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Geschichte spannend erzählt

Doku-Drama über «Heimat Helgoland»

Mit einer riesigen Sprengung wollen die Briten 1947 Militäranlagen auf Helgoland vernichten. Vor den Radiogeräten im Exil bangen die Helgoländer um ihre Heimat. Die Geschichte der Hochseeinsel erzählt nun ein spannendes Doku-Drama im NDR Fernsehen.

Heimat Helgoland
«Heimat Helgoland»: Georg Jessen (Bernd Panzer, l-r), Margarethe Jessen / Schensky (Christina Große), Franz Schensky (Michael Mendl), Maria Schensky (Elisa Posky. Foto: Thomas Bresinsky Foto: dpa

Helgoland (dpa) - Es war eine der größten nicht-nuklearen Sprengungen weltweit: Am 18. April 1947 wollten die Briten mit 6700 Tonnen Munition alle militärischen Anlagen auf Helgoland zerstören.

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Der Rauch über der Hochseeinsel war gigantisch, die Explosion noch auf dem Festland zu hören. Die Insel trotzte dem «Big Bang» - es entstand ein riesiger Krater, der das heutige Mittelland an der Südspitze bildet. Wie konnte es soweit kommen? Den Weg Helgolands vom Urlaubsparadies zum Spielball der Weltmächte zeichnet das Doku-Drama «Heimat Helgoland» am Dienstag (3. Oktober, 20.15 Uhr) im NDR Fernsehen nach - informativ und bewegend.

Deutschlands einzige Hochseeinsel sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Auseinandersetzungen, wenn es um die Macht im Nordseeraum ging. Die wechselvolle Historie der Insel erzählt die Doku anhand von Einzelschicksalen. Im Mittelpunkt stehen der Helgoländer Fotograf Franz Schensky (Michael Mendl) und seine älteste Tochter Margarethe (Christina Große), das Ehepaar Anna und Hans Carl Rickmers (Felicia Spielberger/Peter Sokorski) und ihr Hotel «Empress of India» sowie die Widerstandsgruppe um den Gastronomen Erich Friedrichs (Harald Burmeister) und den Dachdecker Georg Braun (Thomas Ziesch).

Im Zweiten Weltkrieg wollten die Nationalsozialisten durch Aufspülungen und Betonbauten einen Marinehafen als Flottenstützpunkt errichten, der im Notfall einen Großteil der Reichskriegsflotte aufnehmen sollte. Nach Bombenangriffen während des Kriegs war die Insel unbewohnbar. Die mehr als 2000 «Halunder» - wie sich die Helgoländer selbst nennen - mussten ins Exil.

Der 90-minütige Film verknüpft die szenische Darstellung kunstvoll mit historischen Aufnahmen sowie Interviews mit Zeitzeugen. Regisseur für den dokumentarischen Teil war Daniel Remsperger. Die Spielszenen unter der Regie von Carsten Gutschmidt wurden in Wrisbergholzen und Banteln (Landkreis Hildesheim) gedreht.

Viele Jahre Recherche investierte Buchautor Ronald Kruschak in sein Projekt. Die Spurensuche des gebürtigen Hamburgers führte zu dem Fotografen Schensky (1871-1957), dessen Bilder im Inselmuseum ausgestellt sind. «Ein riesiger Schatz», berichtet Kruschak. «Ich habe mich verliebt in diese verwunschene, versunkene Welt.»

Das Doku-Drama konzentriert sich auf die Jahre von 1890, als das Deutsche Reich den Briten die Insel Sansibar überließ und dafür Helgoland bekam, bis zum Wiederaufbau 1952. Schensky habe in diesem Zeitraum die Höhen und Tiefen der Inselgeschichte fotografiert, sagt Kruschak. «Da hatte man automatisch den roten Faden für das ganze Epos.»

Das Team hat im Mai auf Helgoland gedreht. Robben, Vögel, bunte Hummerbuden, Touristen an den Stränden - immer wieder eingestreut werden wunderschöne Aufnahmen, gefilmt auch mithilfe einer Drohne, die den Roten Felsen als Urlaubsidyll zeigen. Umso stärker ist der Kontrast zu den dunklen Kapiteln der Vergangenheit.

Informationen zu dem Doku-Drama