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»Don Kosaken Chor Serge Jaroff« begeistert mit seiner Stimmgewalt

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Der Don Kosaken Chor Serge Jaroff gastierte anlässlich des Chorjubiläums »50 Jahre Chorfreunde Traunwalchen« im Pertensteiner Marstallsaal. Als krönenden Abschluss des umjubelten Konzerts stimmten die Gäste gemeinsam mit den Chorfreunden das Lied »Guten Abend, gut´ Nacht« an. ( Foto: Gabi Rasch)

Bei der Wahl, anlässlich des Jubiläums der Chorfreunde Traunwalchen den Don Kosaken Chor Serge Jaroff zu engagieren, hatte der Vorsitzende der Chorfreunde, Adalbert Huber, den richtigen Ton getroffen: Die rund 250 Besucher waren begeistert von der durchdringenden Stimmgewalt des Chores, der weltweit große Konzerthallen und Kathedralen füllt. »Da läuft es einem eiskalt dem Buckel runter«, sagte Hans Mittermaier aus Matzing.


Für die Chorfreunde, die heuer ihr 50-jähriges Bestehen feiern, war das Konzert eine große Sache. Dem Vorsitzenden ist es gelungen, den Chor unter der Leitung von Wanja Hlibka, dem damals jüngsten Solisten Serge Jaroffs, der den Chor 1921 in türkischer Gefangenschaft gegründet und ihn innerhalb kurzer Zeit zu Weltruhm geführt hat, für ein Gastspiel in Pertenstein zu gewinnen.

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Die Chorfreunde unter der Leitung von Hans Lauber begrüßten zunächst die Gäste im voll besetzten Marstallsaal mit den Liedern »Wir heißen Euch willkommen« und der Motette »Groß ist der Herr« von Carl Phillipp Emanuel Bach. Bevor der gemischte Chor die Bühne für die weitgereisten Gäste freigab, gab es noch einen besonderen musikalischen Willkommensgruß in russischer Sprache, vorgetragen von Adalbert Huber.

Fast statisch standen die Sänger in schwarzer Kosaken-Kluft mit roten Seitenstreifen und Reitstiefeln vor dem Publikum. Schon beim ersten Ton erschallte ihre durchdringende Stimmgewalt wie ein Donnerhall durch den Marstallsaal. Auf dem Programm standen Kirchengesänge und russische Volksweisen. Darunter waren auch bekannte Balladen und Melodien wie »Abendglocken« oder »Kalinka«. Zwischen den einzelnen Liedern, bei denen auch die Solisten mit ihren kraftvollen Gesängen ein Bollwerk zündeten, erntete der Chor begeisterten Applaus der Besucher.

Einen krönenden bayerisch-russischen Abschluss fand das Konzert mit dem bekannten Wiegenlied »Guten Abend, gut´ Nacht«, das die Chorfreunde gemeinsam mit den Don Kosaken anstimmten. »Do habt´s uns wieda wos Guads o do«, sagte ein begeisterter Besucher in der Pause. Damit spielte er auf das abwechslungsreiche Kulturprogramm in Schloss Pertenstein an. In Pertenstein haben sich Künstler unterschiedlicher Couleur die Klinke in die Hand gegeben. »Russische Gäste hatten wir bisher aber noch nicht«, sagte Hans Lauber dem Traunsteiner Tagblatt und strahlte.

Lauber, der vor kurzem seinen 80. Geburtstag feiern konnte, leitet die Chorfreunde seit fünf Jahrzehnten. 50 Jahre Chorfreunde seien zwar kein Weltereignis, aber es gebe nicht viele Chöre, die vom ersten Tag an den gleichen Chorleiter haben, sagte Huber unter Beifall der Besucher.

Die Euphorie und die Begeisterung, mit der der Chor aufgenommen wurde, ist auch eine Bestätigung dafür, dass Musik Menschen und Völker verbinden kann, auch wenn die Sprache nicht von allen verstanden wird. Diese Erkenntnis unterstrich auch Bürgermeister Klaus Ritter. »Musik ist eine gemeinsame Sprache der Menschheit«, sagte das Traunreuter Stadtoberhaupt. Im Chor mitzusingen bedeute aber, die Proben regelmäßig zu besuchen, sich zu organisieren und die Kasse zu hüten. Apropos Kasse: Ritter hatte für die Vereinskasse der Chorfreunde auch eine kleine Geldspende mitgebracht.

Die Chorfreunde Traunwalchen, die einen festen Platz im Dorfleben einnehmen, haben sich im März vor 50 Jahren auf Anregung des damaligen Traunwalchner Bürgermeisters Josef Schroll und früheren Schulleiters Albert Nonnast zusammengefunden. 1963 als junger Lehrer an die Volksschule Traunwalchen beordert, wurde Hans Lauber die Aufgabe zuteil, einen gemischten Chor aufzubauen. Die sangesfreudigen Sängerinnen und Sänger ließen auch nicht lange auf sich warten und es entwickelte sich eine enge Gemeinschaft, die bis heute besteht.

Nachdem die ersten Lieder einstudiert waren, folgten auch schon die ersten öffentlichen Auftritte: Die Einweihung der Schulturnhalle und des Sportplatzes in Traunwalchen 1966 wurde von den Chorfreunden gestaltet und die legendären »Fein sein, beinander bleib´n«-Singen übertrafen seinerzeit alle Erwartungen. Auch die Pertensteiner Mysterien- und Passionsspiele sind durch die Chorfreunde entstanden, die im Laufe der Jahre ihr Liedgut erweiterten und ein umfangreiches Repertoire vom Volkslied bis hin zum Madrigal aufweisen können.

Seit 45 Jahren singen sie an Heilig Abend im Trostberger Krankenhaus, gestalten die Christmette in Pertenstein oder den Neujahrsgottesdienst in Baumburg. In all den Jahren hat es Hans Lauber als Chorleiter verstanden, seine Sängerinnen und Sänger für deutsches Liedgut und Chorsätze zu begeistern. Sein Grundsatz, der Tradition verpflichtend, die gelebte Gemeinschaft zu fördern, hält seit nunmehr 50 Jahren an. Gabi Rasch