Die Suche nach der richtigen Lösung für den Berggasthof

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Erneut wurde über den Berggasthof Streichen diskutiert. (Foto: Wunderlich)

Schleching – Im November verstarb unerwartet mit 71 Jahren Franz Strohmayer, der Wirt des beliebten Berggasthofs Streichen. Die Erben sind nun gezwungen, den Gasthof mit dem umliegenden Wald und den Wiesen zu verkaufen. Die Gemeinde hat ein Angebot erhalten mit dem erklärten Ziel, dass das Anwesen in der bestehenden Form erhalten bleibt. 


Am Ende der letzten Gemeinderatssitzung gab Josef Loferer ein Statement ab, wie er als Bürgermeister zum Thema steht, da er in der letzten Zeit oft Fragen von Bürgern dazu bekam. Sinngemäß erklärte er, dass der gesamte Gemeinderat das Ziel hat, die Berggaststätte zu erhalten, doch als Bürgermeister müsse er den Blick aufs Ganze haben.

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Kauf und Betrieb einer Gaststätte wären eine freiwillige Aufgabe der Gemeinde. Zurzeit stünden aber noch sehr viele Pflichtaufgaben an, wie der Ausbau des Kindergartens, die Wasserversorgung, die Abwasser-Situation, die Schule und vieles mehr.

Unter diesem Aspekt könne er dem von einigen Gemeinderäten vorgelegten Finanzierungskonzept (nicht öffentlich bekannt) nicht zustimmen. Die aufzubringenden Finanzmittel würden den Handlungsspielraum der Gemeinde erheblich einschränken. Sie würde auf eine finanzielle Handlungsunfähigkeit zusteuern – »das will und kann ich nicht verantworten!«.

Zum Vergleich führte er das Projekt Dorfladen an. Das Projekt Streichen wäre vom finanziellen Aufwand sechsmal höher als damals der Kauf des Dorfladens. Das sei mit dem vorgelegten Finanzierungskonzept einfach nicht zu schaffen. Zudem verwies er darauf, dass das Landratsamt Traunstein in einem fünfseitigen Schreiben dringend von einem Kauf des Betriebs abrät.

Dazu sagte Andi Hell (UBS), er stimme mit dem Wunsch aller Gemeinderäte überein, den Berggasthof in seiner bisherigen Form zu erhalten. Nur über die Wege zur Realisierung dieses Wunsches gebe es unterschiedliche Meinungen. Die Bürger hätten das Recht, umfassend zu allen relevanten Fakten informiert zu werden.

Die »Interessengemeinschaft Streichen« hatte sich mit einem Schreiben an alle Haushalte gewandt. Vertreten wird sie durch die Gemeinderatsmitglieder Elfie Bachmann, Muck Bauer jun., Michael Eisenberger sowie Fritz Irlacher (Altbürgermeister) und Hartmut Rihl (Ortsheimatpfleger). Die Initiatoren schlagen zur Finanzierung unter anderem die Unterstützung einer gemeinnützigen Familienstiftung an und bitten die Bürger um Einsatz, die Kommune bei diesem wichtigen Vorhaben zu unterstützen.

Hell bezeichnete den Brief als irreführend, der wesentliche Fakten verheimliche. Das Finanzierungskonzept sehe nämlich die Hauptlast der Kosten bei dem Geld der Bürger – durch Entnahme aus den Rücklagen, die eiserne Reserve sein sollte, Verkauf eines Gemeindegrundstücks und Aufnahme eines neuen Darlehens. Er forderte dringend, die Situation transparent darzustellen und erinnerte, dass Gemeinderäte die Pflicht zum sorgsamen und sparsamen Umgang mit dem Geld hätten, das die Bürger zur treuhänderischen Verwaltung dem Rat anvertraut hätten. Auch wolle er nicht der nächsten Generation diese große Schuldenlast hinterlassen. Er schlug vor, vernünftig mit anderen Bewerbern zu verhandeln.

Erst reden, dann schreiben

Das sah Timo Kleinschroth (UBS) genauso. Ihm sei ein fairer und sachlicher Umgang mit privaten Interessenten für einen Kauf wichtig. Er beklagte, wie dagegen Stimmung gemacht werde. Die »Pauschalverurteilung eines einheimischen Bewerbers« sei diffamierend. Der genannte Brief sei schlechter Stil – bevor man so etwas schreibe, solle man doch erstmal miteinander reden.

Dazu verlas Loferer den Brief eines privaten Kaufinteressenten, der sich aufgrund der »Stimmungsmache als Spielball der Interessengruppe« fühle und sich daher bis 30. Juni – bis eine Kaufentscheidung der Gemeinde vorliegt – ausklinken will.

Kleinschroth beklagte weiter den Internetauftritt der »Interessengemeinschaft Streichen«, wo falsche oder nicht relevante Fakten stünden und von einem »Ausverkauf der Heimat« geschrieben werde. Dafür werde verschwiegen, dass die Stiftung für ihre Einlage einen Geldrückfluss aus dem Projekt von jährlich 12 000 Euro beanspruche und als Miteigentümer in das Grundbuch eingetragen werden wolle. Das bedeute, die Gemeinde müsste sich bei allen wesentlichen Entscheidungen mit diesem Miteigentümer einigen. Eindringlich appellierte er zum Schluss »sachlich bleiben und nichts falsch darstellen oder verdrehen«.

Dagegen wehrte sich Claus Rathje (UBS), der den Vorwurf des schlechten Stils zurückgab und die Tatsache, dass Fakten und Zahlen an die Öffentlichkeit gegeben würden, sei nicht richtig. Er sah so keine Grundlage für eine sachliche Diskussion. Ähnlich sah es Elfie Bachmann, die sich »erschüttert über die Vorgehensweise« äußerte und dass Themen, die nicht öffentlich sind, in dieser Sitzung ausgesprochen wurden.

Sie reklamierte, dass jeder das Recht habe, sich um das Anwesen zu bewerben, aber wenn es in öffentlicher Hand bleibe, bestehe die Gewähr, dass es so erhalten bleiben kann. Man könne nicht wissen, ob ein privater Investor es in ein paar Jahren wieder verkaufe, dann hätte die Gemeinde keinen Einfluss mehr. Sie wolle nicht schuld sein, wenn nachfolgende Generationen fragen, warum der Berggasthof nicht in der bestehenden Form erhalten wurde. Zu dem Brief meinte Bachmann, es sei eine rein private Angelegenheit gewesen, die Bürger in das Thema einbinden sollte.

Remigius Bauer (parteilos) meinte zu dem Schreiben an die Bürger, dass dieses ja nicht gegen die nicht beteiligten Gemeinderäte gerichtet war. Auch er bedauere das, falls es so verstanden wurde. Er meinte, das sei Teil eines Konzepts mit Bürgerbeteiligung.

Christian Zaiser (UBS) verwies darauf, dass sich Andi Hell auf ein Finanzierungskonzept bezog, das zurzeit noch überarbeitet und noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Bei diesem neuen Konzept werde natürlich darauf geachtet, dass die Gemeinde handlungsfähig bleibt. Zudem beziehe sich die ablehnende Haltung des Landratsamts auf das erste Konzept, wo für die Gemeinde ein erheblich höherer Finanzierungsaufwand bestand.

Bürgermeister Loferer beendete an dieser Stelle den öffentlichen Teil. Gemeinsam wurde eine Pause beschlossen, um dann mit dem nicht-öffentlichen Teil fortzufahren. wun