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Eine spektakuläre Rettungsaktion verlief an der Tiroler Achen. Hier arbeiteten die verschiedenen Rettungsdienste Hand in Hand. (Foto: Eder)

Diesmal war Gaffen ausdrücklich erlaubt: Großübung mit neun verschiedenen Szenarien

Staudach-Egerndach – Ein abgestürzter Paraglider hing etliche Meter über dem Boden in einer Fichte fest und konnte sich nicht selbst befreien. An anderer Stelle passierte ein folgenschwerer Verkehrsunfall, zudem wurde noch ein Brand mit vermissten Personen sowie eine verunglückte Person in einem Silo gemeldet. Schreckensszenarien, mit denen sich die Feuerwehren auskennen müssen und die sie zu bewältigen haben. Insgesamt galt es bei einer Großübung für die rund 200 Rettungskräfte der Feuerwehren aus dem Achental, der Bergwacht, des THW, der DLRG und Wasserwacht neun Einsätze zu bewerkstelligen und dies unter den aufmerksamen Augen vieler Zuschauer, denn dieses Mal hieß es »Gaffen ist ausdrücklich erlaubt«.


Bestens vorbereitet zeigte sich die Staudach-Egerndacher Feuerwehr mit ihrem Kommandanten Michael Sturm, die sich die neun verschiedenen Szenarien für diese Großübung hatte einfallen lassen. Dabei wurden für den jeweiligen Einsatz verschiedene Bereiche der Gemeinde gewählt. Nachgestellt wurden Einsätze, die immer wieder vorkommen. Welche Feuerwehr zu welchem Einsatzort geschickt wurde, bestimmte die Einsatzleitung.

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Auch ein Öleinsatz am Bach wurde nachgestellt. Eine Ölsperre war schnell erstellt und das Öl konnte abgesaugt werden. (Foto: Eder)

Vor Ort wurden die Wehren, die nur kurz über Funk informiert wurde, dann nochmals von aufgeregten Personen in Empfang genommen und die Notlage kurz geschildert. Ein Mann berichtete, dass er Öl in dem Bach sehen würde. Die Feuerwehrler schätzten die Gefahrenlage ein, errichteten sofort eine Ölsperre und saugten anschließend das Öl ab. Natürlich wurde kein Öl in den Bach geleitet, dieses vielmehr mittels Sägespänen simuliert. An anderer Stelle beschäftigte sich das THW mit der Bergung einer in einem Silo verunglückten Person, die aus dem Siloschacht geborgen werden musste. Die Rettungskräfte mussten dabei nicht nur diese Person bergen, sondern auch die Angehörigen des Verunglückten beruhigen.

Hier riet der Einsatzbeobachter den Rettungskräften, umstehende Personen zur Betreuung heranzuziehen, damit sich die Mannschaft auf den Einsatz konzentrieren kann. Auch kommt es vor, dass ein Paragleiter abstürzt und sich in einem Baum verfängt. Für die Helfer durchaus eine Herausforderung und doch meisterten die Retter diese Aufgabe wie auch den Forstunfall mit umgestürztem Baum zuverlässig und routiniert. Zur Brandbekämpfung, eigentlich die ursprüngliche Hauptaufgabe der Feuerwehr, wurde eben-falls alarmiert. Aus einem Stadel trat Rauch aus und eine Person rief im Inneren um Hilfe, eine weitere Person lief der Feuerwehr entgegen und dann zurück zum Stadel, um die eingeschlossene Person zu befreien. Plötzlich hatte die Feuerwehr gleich zwei Menschen zu retten. Interessant war zu beobachten, wie schnell die Wehr eine Schlauchleitung aufbaute und weitere Floriansjünger mit Atemschutz nach den Personen suchten und diese retteten. Besonders spektakulär gestaltete sich der Einsatz an der Tiroler Achen. Hier wurde eine Person mit einer Trage auf einer Art Schiene aus dem Wasser gezogen.

Für viele Zuschauer war es ein besonderes, teilweise auch sehr aufrüttelndes Erlebnis, so nah am Geschehen zu sein. Oftmals war kaum zu unterscheiden, ob es sich um einen richtigen Einsatz oder um eine Übung handelte. Für die perfekte Simulation sorgte ein weiteres Team, das die Darsteller der Verunglückten mit entsprechender Schminke präparierte. Jeder Einsatz wurde von den professionellen Beobachtern genau unter die Lupe genommen, Manöverkritik gleich an Ort und Stelle vorgenommen und auf mögliche Verbesserungen hingewiesen. Meistens aber wurden die Retter für ihren sicheren und geschulten Einsatz gelobt. Jede Wehr konnte beweisen, wie gut sie auf die unterschiedlichsten Szenarien vorbereitet ist.

An der Großübung beteiligten sich die Feuerwehren Ober- und Unterwössen, Marquartstein, Reit im Winkl, Grassau, Rottau, Übersee und Schleching. Zudem waren auch die Bergwacht, das Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst, die DLRG und die Wasserwacht dabei. Beobachter der Bundeswehr sahen sich ebenfalls die Übungen an und Sondereinheiten für spezielle Einsätze wurden gleichwohl eingeteilt. Die Feuerwehren aus Nirnharting, Petting und Waging fanden sich mit den Hochleistungspumpen, die vor allem bei Unwettereinsätzen benötigt werden, ein und Feuerwehraktive aus Fridolfing, Übersee und Trostberg übten Lautsprecherdurchsagen. Somit zeigte sich, dass die Feuerwehren zudem auf Katastropheneinsätze vorbereitet sind. Bedenkt man, dass diese Rettungskräfte in ihrer Freizeit den Notfall üben, stets einsatzbereit sind, diese Szenarien auch psychisch verarbeiten müssen, sich für die Bevölkerung einsetzen, teils ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen und dies alles aus Nächstenliebe und im Ehrenamt, kann die Arbeit der Feuerwehren und anderer Rettungsdienste kaum hoch genug geschätzt werden. Eindrucksvoll wurden die Arbeit, das Wissen, die Einsatzbereitschaft bei der Großübung, die bewusst öffentlich ablief, bewiesen.

tb