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Lawinen fordern viele Todesopfer – Verein der Salzburger Bergwanderführer bietet Ausbildung an

Die weiße Gefahr

Schnee war in Maria Alm weit und breit keiner in Sicht. So mussten die Kursteilnehmer mit viel Theorie Vorlieb nehmen. Doch auch ohne richtigen Praxistest wurde in den vier Tagen überaus deutlich, wie wichtig eine sorgfältige Tourenplanung und die Wahl der richtigen Ausrüstung im Sommer und auch im Winter für jede Art von Bergsport sind.

Im Winter müssen Wanderer beim Naturdenkmal Triafnfall damit rechnen, dass die Ausläufer einer Lawine bis zu diesem Punkt reichen. (Fotos: Brenninger)

Klaus Wagenbichler bildet seit Jahren regelmäßig Bergwanderführer im Verein der Salzburger Bergwanderführer aus. Im Winterkurs, der als Ergänzung zum zehntägigen Sommerkurs gedacht ist, ist einer der Schwerpunkte die Lawinenkunde. Und die Tipps, die Wagenbichler parat hat, sind nicht nur für die angehenden Bergwanderführer Gold wert, sondern auch für jeden anderen Berg- und Wintersportbegeisterten.

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»Die Lawine macht keinen Unterschied, ob das ein erfahrener oder unerfahrener Schneeschuhwanderer oder Skitourengeher ist«, betont Wagenbichler, der Bundesfachreferent für Lawinen und Unfallprävention und der stellvertretende Landesleiter der Bergrettung im Bundesland Salzburg ist. Daher sollte man seine Routen im Vorfeld immer genauestens planen und eben auch vor Ort immer wieder die aktuelle Lage beurteilen – etwa die Hanglage. Unter zehn Grad gibt es praktisch keine Lawinen, allerdings kann dieses Gebiet durchaus ein Auslaufgelände sein. Bis 20 Grad sind Lawinenabgänge eher selten. Bis 45 Grad ist die Hauptgefahrenzone.

Plant man eine Tour im Winter, sollte man zwingend einen Blick auf den Lawinenlagebericht werfen – und diesen auch richtig lesen können. Die internationale Lawinenskala ist in fünf Stufen eingeteilt. Bei den Stufen eins und zwei (gering und mäßig) kann man eine Wanderung oder Skitour unternehmen. Allerdings gibt es auch in diesen beiden Bereichen Lawinen. »Viele unterschätzen die Gefahr«, sagt Wagenbichler. Ein Pongauer Ehepaar kam 2002 etwa ums Leben, weil sie die weiße Gefahr nicht erkannt haben und in einen 45 Grad steilen Hang eingefahren sind. Da sie auch ihre LWS-Geräte nicht eingeschaltet hatten, konnten die Retter nichts mehr für sie tun.

Bei Stufe drei herrscht schon große Gefahr

Bei Stufe drei muss schon gut überlegt werden, schließlich sind die Stufen nicht mit Schulnoten zu vergleichen, betont Wagenbichler. »Das wird oft verwechselt.« Stufe drei stelle bereits eine erhebliche Gefahr dar, betont er. Der größte Teil der Lawinenunfälle passiert auch genau in diesem Bereich. Der Schweizer Lawinenforscher Werner Munter prägte in diesem Zusammenhang auch den Ausdruck »todgeiler Dreier«. Darunter versteht man, bei Lawinenwarnstufe drei einen Nordhang mit mehr als 35 Grad Neigung zu befahren.

»Bei den Stufen vier und fünf hat dann ja jeder auch was anderes zu tun, als in den Bergen zu sein«, sagt Bergführer Ingolf Hammerschmied, der zweite Ausbilder, »da muss man dann eher den Schnee von den Dächern scheren.« Die größte Lawinengefahr herrscht übrigens in den Monaten Januar, Februar und März.

Rettung kann oft sehr lange dauern

Und alpine Gefahren lauern gerade in den Wintermonaten immer und überall. Kälte, einsetzender Schneefall, schlechte Sicht oder ein tückischer Wind machen die Tour oft zu einer Tortur. Daher ist die Wahl der richtigen Kleidung wichtig (auch an Ersatzkleidung denken!) und kann im Notfall auch Leben retten. Kommt es zu einem Unfall, dann bekommt man über den internationalen Notruf 112 Hilfe. »Doch auch die Retter brauchen gerade im Winter, wenn der Hubschrauber nicht fliegen kann, einige Zeit, um an der Unfallstelle zu sein«, macht Wagenbichler deutlich. »Es können dabei durchaus Stunden vergehen.«

Man sollte daher unbedingt vorsorgen, um den Verletzten vor Unterkühlung und Erfrierungen schützen zu können. Man kann ihn etwa in einen Biwaksack, der mit übrigen Kleidungsstücken ausgelegt wurde, einwickeln. Zudem sollte man unbedingt eine Thermoskanne mit einem heißen, zuckerhaltigen Tee bei sich haben – auch das hilft dem Verletzten, die Zeit bis zur Rettung zu überstehen. Zudem kann man mit dem Tee, einem Dreieckstuch und einer Plastiktüte eine Art Wärmflasche machen. Dafür gibt man etwas Tee auf das Dreieckstuch, legt dieses in die Plastiktüte und legt es dem Verunglückten auf den Bauch oder die Schulter (allerdings nicht direkt auf die Haut, damit es keine Verbrennungen gibt).

Aber am besten ist es natürlich, wenn man diese Erste-Hilfe-Maßnahmen nie braucht. Deshalb sollte man seine Tour lieber vorher gut planen, um dann nicht von der Naturgewalt überrascht zu werden – und im Zweifel sollte man sich lieber von erfahrenen Leuten Tipps holen, eine sichere Tour im Flachen planen oder eben lieber einmal ganz zuhause bleiben. SB