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»Diese Ungewissheit ist furchtbar« – Wie geht es weiter in der Berchtesgadener Kulturszene?

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Berchtesgaden: Stille und Absagen in der Kulturszene – »Diese Ungewissheit ist furchtbar«
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Der Schaukasten ist noch immer leer: Ob und wie Veranstaltungen in den kommenden Wochen und Monaten stattfinden werden, muss noch erprobt werden. (Foto: Jörg Tessnow)

Berchtesgaden – Seit Wochen sind Veranstaltungen »ins Blaue« verschoben oder gar komplett abgesagt worden. Seit Wochen dürfen keine Konzerte, Feste oder sonstigen Kulturereignisse stattfinden. Dadurch wird nicht nur die persönliche Lebensqualität gemindert, auch Veranstalter haben derzeit viel Organisationsaufwand und in den Terminkalendern gilt es immer wieder den Radiergummi anzusetzen.


Ab dem 15. Juni dürfen Theater und Kinos nun wieder unter strengen Hygiene- und Abstandsauflagen öffnen. Konzerte und Kulturveranstaltungen mit 50 Besuchern in geschlossenen Räumen und 100 Gästen im Freien sind ebenfalls möglich. Das verkündete Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. Der »Anzeiger« hat sich bei Veranstaltern im Talkessel umgehört.

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»Verschieben« ist oftmals gar nicht so leicht. Ersatztermine kommen bereits geplanten Neuansetzungen ins »Gehege«. Diese Regelung bringt Veranstalter schwer in die Bredouille.

»Die neuen Regelungen hören sich besser an, als sie sind«, sagt AlpenCongress-Chef Josef Wenig und ergänzt: »Unser Haus ist zwar nicht geschlossen, aber vor dem 1. Juli wird es keine gewohnten Veranstaltungen bei uns geben. Wir mussten von Hundert auf Null herunterfahren. Ich wünsche mir, dass das alles bald vorbei ist. Die Auflagen für den Großen Saal zum Beispiel sind äußerst unbefriedigend.«

Begegnung mit Menschen

Wenn ab dem »Tag X« wieder Konzerte erlaubt sind, wie muss man sich diese dann vorstellen? Selbst die Größe einer erlaubten Veranstaltung steht zur Debatte. Wann ist eine Großveranstaltung eine Großveranstaltung? Wer kontrolliert diese zuverlässig? Darf der Große Saal im AlpenCongress dann nur halb gefüllt oder für maximal 999 Menschen bestuhlt sein? Und: Vergeht dem Publikum im Abstand von 1,5 Metern nicht der Humor, wenn Günter Grünwald selbst mit einer »Gesichtswindel« sein Kabarettprogramm vorträgt? Wie soll da Stimmung aufkommen? Wollen das die Künstler überhaupt? Fragen über Fragen.

Veranstalter müssen sich an die Gesetzeslage halten. Aufgrund der Verfügung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz vom 20. April 2020 sind »öffentliche und nicht öffentliche Veranstaltungen, bei denen es zu einer Begegnung von Menschen kommt, sowie Versammlungen unabhängig von der Zahl der Teilnehmenden untersagt. Weiterhin sind gesondert Großveranstaltungen mit einer Teilnehmerzahl von 1000 Personen und mehr bis einschließlich 31. August 2020 verboten.« So lautet die aktuell gültige Vorschrift.

Traditionelles Pfingstfest abgesagt

Problematisch sieht die Lage auch für die »Aktiven Unternehmen« aus, die momentan alles andere als gewohnt aktiv sein können. 1. Vorsitzende Stefanie Kohl erklärt: »Derzeit steht jede Veranstaltung in der Schwebe. Wir sind verpflichtet, uns an die Regeln zu halten. Das heißt, wir dürfen keine Veranstaltungen organisieren, beziehungsweise dafür werben. Die Gesundheit und das Verantwortungsbewusstsein gehen vor und sind unsere klaren Ziele. Dennoch sind wir bemüht, die Leute in den Markt zu ziehen und die Stimmung so positiv wie möglich zu gestalten.«

Das traditionelle Pfingstfest der Berchtesgadener Bergknappen ist bereits abgesagt. Das gilt ebenfalls für das Salzfest-Wochenende am 1. und 2. August. »Montag auf'd Nacht werd' Musi gmacht« ist zwar nicht geplatzt, dennoch obliegt die Veranstaltungsorganisation heuer den jeweiligen Wirten. »Berchtesgaden leuchtet« war für Ende August terminiert. Die »Aktiven Unternehmen« arbeiten an einer Umsetzung für Mitte September. Bis zum »Krax'n-Sonntag« ist es noch etwas hin, aber niemand kann das für Oktober geplante Erlebnis garantieren.

Auch die Direktorin des Berchtesgadener Bauerntheaters, Elisabeth Hölzl-Michalsky, ist unzufrieden und fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. »Deutschland ist ein Land der Kultur. Am 12. März fand bei mir die letzte Vorstellung statt. Der neue Spielplan soll ab dem 4. Juni umgesetzt werden. Aber niemand gibt mir konkrete beziehungsweise verbindliche Informationen. Nicht nur der normale Betrieb ruht seither, auch die Nachmittagsveranstaltungen mit den Bus-Gästen aus Österreich sind weggebrochen. Es ist furchtbar.« Jörg Tessnow