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Aktives Grassau wollte wissen: Wo sieht der Landkreis Traunstein Gewerbe und Handel?

Digitalisierung eine ungeheure Herausforderung

Grassau – Wo der Landkreis Gewerbe und Handel sieht, das wollte der Verein Aktives Grassau vom Landkreischef erfahren. Er hatte dazu Landrat Siegfried Walch, Harald Schwarzbach, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs-GmbH des Landkreises, und Thomas Eberl, Vorstand des Gewerbeverbands Traunstein und Umgebung, eingeladen. Eberl moderierte auch den Abend.

Wo der Landkreis Gewerbe und Handel sieht, wollte der Verein Aktives Grassau erfahren. Vorstand Manfred Kneis (von links), unterstützt von Moderator Thomas Eberl, hatte dazu Landrat Siegfried Walch und Harald Schwarzbach, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs-GmbH des Landkreises, in den Heftersaal eingeladen. (Foto: Flug)

Als erstes Thema sprach Eberl den zumindest vorläufig gescheiterten Zusammenschluss der beiden Tourismusverbände der Landkreise Rosenheim und Traunstein an. Ein Besucher sagte, der Landkreis Rosenheim fühle sich »über den Tisch gezogen.« Dem widersprach Landrat Siegfried Walch. Die Fusion sei sauber ausgehandelt worden. Er selbst habe auch nach Gesprächen mit dem Amtskollegen das Gefühl, dass der Landkreis Rosenheim einfach noch nicht bereit zur Fusion sei.

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Auch beim Personal muss gespart werden

Zum Kreishaushalt sagte Walch, im Bereich der Kreiskliniken müsse die schwarze Null mit Macht angestrebt werden, weil sonst Gefahren für die öffentlichen Haushalte entstehen würden. Angesichts der Tatsache, dass 70 Prozent der Kosten Personalkosten seien, sei offensichtlich, dass zwangsläufig auch dort gespart werden müsse. Ansonsten sah Walch aufgrund der guten Rahmenbedingungen und Einnahmen den Haushalt als gut an. Trotz Investitionen seien Schulden getilgt und die Kreisumlage gesenkt worden.

Auf die Nachfrage, welche Auswirkungen die Flüchtlinge auf den Kreishaushalt hätten, sah Walch die Herausforderung aktuell im Personalbedarf. 30 Leute seien extra eingestellt, 30 weitere kämen voraussichtlich hinzu. Sorgen habe der Kreis mit Blick auf die Zukunft, wenn die Asylverfahren abgeschlossen seien. Ungewisse Kostenpositionen, wie der soziale Wohnungsbau oder die Hartz-IV-Leistungen seien bisher unüberschaubar.

Der Vorstand des Vereins Aktives Grassau, Manfred Kneis, leitete in das Thema Einzelhandel und Internet ein. Dreiviertel der hiesigen Unternehmen seien vom Internet betroffen. Heimische Wirtschaft bilde aus, sorge für Arbeitsplätze und müsse dann in den harten Wettbewerb mit Internetanbietern treten. Früher habe Grassau einen Paketfahrer gehabt, heute seien es acht. Landrat Walch sieht in der Digitalisierung allgemein »ungeheure Herausforderungen«. Es bleibe aber nichts anderes übrig, als diese Herausforderungen anzunehmen. »Die Digitalisierung kommt!« Der Kreis habe noch keinen Plan, wolle es aber zum zentralen Thema seiner Wirtschaftsförderung machen. Ziel sei es, Bewusstsein für dieses Thema zu wecken und die heimische Industrie anzusprechen und zu unterstützen.

Harald Schwarzbach verwies auf die Wirtschaftsförderungsgesellschaft am Landratsamt und riet, sich im Zweifel immer an diese zu wenden.

Wie auswärtige Unternehmen gewinnen?

Unterwössens Bürgermeister Ludwig Entfellner aus Unterwössen wollte wissen, wie der Kreis auswärtige Unternehmen für die Standorte im Chiemgau gewinnen wolle. Eine solche Aufgabe sieht der Landrat zumindest nicht vordergründig. Der Landkreis habe prosperierendes Gewerbe und Industrie, so Walch. Allgemein denke der Bürger, im Landkreis gingen die Jobs ab, sagte der Landrat. Die Firmen im Landkreis bestätigten das aber keinesfalls. Sie warnten immer wieder nachdrücklich: »Uns gehen die Leute ab.« Seine Hauptaufgabe sieht der Landrat darin, die jungen Leute der Region in der hiesigen Wirtschaft unterzubringen. Er setze Hoffnung auf die Möglichkeiten im Landkreis von der bayerischen Hochschule für Wirtschaft bis zum Handwerk.

Martin Färbinger vom Wirtschaftsverband Wössen sieht im Wettbewerb des Handels mit dem Internet vor allem die Herausforderung in der Logistik. Er regte an, mit einer eigenen, kreisweiten Logistik entgegenzutreten, die zum Beispiel den Versand übernimmt. Der Landrat sah eine solche Aufgabe nicht beim Kreis. Er könne nur durch Informationen und Zusammenarbeit beitragen. lukk