weather-image
29°

Die Wirklichkeit durch Malen erfassen

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Aus der Serie »Fleisch« – ein Ölbild von Simone Deka, das während des Studiums an der Kunstakademie entstanden ist. (Foto: Giesen)

Eine sehenswerte Ausstellung unter dem Titel »Gestatten, Simone Deka« ist in den Kulturräumen des Staatlichen Landschulheims Marquartstein eröffnet worden.


Simone Deka ist neue Kunstlehrerin des Gymnasiums und legte hier selbst 2003 unter ihrem Mädchennamen Gandler das Abitur ab. Sie zeigt ein breites Spektrum ihrer Arbeiten von der Schulzeit am Landschulheim, ihrem Studium an der Kunstakademie sowie Bilder von heute. Ihren Weg von der einstigen Schülerin bis zur Künstlerin skizzierte kompetent ihr früherer Kunsterzieher Toni Bader, den sie jetzt als Lehrerin ablöst.

Anzeige

Die Präsentation im Landschulheim zeigt zum Beispiel sechs markante Farbholzschnitte von Kindern, erste, aussägekräftige Porträts, bei denen sich die künstlerische Entwicklung erkennen lässt und Selbstporträts. Dabei kommt es der Künstlerin darauf an, nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Menschen zu erfassen, sondern auch den Wesenskern, die Person als Ganzes. Um die Haut eines Menschen wirklich lebendig darstellen zu können, begann sie Fleisch zu malen, ganze Fleischberge, die sie bis ins kleinste Detail wiedergab.

Bei Simone Deka ist das Malen ein Erfassen der Realität, ein den Dingen auf den Grund gehen. Auffällig ist die unglaubliche, oftmals akribische Genauigkeit und Beobachtung des Objekts. Dabei ist Deka aber »weder Kopiermaschine noch Fotoapparat«, wie sie erklärt. Aber erst mit der Beherrschung des Handwerks Malen sei sie auch in der Lage, Entscheidungen zu treffen.

Besonders ins Auge sticht ein Triptychon, ein dreiteiliges Bild, das in der Mitte ein großes Foto von der Fangemeinde um Hansi Hinterseer in den Kitzbüheler Alpen zeigt. Auf der linken Seite befindet sich ein sehr gutes, schwarz-weißes Porträt des Folkloresängers, der mit großer Geste direkt auf den Betrachter zeigt. Hinterseer hielt Deka für eine Pressefotografin und zeigte in der Situation direkt auf sie. Von diesem Foto entstand das großformatige Porträt. Auf der anderen Seite des Fotos befindet sich das Porträt des großen französischen Realisten des 19. Jahrhunderts, Gustave Courbet, der um 1850 erstmals in der Kunstgeschichte Arbeiter zum Thema seiner Bilder machte anstelle von Herrschern und Adeligen. Das Porträt Courbets steht für die kritische Beobachtung der Welt in der Kunst des Realismus, wobei Realismus vor allem als Grundhaltung gemeint ist, nicht so sehr als künstlerische Methode.

Simone Deka wurde 1983 in Traunstein geboren, wuchs in Grassau auf und legte nach dem Abitur ein Praktikum bei der akademischen Bildhauerin Majlies Dobel ab. Nach der Aufnahme an der Kunstakademie in München legte sie 2010 das erste kunstpädagogische Staatsexamen ab, 2013 das zweite. Als Kunstlehrerin unterrichtete sie unter anderem in München und Neubeuern.

Die Vernissage umrahmten nach der Begrüßung von Oberstudiendirektor Gerhard Pschorn einige Schülerinnen musikalisch stimmungsvoll, wobei besonders Annabell Vacano eine konzertreife Darbietung auf der Violine bot. Sie hatte kürzlich den ersten Preis beim Regionalwettbewerb von »Jugend musiziert« gewonnen.

Die Ausstellung ist bis 18. März montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Christiane Giesen