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Gemeinderat Richard Schwab äußert sich kritisch über Flachbauweise

Dokumentation im Berg

Berchtesgaden – Eine Voranfrage des Staatlichen Bauamts Traunstein zur Änderung des Bebauungsplans Eckerbichl/Platterhof wurde am Montagabend im Berchtesgadener Gemeinderat behandelt. Die neue Dokumentationsstelle gilt als eines der ambitioniertesten Projekte in der Umgebung. Eine kritische Anmerkung gab es von Gemeinderat Richard Schwab hinsichtlich der Bauweise. Da konnte auch Bürgermeister Franz Rasp keine Einwände entgegenhalten.

In Flachbauweise in den Hang integriert: Die neue Dokumentation Obersalzberg. Bei Gemeinderat Richard Schwab (FW) sorgt das für Magenschmerzen. (Foto: Pfeiffer)

Die Dokumentation Obersalzberg soll für 17 Millionen Euro erweitert werden. Sie wird ein deutlich größeres Ausstellungsgebäude gegenüber erhalten, das zu einem bedeutenden Teil nicht sichtbar sein wird. Die dort befindliche Dauerausstellung soll inhaltlich grundlegend überarbeitet werden. Für die Ausstellung bringt dies eine Vervierfachung der Fläche: Statt bisher rund 300 Quadratmeter sollen nach der Erweiterung 1 170 Quadratmeter für die Ausstellung zur Verfügung stehen. Daneben wird auch genügend Platz für ein Besucherzentrum sowie für Seminar- und Vertiefungsräume geschaffen. Das bisherige Ausstellungsgebäude soll in Zukunft als Verwaltungsgebäude dienen.

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Gemeinderat Richard Schwab (FW) ist von der Planung im Hang grundsätzlich überzeugt (»eine gute Sache«), als Baufachmann hatte er dennoch so manche Anmerkung hinzuzufügen. Weil die neue Dokumentationsstelle in den Hang hineingebaut werden soll, wird der Baukörper am Ende mit Erde überfüllt werden. »Das ist eine Flachbauweise, die man überdenken muss«, so Schwab. Zwar liege die Bautechnik in Händen des Bauherrn, dennoch wolle er darauf hinweisen, dass ein in einen Hang integrierter Flachbau in jedem Fall »gescheit gemacht werden muss«. Die Gefahr, dass nach 30 Jahren große Schäden auftreten, sei groß. »Viele sagen, dass sie die Flachdachbauweise beherrschen, langfristig gibt es dann aber meist Probleme.« Auch Bürgermeister Franz Rasp sagt, dass es bei der Flachbauweise immer wieder zu Problemen kommen kann. In Zukunft wird der Landkreis für das Gebäude zuständig sein.

In der Tat gibt es im Talkessel mehrere Objekte, die sich durch eine Flachbauweise auszeichnen. Glücklich dürfte aber niemand über deren Zustand sein: So hat es beim Kongresshaus immer wieder Probleme mit dem Dach gegeben. Auch die Tiefgarage ist in gewisser Weise ein in den Untergrund integrierter Flachbau, »wobei das nicht anders möglich ist«, ergänzt Richard Schwab. Dennoch: An mehreren Stellen sifft das Wasser durch die Decke, macht den Beton marode. Um die Schäden zu beseitigen, muss Geld in die Hand genommen werden. So weit soll es in der neuen Dokumentation Obersalzberg aber erst gar nicht kommen: »Es muss halt richtig gemacht werden«, meint Schwab.

14,6 Millionen Euro gibt der Freistaat für den Erweiterungsbau aus, weitere 2,4 Millionen Euro wird die geplante Ausstellung kosten, die als Rundgang konzipiert wird. Träger der Dokumentationsstelle Obersalzberg ist die Berchtesgadener Landesstiftung. Den Betrieb der Dokumentationsstelle hat der Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee inne. Die wissenschaftliche sowie museumsfachliche und museumspädagogische Betreuung liegt beim Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, das in der neuen Ausstellung weitere Aufgaben zugewiesen bekommen soll. Kilian Pfeiffer