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»Die Zauberflöte« gesellschaftskritisch orientiert

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Tamino (Chuanliang Wang) und Pamina (Tijana Grujic) auf ihrem Prüfungsweg. (Foto: Aumiller)

In einer Neuinszenierung von Verena von Kerssenbrock hat die Mozart-Oper »Die Zauberflöte« die Festspiele Immling, die ihr 20-jähriges Bestehen feiern, eröffnet. Mit einem überwiegend hervorragenden jungen Sängerensemble und der kompetenten musikalischen Leitung von Cornelia von Kerssenbrock am Pult erwiesen sich die Festspiele Immling einmal mehr als bedeutendes Forum für die Entdeckung erstklassiger Stimmen. Allen voran reüssierte der junge chinesische Tenor Chuanliang Wang mit einem sensationellen Rollendebüt als Tamino.


Die Regisseurin Verena von Kerssenbrock kreierte für die Zauberflöten-Handlung, dem Prüfungsweg zwischen Macht und Liebe, einen aktualisierenden Touch mit einer überraschenden Schlusswendung: Aus tosendem Meeressturm rettet sich Tamino als ein Fremder aus fernem Land an das Ufer einer ihm unbekannten Region. Deren Einwohner behandeln den Fremdling als Eindringling, den sie zurückstoßen. Einzig einer jungen Frau, Pamina, ist der Gestrandete willkommen und sie macht ihn zu ihrem Prinzen.

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Ein Magier schenkt ihm eine Wundertüte, aus der sich dann die gefährliche Schlange windet, vor der ihn die drei Damen der nächtlichen Königin retten. Tamino tritt sodann mit Papageno den Prüfungsweg an. Sarastro führt eine männliche Eliteschule, deren Schüler mit weiß geschminkten Gesichtern aussehen wie eine Mischung aus Clowns und älteren Semestern beim Klassentreffen. Auch Tamino ist mit weißem Clowngesicht dieser »Elite« von vorneherein zugehörig.

Das Bühnenbild von Corinna Gassauer ist ausgestattet mit praktikablen grauweißen Versatzstücken in Form von Quadraten und Rechtecken. Der Hintergrund zeigt die Gänge eines Labyrinths. Der Machtkampf um den siebenfachen Sonnenkreis zwischen der Königin der Nacht und Sarastro endet ungelöst und letztlich letal. Die magische Kraft der Musik, verkörpert durch Taminos Zauberflöte und Papagenos Glockenspiel, beendet die Machtansprüche und den Kampf um die Vorherrschaft der Mächtigen.

Die Reifung auf dem Prüfungsweg soll zu »Humanität und Naturverbundenheit« führen, verkörpert durch Papageno und Papagena, mit dem Resultat einer gesellschaftlichen Erneuerung, bei der allen Menschen gleiches Recht eingeräumt wird. Am Ende findet die Tochter von Papagena und Papageno den Sonnenkreis und lässt ihn als verheißungsvollen Neubeginn erstrahlen.

Diese Idee wird vom Publikum überzeugt angenommen und vor allem die musikalische Seite der Aufführung wird vorbehaltlos und begeistert gefeiert. Tamino ist der junge chinesische Tenor Chuanliang Wang, der im März erstmals aus Peking zum Immling-Gesangswettbewerb anreiste und den ersten Preis gewann. Sein schön timbrierter lyrischer Tenor ist durch alle Lagen exzellent geführt und bringt Feinheiten und Farben im Ausdruck. Auch darstellerisch ist er wendig und präsent. Mit diesem beachtlichen Debüt kann er sich der internationalen Konkurrenz stellen.

Seine Pamina ist Tijana Grujic, die vom Mezzofach zum Sopran wechselte, damit klingende Qualitäten einbringt und als ansprechende Pamina reüssiert. Aus Georgien kommt Maria Kublashvili. Sie ist eine brillante Königin der Nacht mit blitzenden Staccati bis hinauf zu makellosen hohen F-Spitzen. Hervorragend präzise und sauber singt sie in der Rachearie auch die Triolenkette, die man selten so exakt hört und auch im Ausdruck kann sie dramatische Verve aufbringen.

Papageno ist mit Maximilian Krummen stimmlich gut bedient. Er bemüht sich auch um darstellerisches Format, hat aber noch nicht den Dreh gefunden, den Humor des lustigen Vogelfängers überzeugend überspringen zu lassen. Reizend ist seine Papagena Siglind Buchmayer. Beeindruckend liest sich die Vita mit internationalen Auftritten vom Bassisten Giorgi Kirof als Sarastro. Aber offenbar war er am Premierenabend nicht optimal disponiert, denn da wirkte seine Körperstatur doch wesentlich gewichtiger als seine vokale Potenz.

Liebreizend die drei Knaben von Magdalena Schmidmayer, Fiona Kent und Valentin Kunst. Der Monostatos von Thomas Stückmann war eher gewöhnungsbedürftig, das übrige Ensemble, die drei Damen, Sprecher, Priester und Geharnischte, adäquat besetzt. Elisabeth Aumiller

Die Oper »Carmen« feiert heute, Samstag, um 19 Uhr Premiere bei den Festspielen Immling. »Carmen« bringt spanische Rhythmen und feurige Leidenschaft in einer Neuinszenierung von Stefan Tilch (Intendant des Landestheaters Niederbayern) auf die Bühne. Die Münchner Symphoniker spielen unter der Leitung von Cornelia von Kerssenbrock.

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