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»Die Wunderübung«: Devid Striesow muss zum Paartherapeuten

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Die Wunderübung
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Paartherapeut Harald (Erwin Steinhauer, M) verfolgt kritisch Joana (Aglaia Szyszkowitz, l) und Valentin Dorek (Devid Striesow) bei einer Übung. Foto: Wolfgang Thaler/Allegro Film Foto: dpa

»Warum trennen Sie sich eigentlich nicht?«: Das ist eine Frage, die ein Paartherapeut einem zerstrittenen Ehepaar besser nicht stellen sollte, wie die fintenreiche Beziehungskomödie »Die Wunderübung« zeigt. Oder ist sie genau deshalb dann doch die richtige Frage?


Berlin (dpa) - Er nimmt den Fahrstuhl, sie die Treppe: Wenn ein Ehepaar nicht mal mehr den Weg zum Paartherapeuten gemeinsam gehen will, ist es dort vermutlich genau richtig. »Die Wunderübung« heißt die schräge Paar-Komödie von Regisseur Michael Kreihsl.

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Devid Striesow und Aglaia Szyszkowitz sitzen darin mit ihrer zerrütteten Ehe 90 Minuten lang in der Praxis eines Wiener Paartherapeuten, der den beiden mit ungewöhnlichen Methoden wieder zum Liebesglück verhelfen will. Die auf einem Theaterstück des österreichischen Schriftstellers Daniel Glattauer basierende Geschichte lebt von ihren Dialogen, die manchmal so anstrengend sind wie es vermutlich nur eine 17 Jahre lange Beziehung sein kann.

Mehr als fünf Minuten dauert es, bis das erste Wort im Film gesprochen wird, und damit ist ein wichtiger Punkt schonmal abgehakt: das ewige Schweigen in Langzeitbeziehungen. Joana (Szyszkowitz) und Valentin (Striesow) bezeichnen selbst ihre gemeinsame Anfahrt zum Therapeuten als Fehler, und sie erklärt gleich noch: »Normalerweise gehen wir getrennte Wege!«.

Den Paartherapeuten (Erwin Steinhauer) überrascht freilich nichts davon, er schaut seine neuesten Klienten mit stoischer Gelassenheit an und versichert ihnen lächelnd im schönsten Wiener Singsang: »Kein Paar, das hierher kommt, hat seine beste Phase.« Dass sie von ihm nicht allzu viel erwarten dürften, will er aber auch gleich gesagt haben: »Wenn Sie etwas retten, bewahren oder festigen wollen, liegt das ganz allein an Ihnen beiden.«

Folgerichtig lässt er nun vor allem die beiden reden, was in ihrem Fall vor allem streiten bedeutet. Und das klingt, wie es vermutlich überall klingt, wo man schon zu lange Tisch und Bett teilt und zwei Kinder hat, die nicht pflegeleicht waren. Sie hält ihm Desinteresse vor, er findet, sie beschuldige ihn permanent. Sie nennt ihn egoistisch, er findet sie empfindlich. Es dauert dann auch nicht lange, bis sie sich gegenseitig ihre alten Affären um die Ohren hauen: Er mit Brigitte aus dem Sex-Shop (Brigitte französisch ausgesprochen, obwohl auch sie Österreicherin ist), sie mit Guido, der konnte wenigstens zuhören - findet sie.

Dass irgendwo noch Licht in diesem Beziehungsdunkel herrscht, deutet sich immer an, wenn es um die Vergangenheit geht - als das Paar sich vor beinahe zwei Jahrzehnten beim Tauchurlaub kennenlernte, war alles besser: »Er war der erste und einzige Mann, der im Neoprenanzug sexy aussah«, erinnert sie sich, und er schaut plötzlich ganz sanft.

Bei den skurrilen Übungen, die der Therapeut dem Paar auferlegt, scheitert es allerdings gleich wieder - hier halten Valentin und Joana es jedenfalls nicht aus zu schweigen, beschimpfen sich lieber um die Wette. Der Zuschauer sieht bald so wenig Hoffnung für das Paar wie der Therapeut und ist ganz froh, als der eine Pause ankündigt.

»Die Wunderübung« umschifft die Gefahr, langweilig zu werden, weil fast der ganze Film lediglich in dem Praxiszimmer spielt, mit den schlagfertigen Dialogen und den drei Schauspielern: Striesow nimmt man den gebeutelten Ehemann ebenso ab wie Joana die abgekämpfte Gattin - und Steinhauer als undurchschaubarem Therapeuten schaut man sehr gerne bei der Arbeit zu.

Als der Therapeut, den Valentin immer höflich als »Herr Magister« anspricht, nach einer kurzen Unterbrechung schließlich die Frage aller Fragen stellt, bekommt der Film eine unerwartete Dynamik. »Warum trennen sie sich eigentlich nicht?« leitet allerlei komische Wendungen ein, und plötzlich wird auch das Privatleben des Therapeuten, dessen Hund natürlich Sigmund heißt, wichtig.

Kreihsls Film fügt dem arg ausgelutschten Thema Beziehungskrise keine neuen Erkenntnisse hinzu, kurzweilig ist er trotzdem. Dank der Schauspieler verzeiht man ihm gar sein vorhersehbares Ende.

Die Wunderübung, Österreich 2018, 90 Min., FSK ab 0, von Michael Kreihsl, mit Devid Striesow, Aglaia Szyszkowitz, Erwin Steinhauer

Die Wunderübung