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Die Zukunft in die Hand genommen

Berchtesgaden - Schon zum neunten Mal trafen sich Frauen der Frauenbünde Berchtesgaden, Unterstein und Marktschellenberg sowie der Gruppe »Tee nach sieben«, diesmal mit Pfarrer Peter Schulz, um an einem Sommerabend gemeinsam ein wichtiges Thema von möglichst vielen Seiten her auszuleuchten und zu diskutieren: Da sich in esoterischen Kreisen die Weltuntergangsprophezeiungen häufen, die sich auf das angebliche Ende des Mayakalenders am 21. Dezember 2012 berufen, wollte man in diesem Jahr die Zukunft lieber selber in die Hand nehmen - ganz im Sinne von Martin Luther, der auch heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen würde, selbst wenn er wüsste, dass morgen die Welt unterginge.

Zum Einstieg in das Thema gab es zuerst einen kurzen Filmausschnitt, in dem die Ältesten verschiedener indigener Völker aus Nord-, Mittel- und Südamerika alle Menschen auffordern, den Respekt und die Achtung der gesamten Schöpfung wieder in ihr Leben zu integrieren, um die Erde durch diese unbestreitbar schwierige Zeit zu begleiten. Deutlich wurde schon an dieser Stelle die Bedeutung einer kritischen Masse von Menschen, die nötig ist, um etwas bewegen und zum Positiven hin verändern zu können.

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Den zweiten Impuls gab Dr. Ursula Schönheit-Kenn vom Berchtesgadener Frauenbund, die aus ihrer Berufserfahrung heraus von den größten Problemen in der Medizin berichtete: Dies seien einmal die fehlende Zahl an medizinisch Tätigen, sodann die zivilisationsbedingten Krankheiten (Übergewicht, rauch- und alkoholbedingte Krankheiten) mit ihrem überdurchschnittlich hohen Geldbedarf sowie die fehlende Eigenverantwortlichkeit vieler Menschen. Den dritten und gänzlich anderen Blick auf die Zukunft gab dann Elisabeth Bülow von »Tee nach sieben«, die die eindringliche Kurzgeschichte »Der Tunnel« von Friedrich Dürrenmatt zusammenfasste und kommentierte.

Eine engagierte und lebhafte Diskussion entspann sich danach um die jeweils persönlichen Ansichten zum Thema »Zukunft«. Wie ein roter Faden zog sich dabei vor allem der fehlende Solidaritätsgedanke durch die Gespräche: Wo sind nötige Informationen und Unterstützung zu finden, um einen eigenen Weg gegen den Strom der Zeit gehen zu können? Wieviel Geduld braucht es, um im Kleinen Veränderungen zu praktizieren, die gemeinsam im Großen tatsächlich die Welt verändern könnten? Und wie viel Achtsamkeit braucht es, um zu bemerken, wann Individualismus ins Negative umschlägt? Vor allem Eltern seien hier als Vorbilder geradezu überlebenswichtig, um dem starken Gruppenzwang und dem Druck in der Öffentlichkeit etwas entgegensetzen zu können.

Ein anderer heiß diskutierter Punkt waren die nur scheinbar abstrakten Schlagworte wie »Geldströme«, »Kapital« und »Medien«. Hinter all diesen Begriffen stehen trotzdem und immer noch Menschen, die Geld bewegen, Leitbilder formen und den Zeitgeist festlegen wollen. Auf die Frage nach der zukünftigen Rolle der Kirchen dazu befragt, war Pfarrer Schulz eher skeptisch: In der persönlichen Vernetzung der Gemeinden werden nach wie vor christliche Werte gelebt und weitergegeben. Doch in der Gesellschaft hätten die Kirchen einen mehr und mehr schwindenden Einfluss, ethische Grundlagen werden eher juristisch als theologisch diskutiert.

Mit den Gedanken einer Teilnehmerin, was sie aus der Diskussion als Anregungen mitnehme, wurde der spannende Abend abschließend zusammengefasst: Gemeinsamkeit macht stark - aber jeder Mensch ist selbst verantwortlich, ehrlich, mit Hoffnung und Vertrauen in eine lebenswerte Zukunft zu gehen und dabei »auf Gott zuzufallen«, wie es in der Dürrenmatt-Geschichte ausgedrückt wurde. UKw