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Das Stück »Charis« begeistert bei den Chiemgauer Kulturtagen das Publikum

Die Stille nach dem Tanz

Die letzte Veranstaltung der Chiemgauer Kulturtage fand in der Traunsteiner Klosterkirche statt, wo die zahlreich erschienenen Zuschauer das Tanzprojekt »Charis« (Freude, Gabe), eine choreografische Recherche zu Tanz und Religion, unter der formidablen Leitung der Tanzpädagogin Corinna Spieth-Hölzl zu sehen bekamen.

Die Tänzerinnen Karmen Skandali (links) und Vasiliki Biska boten eine hochspannende und graziöse Performance. (Foto: Heigl)

Die hochspannende und ästhetisch in sich ruhende, kraftvolle, aber auch graziöse Performance der beiden Tänzerinnen Vasiliki Biska und Karmen Skandali wurde von schauspielerisch dargestellten, eindringlich interpretierten Texten und Oberton-Gesang begleitet.

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Der Sprecher Mattis Nolte las Texte von Hildegard von Bingen, aber auch eigene Texte, die er in das Tanzgeschehen einflocht, und deren philosophische Qualität eine bewusstseinserweiternde Botschaft in sich trugen. Zur Tanzperformance »Labyrinth« hieß es da etwa: »Falsch oder richtig ist die Frage der Welt. Bleibe nicht stehen, ist die Antwort des Labyrinths.«

Die Musikerin respektive Klangkünstlerin Cora Krötz vervollständigte das Ensemble mit einer spannend-tiefenentspannenden Klangperformance aus Oberton-Gesang und Hang-Trommel, aber auch die sphärischen Klänge einer riesigen Psalter begleiteten das Geschehen.

Geradezu magisch-mystisch war die Solotanzeinlage einer der Tänzerinnen, die sich zum pendelnden, kreisenden und schwingenden Licht bewegte, das an einem langen Kabel in der Apsis von der Decke hing, dem sie immer wieder neue Bewegungsimpulse gab, die dann ihren Tanz formten.

Einen ganz intensiven Moment erlebten die Zuschauer, als sich die beiden Tänzerinnen in den gegenüberliegenden Mauernischen für einen Augenblick in Figuren aus Stein zu verwandeln schienen, die an die indische Religionsmystik oder mittelalterliche Darstellung der Moriskentänzer erinnerte.

Die Stille nach der Darbietung war tief und intensiv zu spüren – fast traute sich das Publikum nicht, durch Klatschen die wunderbare Stimmung zu unterbrechen – aber dann hörte sich sogar das gemeinsame Klatschen wie ein wohltätiges Klangbad an. Die Stimmung im Publikum war so tiefenentspannt, dass sich das auch im Applaus widerspiegelte.

Es bleibt zu hoffen, dass das Ensemble sich noch einmal zusammenfindet, um diese fantastisch-mystische Choreografie aus Tanz, Sprache und Musik zu wiederholen. Vor allem könnte dann auch der erste Teil des Tanztheaters wiederholt werden, der einen Tag zuvor stattgefunden hatte, und von der außergewöhnlichen Künstlerin und Pianistin Katerina Antonova begleitet worden war. Barbara Heigl