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Permakulturberater Yves-Daniel Hoffmann legt auch selbst Hand an, wie etwa auch beim Mulchen der Fläche in Arnolding. (Foto: privat)

Dorfbewohner legen Permakulturgarten in Arnolding an

Teisendorf – In Arnolding, einem Ortsteil von Teisendorf, haben sich vor kurzem mehrere Dorfbewohner zusammengeschlossen, um einen Permakulturgarten anzulegen. Begleitet wird das Projekt ehrenamtlich von Yves-Daniel Hoffmann aus Oberteisendorf, der als Permakulturberater tätig ist. Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt hat er die Grundlagen der Permakultur erläutert, die Projekte, die er zur Zeit weltweit betreut, kurz beschrieben und gezeigt, wie Permakultur auch sein Leben verändert hat.


Der Begriff Permakultur leitet sich vom englischen »permanent (agri)culture« ab. Zu Deutsch heißt das »dauerhafte Landwirtschaft« oder »dauerhafte Kultivierung«. »Permakultur ist aber ein viel weiteres Feld«, stellt Hoffmann klar. »Es ist mehr als nur eine bestimmte Art der Garten- oder Landbewirtschaftung. Permakultur kann in allen Bereichen des menschlichen Wirkens angewandt werden, im Garten, in Betrieben und Schulen, in Kommunen, in der Landwirtschaft, aber auch im eigenen Alltag und in der persönlichen Lebensgestaltung.« Permakultur sei eine Gestaltungspraxis, die Lösungen, Werkzeuge und Methoden aus verschiedensten Kulturen und Bereichen zusammenträgt. Mit konkreten Projekten bringe sie den Wandel der Gesellschaft zur Enkeltauglichkeit voran.

Die Gründerväter der Permakultur waren die Australier David Holmgren und Bill Mollison. Sie suchten in den 70er Jahren mit wissenschaftlichen Mitteln und Beobachtungen in verschiedenen Kulturen weltweit nach Ansätzen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur Böden erhält oder gar wieder aufbaut, wenig Abfall erzeugt und die Artenvielfalt erhöht. Die beiden Pioniere erkannten, dass wirkliche Veränderungen auch ethische Prinzipien brauchen. Für die Permakultur formulierten sie diese als Sorge für die Erde, Sorge für die Menschen, Begrenzung von Konsum und Wachstum sowie Verteilung der Überschüsse.

Dass Permakultur eine Lebensphilosophie werden kann, dafür ist Yves-Daniel Hoffmann ein gutes Beispiel. Nach seinem Wirtschafts-Fachabitur in Rosenheim entschloss er sich, mit und für die Natur zu arbeiten. Er studierte Forstwissenschaft an der Hochschule Weihenstephan, später dann an der Universität Freiburg. Nach Praktika in Forstbetrieben, im Nationalpark Berchtesgaden und an einem Umweltinstitut in Bozen/Italien sowie den erfolgreichen Studienabschlüssen war er mehrere Jahre in der forstlichen Forschung tätig als Forstingenieur und Forstwissenschaftler mit Schwerpunkt Waldinventur. Bald aber merkte er, dass das nicht seinem Lebensziel und -inhalt entsprach. »Ich merkte, ich habe die Erdung verloren. Ich wollte mit der Natur arbeiten, die Natur schützen, jetzt saß ich ständig am Computer und wälzte Zahlen«, beschreibt Hoffmann seine damaligen Zweifel. »Mein Herz hat sich wie ein Stein angefühlt. Ich fragte mich 'Wo will ich wirklich hin?' und suchte nach neuen Wegen«.

Bei seiner Suche stieß er zufällig auf Kurse, die das Permakultur-Institut anbietet. Der deutschlandweit tätige gemeinnützige Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung zukunftsfähiger Lebensweisen zu unterstützen, indem er die Bildungsarbeit zu dem Thema Permakultur an verschiedenen Orten organisiert und interessierte Akteure vernetzt.

Zurück von einer längeren Auszeit in Südamerika hat Hoffmann einen 72-stündigen Grundlagenkurs am Monviso-Institut in Piemont besucht. Dort hat er die Grundlagen der Permakultur kennengelernt. Für die Weiterbildung zum Permakultur-Designer hat er sich für den mehrjährigen selbstorganisierten Lernweg entschieden. Das heißt für ihn, dass er sich die Kenntnisse und Fähigkeiten in der Permakultur selber aneignen muss. Dabei wird er von selbstständigen Tutoren des Permakultur-Instituts begleitet. Gleichzeitig muss er mehrere Permakulturprojekte organisieren und begleiten.

Eines dieser Projekte ist das in Arnolding, wo eine Gruppe interessierter Bewohner mit der Bitte auf ihn zugekommen ist, sie bei der Anlage einer Permakulturfläche am Dorfrand zu unterstützen. Als erstes wurde die Fläche beobachtet und analysiert, dann ein Gestaltungsplan konzipiert und abgestimmt. Es folgte die Gestaltung eines Weidentipis für Kinder, der Bau einer Feuerstelle, die Pflanzung einer Wildhecke als Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten. In Kürze sollen Obstbäume gepflanzt werden, die Flächen wurden bereits vorbereitet.

Das Wichtigste für einen Permakulturberater sei es, mit den Menschen zu arbeiten, so Yves-Daniel Hoffmann, ihnen zuzuhören, zu prüfen, ob ihre Wünsche und Bedürfnisse zu ihnen, zu der Fläche, der ganzen Umgebung passen, gemeinsam mit ihnen neue Visionen und Gestaltungsmöglichkeiten zu entwickeln. Dann folgt die Planung und die Umsetzung gemeinsam mit den Auftraggebern. Kinder dürfen natürlich mitmachen.

Erfolge und Meilensteine in der Umsetzung würden gemeinsam gefeiert, führt Hoffmann aus. Das sei etwas immanent Wichtiges, denn es stärke die Gemeinschaft und die Bindung zum Projekt. In diesem Sinne habe er auch schon seine Projekte in Ecuador und Peru gestaltet.

Es ging dort um Gestaltungsüberlegungen für einen Gemeinschaftsgarten, ein Abwassersystem mit Pflanzenkläranlage sowie den Aufbau einer Kaffee-Kooperative. Immer im Sinne einer ressourcenschonenden und nachhaltigen Entwicklung. »Jedes Projekt ist etwas Neues, denn Permakultur gibt keine fertigen Antworten, sondern hilft, die richtigen Fragen zu stellen und durch Nutzung von Prinzipien und Methoden angepasste Lösungen zu finden«.

Als studierter Naturwissenschaftler und -ingenieur bringt Hoffmann in seinen Beratungen auch wissenschaftlich-technische Ansätze mit ein, wie das Arbeiten mit Geoinformationssystemen, Pflanzenbestimmungen oder Bodenbeschreibungen. Auch im Arnoldinger Projekt wurde eine Bodenkartierung vorgenommen, um die Verhältnisse vor Ort besser beurteilen zu können.

kon