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dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Lokführerstreik trifft Millionen Pendler und Reisende

Berlin (dpa) - Der längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn zwingt Millionen Pendler und Reisende zum Umsteigen. Mitglieder der Lokführergewerkschaft GDL weiteten am Dienstag ihren Ausstand auf Fernzüge, Regionalbahnen und S-Bahnen in ganz Deutschland aus. Sie wollen ihre Arbeit erst am Sonntag wieder aufnehmen. Der fast einwöchige Arbeitskampf, der bereits am Montagnachmittag im Güterverkehr begann, ist der achte im derzeitigen Tarifkonflikt. Ökonomen befürchten Millionenschäden für die Wirtschaft. Aus der Politik werden nun Rufe nach einer Zwangsschlichtung lauter. Die Kosten in dem aktuellen Bahnstreik könnten sich auf bis zu 750 Millionen Euro summieren, wie Konjunkturexperte Stefan Kipar von der BayernLB erklärte. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky hatte am Montagabend erneut die von der Bahn vorgeschlagene Schlichtung abgelehnt.

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Auch Bahngewerkschaft EVG schließt Streiks nicht aus

Berlin (dpa) - Die Bahngewerkschaft EVG schließt Streiks im Bahnverkehr in der laufenden Tarifrunde ebenfalls nicht aus. Das bekräftigte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. Die Gewerkschaft wolle verhindern, dass die unteren Einkommensgruppen im Tarifkonflikt abgehängt werden. Streik sei ein probates Mittel, wenn es am Verhandlungstisch nicht mehr gehe, betonte Kirchner. Im Gegensatz zur GDL streike die EVG allerdings nicht, um Strukturen zu ändern, sondern für mehr Geld.

Volkswagen ohne Piëch - Autobauer versucht Neustart nach Machtkampf

Hannover/Wolfsburg (dpa) - Nach dem erbitterten Machtkampf und dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch versucht Europas größter Autokonzern Volkswagen wieder Tritt im Alltag zu finden. Vorstandschef Martin Winterkorn sagte am Dienstag in Hannover auf der Hauptversammlung, der Autobauer sei nun «in ruhigerem Fahrwasser unterwegs», der Fokus liege wieder auf dem Geschäft. Bei dem Aktionärstreffen fehlte erstmals seit über einem Jahrzehnt an der Aufsichtsratsspitze der langjährige VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Er war Ende April als Verlierer des Machtkampfs zurückgetreten. Bei der Suche nach einem neuen Chefaufseher will sich Volkswagen Zeit lassen. Aktionäre kritisierten die Führungsdebatten bei VW. Auch für eine Dezentralisierung seiner Führung unternimmt VW erste Schritte. Dazu bündelt der Konzern sein schweres Nutzfahrzeug-Geschäft mit den Töchtern MAN und Scania in einer eigenständigen Holding.

Verzögerungen im Prozess gegen Top-Banker Fitschen

München (dpa) - Der Strafprozess gegen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen und Co. ist bereits am zweiten Verhandlungstag ins Stocken geraten. Nach hitzigen Wortgefechten zwischen Verteidigern und Staatsanwaltschaft über die Ermittlungsarbeit der Anklagebehörde hob der Vorsitzende Richter Peter Noll den nächsten geplanten Termin am kommenden Dienstag auf. Der Prozess soll erst am 18. Mai fortgesetzt werden. Co-Vorstandschef Fitschen, seine Vorgänger Rolf Breuer und Josef Ackermann, sowie zwei weitere Ex-Manager der Deutschen Bank stehen seit Dienstag vergangener Woche in München vor Gericht, weil sie vor vier Jahren in einem Prozess um Schadenersatzforderungen für die Pleite des Medienkonzerns Kirch nicht die Wahrheit gesagt haben sollen. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Lufthansa verkraftet Schreckensquartal mit besserem Ergebnis

Frankfurt/Main (dpa) - Die Lufthansa hat ihr Schreckensquartal zum Jahresbeginn mit deutlich verbesserten Ergebnissen überstanden. Trotz des Absturzes der Germanwings-Maschine am 24. März und sechs Tagen Pilotenstreik verringerte sich der saisontypische Verlust im laufenden Geschäft im Jahresvergleich um fast ein Drittel. Vor allem billiges Kerosin half Europas größter Fluggesellschaft, die streikbedingten Flugausfälle zu verkraften. Unter dem Strich stand wegen eines Finanzgeschäfts sogar ein Gewinn von 425 Millionen Euro. Allerdings machen die Niedrigzinsen dem Dax-Konzern bei den Betriebsrenten zu schaffen.

Adidas zieht nach Vorjahres-Schlappe wieder an

Herzogenaurach (dpa) - Nach einem schwierigen Vorjahr hat sich Europas größter Sportartikelkonzern Adidas im ersten Quartal 2015 wieder Luft verschafft. Angekurbelt von Zuwächsen bei den Marken Adidas und Reebok sowie kräftig unterstützt vom schwachen Euro legte der Umsatz um 17,3 Prozent auf 4,08 Milliarden Euro zu. Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal unterm Strich um 8,2 Prozent auf 221 Millionen Euro, wie der Dax-Konzern am Dienstag in Herzogenaurach mitteilte. Der angesichts schrumpfender Erträge im Vorjahr unter Druck geratene Vorstandschef Herbert Hainer zeigte sich zufrieden, die Probleme weitgehend hinter sich gelassen zu haben.

