Diskothek »Bergwerk« ein Opfer des Tunnelbaus?

Bildtext einblenden
Wasserdurchtränkte Polster, durchnässtes Mauerwerk, Pfützen auf dem Boden: Didi Pfannes spricht von einem Totalschaden für das »Bergwerk«. (Foto: Thois)

Altenmarkt – Wegen des Dauer-Lockdowns steht den Club-Betreibern das Wasser ohnehin bis zum Hals. Bernd Karmann und Didi Pfannes hat es aber noch schlimmer getroffen. Ihr »Bergwerk« in Altenmarkt ist buchstäblich abgesoffen, sprich: Wassereinbrüche in der tunnelartigen Diskothek haben Putz, Mauerwerk, Einrichtung und Elektrik massiv beschädigt. Die beiden betreiben den Club seit 1999, sind seit 2011 auch Besitzer des Gebäudes, in dem sich im ersten Stock ihr zweiter Club, das »Libella«, befindet. Nur eine Ursache können sie sich für die zerstörerischen Fluten vorstellen: die Erschütterungen durch die Arbeiten am direkt nebenan durch den Auberg führenden Tunnel im Zuge der Altenmarkter Ortsumfahrung.


»Alles wieder herzurichten, würde 150.000 bis 200.000 Euro kosten«, spricht Bernd Karmann von einem »existenzbedrohenden Problem«. Das Staatliche Bauamt Traunstein bestreite jedoch, dass die Arbeiten am Aubergtunnel der Auslöser waren.

»Doch wie sonst soll das passiert sein?«, fragen sich Karman und Pfannes. Der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute, rund 40 Meter in den Hang reichende Kellerstollen sei über Jahrzehnte gewerblich und gastronomisch genutzt worden, ohne dass Feuchtigkeit und Nässe ein echtes Problem gewesen seien.

Messsonden warenschon abgebaut

Einig sind sich die Gebäudebesitzer und das Bauamt, dass die eigentlichen, ohne Sprengungen erfolgten Vortriebs- und Grabungsarbeiten für den Aubergtunnel ab April 2018 die Dichtheit des »Bergwerks« nicht beeinträchtigt haben. »Die Baubehörden hatten bei uns ja Messsensoren angebracht«, erklärt Karmann. Die Auswertungen ergaben genau zwei Jahre später: Die Grenzwerte an Erschütterungen wurden eingehalten, es gab keine Veränderungen am Gebäude. Jedoch: Die Messsonden wurden im April 2020 entfernt – also vor dem Beginn der Arbeiten an der Straße, die durch den Aubergtunnel führt.

»Um den Unterbau herzustellen und den Straßenbelag zu verdichten, waren schwere Rüttelmaschinen im Einsatz«, erklärt Didi Pfannes. Die ausführende Baufirma habe ihm bestätigt, dass es dadurch noch in einigen Hundert Metern Entfernung zu erheblichen Erschütterungen kommen kann. »Ich habe es zu der Zeit ja selbst mehrmals erlebt«, sagt Pfannes. »Ich stand im 'Bergwerk', und alles hat vibriert und gedröhnt. So heftig, dass durch einen früheren Entlüftungsschacht Gesteinssediment auf unsere Tanzfläche gefallen ist. Wir sind ja nur rund 20 Meter entfernt von der Tunnelröhre.«

»Massiv Wasser durch Mauern gedrungen«

Im August 2020 nahm das Unglück dann seinen Lauf. »Es ist massiv Wasser durch Mauern und Decken eingedrungen«, so Bernd Karmann. »Die Tanzfläche stand zwei bis drei Zentimeter unter Wasser. Das waren richtige Rinnsale, überall hat es getropft. Der dicke, feuchtigkeitsregulierende Putz war total durchnässt.« Binnen zwei Wochen habe sich überall Schimmel gebildet – auf den gemauerten Sitzflächen, den Polstern, den Theken, Gläserregalen und DJ-Pults. »Die Elektrik, die Technik für Ton und Licht – nichts war mehr zu gebrauchen.«

Dass die Straßenarbeiten am und im Tunnel Risse im Gestein verursacht haben und dafür verantwortlich sind, dass Hang- und Schichtenwasser in das »Bergwerk« gelangen – diesem Vorwurf widersprach das Bauamt nach einem Ortstermin im September. »Bei den festgestellten Feucht- und Nassstellen handelt es sich augenscheinlich um Kondenswasser«, heißt es in einer Stellungnahme der Landesbaudirektion. Ein Eintrag externer Feuchte könne zwar nicht ausgeschlossen werden, die Bauarbeiten seien hierfür aber nicht ursächlich.

