weather-image
24°
Umgang mit der tödlichen Krankheit »amyotrophe Lateralsklerose«: Dagmar Krummland aus Traunstein meistert ihr Leben mit ALS

Die Suche nach der Wahrheit

Mit Gedanken sein Leben verändern – geht das? Wer den Zusammenhang zwischen einer Krankheit und seinen Denkmustern kennt, kann sicherlich positiv auf seine Befindlichkeit einwirken. Das Wichtigste dabei ist, dass die Angst abgelegt werden kann. Zu erkennen, durch welche inneren Programme Entscheidungen beeinflusst werden, kann helfen, diese in Klarheit zu treffen.

Die 75-jährige Dagmar Krummland stemmt sich gegen ihre Krankheit ALS. (Foto: Janoschka)

Das Geheimnis heißt, sich auf die Suche nach der Wahrheit zu begeben. »Wie kommt man jedoch in seinen Kopf hinein?« Diese Frage stellte sich Dagmar Krummland, die im Januar 75 Jahre alt wurde, als sie vor mehr als fünf Jahren die Diagnose ALS (amyotrophe Lateralsklerose) erhielt und damit die Prognose eines baldigen Todes. Jetzt – nach dieser langen, geschenkten Zeit des Lernens – hilft sie anderen Betroffenen, mit Diagnosen dieser Art umzugehen und ihr Leben und vor allen Dingen ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen.

Anzeige

»Ich brauche einen totalen Neuanfang, weg von Allem, was mein Leben bisher ausgemacht hat,« sagte sie zu ihrem Neurologen in Hamburg. Angesichts der Diagnose fiel dieser fast vom Stuhl bei dieser Antwort. Seit Februar 2017 wohnt Dagmar Krummland nun in Traunstein, wo sie eine neue Heimat gefunden hat, in der sie leben, schreiben und geheilt werden kann. Viele Begebenheiten wirkten zusammen, bis der Umzug in eine behindertengerechte Wohnung in der Unterstadt von Traunstein möglich war.

»Ich möchte wieder eine Stimme haben«, sagt Dagmar Krummland heute und »Am liebsten möchte ich meine Wahrheit, meine Freiheit, mein Glück und meine Liebe aus mir heraus singen – sanft und liebevoll.« Und doch sagt sie so Vieles nicht, weil die Menschen sie nicht verstehen können. »Nicht klar sprechen zu können, ist dabei die am wenigsten (lebens-)bedrohliche (Un-)Fähigkeit«, räumt die lebensfrohe Seniorin ein. Von ihrem Therapeuten hat sie gelernt, dass es für den Umgang mit Krisen und Krankheit unerlässlich ist, einen Zugang zum Gehirn herzustellen und mit einer bestimmten Methode darin einen bestimmten Zustand zu erzeugen. Die inneren automatisierten Programme, die einmal in Stress-Situationen angelegt worden sind, haben inzwischen mit der Realität nichts mehr zu tun, erzeugen aber Ängste und Symptome im Körper, die im schlimmsten Fall den Tod bedeuten (wie bei ALS).

Vor vier Jahren war sie bereit, den Freitod in der Schweiz zu suchen. Das glaubt ihr heute niemand mehr. Heute absolviert sie viele Therapien – sechs Einheiten Physio pro Woche, drei Einheiten Ergotherapie und Logopädie. Woher sie die Kraft nimmt? Das erstaunt sie selbst. Die innere positive Einstellung allein ist zwar Voraussetzung, reicht aber nicht aus. Schädliche Denkmuster in den neuronalen Verknüpfungen im Gehirn müssen in heilende umprogrammiert werden. Dies ist durch das quantenkybernetische Modell nach Andreas Jell möglich. Bereits nach der ersten Sitzung veränderte sich ihr Zustand zum Positiven.

Fast fünf Jahre nach der Diagnose und mehr als sieben Jahre nach den ersten deutlichen Symptomen müsste sie nach den ersten Einschätzungen ihrer früheren Ärzte schon seit zwei bis vier Jahren tot sein, zumindest aber über eine PEG ernährt und schon seit Jahren beatmet werden. Bei ihr ist irgendetwas anders, als es der allgemeinen Erwartung nach der Diagnose ALS entspricht – weil sie die Einzige zu sein scheint, die bisher diesen Weg gegangen ist.

Für Dagmar zählte nur der Weg, nach ihrer Wahrheit zu suchen. Sie stellte sich Fragen wie: »Wer bin ich wirklich, und zwar außerhalb meines Körpers?« und »Was will ich wirklich?«. So hat sie herausgefunden, dass es eine Wirklichkeit gibt, die völlig unabhängig ist von dem, was sie in ihrem Körper spürt. So kann sie Freiheit erleben in ihrem Körper, obwohl er so vielen Einschränkungen unterworfen ist. Das versetzt sie in einen Gehirn-Modus, der auf die unerschöpfliche Energiequelle Zugriff hat und daher klare und angstfreie Entscheidungen ermöglicht.

Für ihre Familie und Freunde war es zunächst sehr befremdlich, dass sie nicht das Opfer war, das sie nach jedermanns Meinung hätte sein müssen. Der Zugang zu einer höheren Weisheit hat sie entscheiden lassen, von Hamburg in den Chiemgau zu ziehen. Denn ohne die Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit wäre sie selbst an das, was sie jetzt lebendig sein lässt, nicht herangekommen. Dann wäre sie dieser Krankheit schon längst erlegen. Nun will sie ihre Wahrheit mit denen teilen, die ebenfalls auf der Suche und bereit sind, sich dieser zu öffnen. Brigitte Janoschka