 22. April ist die Ausstellung im heimatMuseum Prien, Valdagnoplatz 2, geöffnet. Gabriele Morgenroth

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