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Doping hat 2013 Hochkonjunktur: Affären und Fälle

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WADA Media Symposium in Lausanne
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John Fahey zieht eine nüchterne Jahresbilanz. Foto: Jean-Christophe Bott Foto: dpa

Düsseldorf (dpa) - Doping, Doping, Doping - der Sportbetrug und die Bekämpfung der verbotenen Leistungsmanipulation hat auch 2013 Hochkonjunktur gehabt: Spektakuläre Geständnisse und Fälle, neue Affären, verschleppte Aufklärung und Kontroversen um eine brisante Studie zum Doping in Deutschland.


An Schlagzeilen zum Dauerthema Doping mangelte es nicht. »Den Kampf gegen Doping werden wir niemals gewinnen, aber wir müssen weiterkämpfen«, philosophierte John Fahey, der scheidende Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

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Es gibt weiter viele Schlupflöcher, und Tausende von Doping-Tests pro Jahr sind keine Gewähr dafür, dass saubere Athleten eine faire Chance haben. Dies zeigte der Fall des gestürzten Rad-Helden Lance Armstrong. Er wurde nicht durch positive Tests als einer der ärgsten Betrüger der Sportgeschichte entlarvt, sondern nur durch die Beharrlichkeit eines Mannes. Travis Tygart, Geschäftsführer der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, gelang der Nachweis, das der siebenmalige Tour-de-France nie legal gewonnen hatte.

»Ja, ja, ja, ja, ja«, gestand Armstrong Mitte Januar - drei Monate nachdem er lebenslänglich gesperrt wurde - auf die Frage der Star-Talkmeisterin Oprah Winfrey, ob er das Blutdopingmittel EPO, Testosteron, Kortison und Wachstumshormone genommen habe.

Lange hat es auch gedauert, bis sich Armstrongs einstiger deutscher Rivale Jan Ullrich zu einer Beichte durchringen konnte und gestand, die Hilfe des spanischen Skandalarzt Eufemiano Fuentes beim Blutdoping in Anspruch genommen zu haben. »Ich wollte für Chancengleichheit sorgen«, lautete Ullrichs fragwürdige Begründung. Knapp zwei Monate zuvor war Fuentes - sieben Jahre nach Aufdeckung des größten Doping-Skandals in Spanien - im Prozess um die »Operación Puerto« glimpflich davon gekommen und zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Mit der Aufklärung der Doping-Vergangenheit tut man sich auch in Deutschland schwer.

Die Veröffentlichung der Studie »Doping in Deutschland von 1950 bis heute« sorgte weniger für Klarheit als für viel Aufregung, Unmut und Streit. Statt Ross und Reiter zu nennen, wurden die ehemaligen Profiteure, Strippenzieher und Hintermänner aus juristischen Gründen bisher nicht eindeutig genannt. Eine Erkenntnis konnte man dennoch gewinnen: Das Doping in Westdeutschland stand dem in der früheren DDR um nichts nach.

Auch die Aufklärung der Doping-Vergangenheit an der Uni Freiburg um die Verstrickung in dem Skandal um den ehemalige Radrennstall Team Telekom und der umstrittenen Forschung der damaligen Sportmediziner Joseph Keul und Armin Klümper ist zur Affäre geworden. 2009 erhielt eine Kommission unter der Leitung von Letizia Paoli den Auftrag, die Hintergründe aufzudecken. Doch statt wie angekündigt, nach einem Jahr den Bericht vorzulegen, liegt Paoli mit der Uni-Leitung im Clinch und wirft ihr Vertuschung und Behinderung der Arbeit vor.

Für viel Aufregung sorgte auch die fragwürdige Blutbehandlung von Athleten am Olympiastützpunkt Erfurt mit UV-Strahlen. Erlaubt oder nicht? Erst nach Monaten entschied der Internationale Sportgerichtshof (CAS), dass die Methode bis 2011 nicht verboten war und es erst danach ein Doping-Verstoß war.

Eindeutiger und spektakulärer waren die Doping-Fälle der Supersprinter Tyson Gay (USA) und Asafa Powell (Jamaika) vor den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau. Beide wurden positiv getestet und aus dem Verkehr gezogen - sie sind die Topstars auf einer der Liste des Weltverbandes (IAAF), auf der 2013 knapp 300 suspendierte und gesperrte Läufer, Springer und Werfer stehen. Dazu passten Meldungen, das vor den Olympischen Spielen 2012 in London in Jamaika monatelang nicht ordentlich, in Kenia 17 Läufer, in Russland und der Türkei Dutzende Athleten positiv getestet wurden.

Die Anti-Doping-Kämpfer wollen sich dennoch nicht entmutigen lassen. Ein neuer Welt-Anti-Doping-Code, der am 1. Januar 2015 in Kraft tritt, mit einer Regelsperre von vier Jahren für Erstvergehen soll ihnen Rückenwind geben. Außerdem wächst in Deutschland die Allianz der Befürworter einer schärferen Anti-Doping-Gesetzgebung inklusive Besitzstrafbarkeit von Doping-Mitteln, die in der nächsten Legislaturperiode auf den Weg gebracht werden könnte. Es könnte etwas enger für Doping-Betrüger werden.