»Kondenswasser? Das ist ein Witz bei den Mengen, die da – nicht gleichmäßig, sondern an den unterschiedlichsten Stellen – eingedrungen sind«, ärgert sich Bernd Karmann. »Kondenswasser war auch während des Betriebs mit Hunderten Gästen nie ein gravierendes Problem.« Und: »Wir hatten das 'Bergwerk' zu dem Zeitpunkt ja auch noch für die Musik-Livestreams während des Corona-Lockdowns in Betrieb und entsprechend sorgfältig geheizt und belüftet.«

Der juristische Weg ist schwierig

Den juristischen Weg einzuschlagen, davon haben Karmann und Pfannes zunächst abgesehen. »Unsere Rechtsschutzversicherung reicht dafür nicht aus. Wenn man diesen Fall vor Gericht verliert, ist man schnell 100 000 Euro los. Und man ist ja in der Beweispflicht und auf teure geologische und bauliche Gutachten angewiesen.« Die beiden Club-Betreiber, die dem »Bergwerk/Libella«-Gebäude in der Pandemie-Zwangspause schon einen neuen Außenanstrich verpasst hatten, entschlossen sich, die Wasserschäden im Inneren selbst zu beheben. »Es ist dann über den Jahreswechsel auch wieder einigermaßen abgetrocknet.« Doch: Als sie anfingen, das marode Inventar herauszureißen, öffnete der Auberg erneut seine Schleusen. »Das war jetzt im Juni und Juli – noch vor den schweren Starkregen-Unwettern. Wieder ist an allen Ecken und Enden das Wasser reingetropft und reingeronnen«, schildert Bernd Karmann. »Hier sieht es aus, als wäre jemand mit dem Feuerwehrschlauch durch! Die Mauern wieder total durchnässt, überall steht das Wasser, wellen sich die Böden, schimmeln die Möbel. Da kannst Du eine Sanierung vergessen und das Inventar als Sperrmüll entsorgen.«

An eine Wiedereröffnung sei unter diesen Voraussetzungen nicht zu denken, sagt Didi Pfannes verzweifelt. »So etwas wird von der Versicherung nicht als Elementarschaden gewertet. Auch wenn es ja eigentlich eine Art Erdbeben gewesen sein muss, aber halt ein künstlich durch die Bauarbeiten erzeugtes.« Karmann und Pfannes fühlen sich im Stich gelassen: »Wir waren als direkte Anlieger diejenigen, die sich nicht den Klagen gegen den Tunnelbau angeschlossen haben. Wir haben auch noch unseren Parkplatz zur Verfügung gestellt, damit dort die Versorgungsleitungen für den Tunnel verlegt werden können.« Deshalb würden sie sich nun auch ein Entgegenkommen der Behörden wünschen.

Doch das Schreiben ihrer Anwälte, in dem sie darauf pochen, dass staatliche Stellen für die Schäden aufkommen, sei unbeantwortet geblieben. Bevor Karmann und Pfannes ein selbstständiges Beweisverfahren angehen, erhoffen sie sich nun Unterstützung aus der Politik. »Irgendetwas muss passieren. Eine Ausgleichszahlung oder eine Baumaßnahme, die dafür sorgt, dass das 'Bergwerk' wieder wasserdicht wird.« Deshalb haben sie sich an den heimischen CSU-Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Ramsauer gewandt. Der frühere Verkehrsminister, dem der Aubergtunnel stets ein wichtiges Anliegen war, hat sich das Problem vor Ort angesehen. Was bei dem Termin heraus kam, steht noch nicht fest. Eine entsprechende Anfrage des Traunsteiner Tagblatts blieb zunächst unbeantwortet.

Und auch das Staatliche Bauamt Traunstein wollte sich zu konkreten Fragen in diesem Zusammenhang nicht äußern. Die Antwort von Bauamtsleiter Christian Rehm: »Es handelt sich zum einen um eine privatrechtliche Angelegenheit und zum anderen um einen laufenden Vorgang, bei dem die Betreiber durch einen Anwalt vertreten werden. Ich bitte daher um Verständnis, dass wir uns in dieser Angelegenheit derzeit nicht öffentlich äußern.«

tt/KR