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Dokumentation bekommt zum 1. Juni neuen Chef

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Dr. Axel Drecoll war seit 2009 wissenschaftlicher Leiter der Dokumentation Obersalzberg. Zum 1. Juni wechselt der Münchner nach Berlin. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Die Nachricht kam überraschend: Mitten in der 21 Millionen Euro teuren Erweiterungsphase der Dokumentation Obersalzberg sucht das Institut für Zeitgeschichte (ifz) in München zum 1. Juni einen neuen wissenschaftlichen Leiter für die Gedenkstätte.


Dr. Axel Drecoll, der die Dokumentation seit 2009 geleitet hat, wechselt nach Berlin, wo er Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird.

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Der 43-Jährige übernehme Anfang Juni das Amt von Professor Günter Morsch, der Ende Mai nach 25 Jahren in den Ruhestand gehe, teilte die Staatskanzlei mit. Als Forschungsschwerpunkte gibt Drecoll unter anderem jüdische Geschichte in Bayern, Geschichte der NS-Verbrechen sowie Erinnerungskultur in Deutschland und Europa an. Der 43-Jährige sei nach mehreren Bewerberrunden ausgewählt worden, sagte der Sprecher des Kulturministeriums, Stephan Breiding. Die 1993 gegründete und maßgeblich von Morsch aufgebaute Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten betreut fünf Gedenkstätten im Land, darunter die früheren Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg und Ravensbrück in Fürstenberg (Oberhavel). Das Land fördert die Stiftung in diesem Jahr mit 3,5 Millionen Euro.

Am Obersalzberg war Drecoll in den letzten Jahren vor allem für die Gestaltung der zu erweiternden Ausstellung verantwortlich. Schließlich zieht die Dokumentation statt der ursprünglich erwarteten 40 000 Besucher inzwischen rund 170 000 Besucher jährlich an. Nun wird die bundesweit und international bedeutende Einrichtung zur Aufarbeitung der NS-Zeit umgebaut und um einen Neubau erweitert. Die Ausstellungsfläche wird damit auf 1 200 Quadratmeter vervierfacht. Ein weiterer wichtiger Bestandteil am Obersalzberg wird die Integration der Bunkeranlage in die Ausstellung über einen Rundgang. Das bestehende Gebäude der Dokumentation wird zum Seminar- und Bildungszentrum umgebaut.

Gegenüber der »Süddeutschen Zeitung« betonte Drecoll, dass es ihm besonders schwer falle, den Obersalzberg jetzt zu verlassen. Er hält den Zeitpunkt eines Wechsels aber auch für einen Nachfolger für günstig. Denn die Konzeption der neuen Ausstellung sei praktisch fertig, die Exponate seien ausgewählt. Nach der konzeptionellen Arbeit müssten nun die Texte geschrieben werden und die Gestalter ins Detail gehen. Hier kann sich Drecolls Nachfolger mit eigenen Ideen einbringen. Gesucht wird per Stellenausschreibung auf der ifz-Homepage ein Wissenschaftler mit »einschlägigen Kenntnissen der Geschichte des Nationalsozialismus« und mit »Berufserfahrung im Bereich der Erinnerungs- oder historisch-politischen Bildungsarbeit«.

Die Eröffnung der neuen Ausstellung ist für 2020 geplant. Ulli Kastner