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Konzert in der Pfarrkirche Kirchanschöring mit überwiegend Laienmusikern aus der Region als Sternstunde der Kirchenmusik im Rupertiwinkel

»Die sieben Worte Jesu am Kreuz« von César Franck als selten aufgeführtes Werk

Der November ist mit Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag der Monat mit dem Gedenken an die Verstorbenen, aber auch dem Gedenken an eines der zentralen Themen christlichen Glaubens: den Tod Jesu am Kreuz.

Chor und Orchester von überwiegend Laienmusikern und -sängern füllten den Altarraum der relativ kleinen Pfarrkirche in Kirchanschöring. (Foto: Mikosch)

Seine überlieferten Worte am Kreuz hat der deutsch-französische Kirchenmusiker César Franck in einem Oratorium in beeindruckender Weise vertont und in diesem musikalisch deutlich gemacht, was Jesu Tod für ihn selbst wie auch für die Christenheit bedeuten. Dass dies nicht nur dem Komponisten ein Bedürfnis war, sondern auch den Mitwirkenden eines beeindruckenden Konzerts in der Pfarrkirche Kirchanschöring unter Leitung von Christine Hofmann, war deutlich zu spüren.

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Orgelklang zum Auftakt

Die Dirigentin des Abends hat mit begeisterten Sängern und Sängerinnen aus der Region rund um den Waginger See einen homogenen Chor zusammengestellt und ein Orchester aus spielfreudigen Musikern aus dem Rupertiwinkel und aus dem Raum Salzburg, um dieses Oratorium aufführen zu können. Fast überbesetzt war der Kirchenraum mitsamt seiner Empore. Zum Auftakt erklang der 4. Satz, das Allegro, Concerto in D von Georg Philipp Telemann in barocker Manier, eine heitere Orgelmusik im Zusammenspiel mit strahlenden Trompetenklängen, dargeboten von Benedikt Meurers (Orgel) und Rupert Eder (Trompete ). Mit dem Terzett aus »Elias« des Komponisten der Romantik, Felix Mendelssohn-Bartholdy, berührten die Sopranistin Andrea Huber, Christine Hofmann (Mezzo-Sopran) und Veronika Pallauf (Alt) mit ihrer ebenso innigen wie sauberen Interpretation des Psalms »Hebe deine Augen auf zu den Bergen« Herz und Ohr der Zuhörer. Ebenso ein Komponist der Romantik, Anton Bruckner, schrieb das ergreifende Stück »Locus iste«, das nun mit warmem Ausdruck in weicher Molltonart vom Chor vorgetragen wurde, bis sein Schlussakkord zart im Kirchenraum verklang. Orgel und Cello begannen nun mit dem schlichten Thema des »Panis angelicus«, das von Sopranistin Andrea Huber aufgenommen und weitergeführt wurde, begleitet vom »Instrument der Engel« der Harfe, dem zart einstimmenden Chor, vom Cello weich umspielt: ein Bad in seelenvollen Klängen des Komponisten César Franck, dessen Werk »Die sieben Worte Jesu am Kreuz« anschließend erklingen sollte. Markus Putzhammer trug jedes der Worte Jesu vor, ehe deren musikalische Beschreibung begann.

Diese Worte Jesu, ihre Bedeutung, wurden musikalisch mit César Franks Komposition eindrucksvoll interpretiert. Präzise, mit einprägsamen, deutlichen, teilweise nur kleinen Bewegungen verstand es Christine Hofmann, Orchester, Chor und Solisten konzentriert zu führen, Tempi zu regulieren, immer das Ganze im Auge behaltend, wie zu Jesu erstem Wort (»Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.«) die dunklen Streicher und Bässe, die wie verhaltene Pauken ein düsteres Bild malen, bis der Chor den – lateinischen – Text singt, fortissimo , dramatisch, mitsamt dem Orchester. Ein positiver Ausblick wird zum zweiten Wort (Herr gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst. »Wahrlich, ich sage die; Heute wirst Du mit mir im Paradies sein.«) gezeichnet. Ein Genuss ist es, dem gefühlvollen Schmelz des Tenorparts (Gerhard Erlebach) und des stabilen, vollen Bass' (Robert Kneidl) zu lauschen, im Einzelsolo oder Duett, von Streicher- und Flötenklängen umspielt.

Zu Jesu drittem Wort (Als Jesus seine Mutter sah, und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: »Frau, dies ist dein Sohn!« Dann sagte er zu dem Jünger: »Dies ist Deine Mutter.« Welch ein Schmerz! Wer könnte ohne Tränen sehen, Christ Mutter in ihrem Leid am Kreuze stehen?) beginnt die Musik fragend und klagend, bis im wunderschönen Duett zwischen Sopran (Andrea Huber) und Bass (Robert Kneidl) ein fast positiver Ausklang erfolgt. Zu Jesu viertem Wort (»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« Meine Freunde habe sich wie Fremde von mir zurückgezogen und die mich kannten, haben mich vergessen.) beklagt der Chor in einem Trauergesang Jesu Schmerz, während der Tenor auf einem Ton verharrt, von den weiblichen Chorstimmen sanft beruhigt.

Der Spott der Soldaten über Jesu fünftes Wort (»Mich dürstet.«) zeigt sich gekonnt in musikalischer Dynamik bis zur Dramatik, fortissimo, mit Pauken verstärkt, klagendem Bassgesang, bis danach Orchester und der Chor kraftvoll fast zu einem Triumphgesang finden.

Wie Himmelsmusik erklingt die Harfe zu Jesu sechstem Wort (»Es ist vollbracht.« Er selbst trug unsere Sünden an seinem Leib hinauf auf das Kreuzesholz, damit wir der Gerechtigkeit leben.) und weicht zum Schluss feierlichem Bläserklang in Zuversicht und positivem Ausblick.

Strahlender Lobgesang

Malerische Klänge des Friedens beschreiben Jesu siebtes Wort ´(»Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist. Du bist mein Vater, mein Gott, Hort meines Heils.«), in die der Tenor sanft einstimmt und im Wechsel mit zartem Chorgesang seinen schwierigem Part mit höchsten Tonlagen meistert. Dass darauf ein strahlender Lobgesang folgte, nämlich Georg Friedrich Händels jubelndes »Halleluja« aus dem Messias, war der logische und krönende Schlusspunkt des Konzerts.

Erst ein Moment der Stille, und dann kam der Applaus, begeistert und lang anhaltend. Unglaublich, dass dieses gehaltvolle Werk – fast – nur von Laien so eindrucksvoll dargeboten wurde. Dank galt der Initiatorin und Dirigentin des Abends, Christine Hofmann, die dem Publikum noch zwei Zugaben schenkte: die moderne »Fanfara alla celtica« von Hans André Stamm für eine rhythmische Orgel und fröhliche Trompete und »Weit ist das Meer« für Chor und Orchester – ein ebenso feierlicher wie beruhigender Ausklang eines beglückenden Abends. Helga Mikosch