Athen startet erneut Krisentrips bei Geldgebern - Nöte immer größer

Athen/Berlin/Brüssel (dpa) - Athen hat angesichts drückender Geldprobleme eine neue Krisenreise-Runde bei den Geldgebern gestartet. Finanzminister Gianis Varoufakis traf am Dienstag in Paris seinen französischen Kollegen Michel Sapin. Anschließend war ein Treffen mit EU-Währungskommissar Pierre Moscovici in Brüssel geplant. Regierungschef Alexis Tsipras entsandte vertraute Minister auch nach Frankfurt, um EZB-Chef Mario Draghi zu weiteren Geldflüssen zu bewegen. In Berlin dämpfte Finanzminister Wolfgang Schäuble die Erwartungen, dass in den Verhandlungen der Geldgeber mit Athen über ein Reformpaket und weitere Finanzhilfen beim nächsten Treffen der Euro-Gruppe am kommenden Montag (11.5.) eine Einigung gelingen werde.

EU-Kommission fordert von Berlin mehr Investitionen

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission fordert von Deutschland wegen seiner vergleichsweise gute Budgetlage verstärkte Investitionen. «Ich denke, dass es Spielraum gibt, um die Binnennachfrage und potenzielles Wachstum zu unterstützen», sagte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici am Dienstag in Brüssel bei der Vorstellung seines neuen Konjunkturgutachtens. Er nannte Investitionen in öffentliche Infrastruktur und Ausgaben für Bildung. Laut Kommission dürfte der deutsche Überschuss bei der Leistungsbilanz im laufenden Jahr steigen. Erwartet werden 7,9 Prozent der Wirtschaftsleistung, das sind 0,3 Punkte mehr als im Vorjahr.

Google: Wettbewerbsverfahren ist Chance Vorwürfe «zu klären»

Washington (dpa) - Google sieht das Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission nach eigenen Angaben als Chance, Vorwürfe gegen den Internet-Konzern auszuräumen. «Ich glaube, dass es in Europa große Missverständnisse bezüglich unseres Geschäftsmodells und der Funktionsweise unserer Suchmaschine gibt», sagte Vint Cerf, ein Internet-Pionier und heutiger Vizepräsident von Google, am Montag (Ortszeit) vor dem Nationalen Presseclub in Washington. Das Verfahren sei eine Chance, die «Angelegenheit endlich zu klären», sagte Cerf. Die EU-Behörde hatte Google am 15. April die sogenannten Beschwerdepunkte geschickt. Einer Voruntersuchung zufolge verstößt der Konzern gegen das EU-Wettbewerbsrecht.

Abschied vom Sorgenkind-Image: Media-Saturn beflügelt Metro

Düsseldorf (dpa) - Lange waren Media Markt und Saturn die Sorgenkinder der Metro: Doch jetzt entwickeln sich die Elektronikketten wieder zu Wachstumsmotoren des Handelsriesen. Vor allem im Online-Handel mache Media-Saturn verlorenen Boden gut, sagte Konzernchef Olaf Koch am Dienstag bei der Präsentation der Quartalszahlen. Durchwachsener ist das Bild in den anderen Konzernsparten. Die Warenhaustochter Kaufhof litt zwischen Januar und März unter der mangelnden Kauflust der Bundesbürger. Bei den Metro-Großmärkten und den Real-Supermärkten dauern die Umbauarbeiten noch an. Das Ergebnis des Konzerns wurde allerdings durch massive Wertberichtigungen bei der SB-Warenhaustochter Real beeinträchtigt.

China treibt Liberalisierung des Pharma-Marktes voran

Peking (dpa) - Im zweitgrößten Pharma-Markt der Welt in China will der Staat dem Markt mehr Freiraum geben. Zum 1. Juni werden die Preisvorgaben für die meisten Medikamente aufgehoben, wie die mächtige Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) am Dienstag in Peking ankündigte. Bislang hatte der Staat Grenzen für die Preise von Medikamenten festgesetzt. Allerdings ließ sich die Behörde eine Hintertüre offen. Die Freigabe gelte, solange sich die Preise in einem «angemessenen» Rahmen bewegten. Bei zu starken Sprüngen können sich die Preiswächter weiterhin einschalten. Zudem sind von der neuen Regelung Betäubungsmittel und spezielle Präparate zur Behandlung psychischer Krankheiten ausgenommen. Die Volksrepublik ist bereits zum zweitgrößten Pharmamarkt der Welt hinter den USA aufgestiegen.

Dax-Schwergewichte bremsen weitere Erholung aus

Frankfurt/Main (dpa) - Kursverluste der Dax-Schwergewichte Allianz und BASF haben am Dienstag eine weitere Erholung des deutschen Leitindexes verhindert. Zusätzlicher Druck kam am Nachmittag durch schwache Handelsbilanzdaten aus den USA. Der Dax rutschte bis zum Nachmittag um 0,51 Prozent auf 11 560,81 Punkte ab, nachdem er zwischenzeitlich um mehr als 1 Prozent gestiegen war. Für den Index der mittelgroßen Werte MDax ging es um 0,32 Prozent nach unten auf 20 474,72 Punkte, während der Technologiewerte-Index TecDax 0,41 Prozent einbüßte auf 1630,49 Punkte. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone gab um über ein halbes Prozent nach. Am deutschen Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,33 auf 0,34 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,15 Prozent auf 139,45 Punkte. Der Euro fiel weiter zurück: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1117 (Montag: 1,1152) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8995 (0,8967) Euro.