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Draisaitl: Weltspitze ist das Ziel - »Noch mehr Potenzial«

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Leon Draisaitl
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Leon Draisaitl ist einer der Topspieler der nordamerikanischen Profi-Liga NHL. Foto: Armin Weigel Foto: dpa

In seiner Heimat Köln hat NHL-Superstar Leon Draisaitl Kraft getankt für die anstehende Eishockey-WM. In der Slowakei will der 23-Jährige Anführer des Nationalteams sein, das er unter dem neuen Bundestrainer auf einem sehr guten Weg sieht. Er selbst will noch besser werden.


Köln (dpa) - Leon Draisaitl scheint in der Form seines Lebens. Mit 105 Scorerpunkten in dieser NHL-Saison stieg der 23 Jahre alte Stürmerstar der Edmonton Oilers in die Eishockey-Weltklasse auf. Und er will noch besser werden.

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»Ich glaube schon, dass ich noch Potenzial nach oben habe und noch besser spielen kann«, sagte Draisaitl im Interview der Deutschen Presse-Agentur in seiner Heimat Köln. Die Playoffs mit den Oilers erreichte er erneut nicht. Stattdessen will er mit dem Nationalteam bei der WM in der Slowakei (10. bis 26. Mai) für Furore sorgen.

Wie fühlt es sich an, mal wieder in Köln zu sein?

Leon Draisaitl: Das ist immer etwas Schönes, etwas Besonderes. Hier komme ich her, meine Familie lebt hier, meine besten Freunde kommen alle aus Köln. Zu den Jungs haben ich noch regelmäßig Kontakt und das wird sich auch nie ändern. Ich bin schon ein Familien- und Freundesmensch.

Was vermissen Sie in Edmonton am meisten?

Draisaitl: Das sind schon meine Freunde und meine Familie. Und natürlich das Kochen von meiner Mutter. Sie ist aber relativ oft bei mir in Edmonton und kommt mich besuchen. Da bekomme ich schon ihr Essen noch ab und zu.

Was kommt dann auf den Tisch?

Draisaitl: Spaghetti Bolognese von meiner Mutter und Apfelpfannkuchen von meiner Oma - das ist überragend.

Dirk Nowitzki hat seine gesamte NBA-Karriere nur in Dallas gespielt. Wäre so etwas für Sie in Edmonton auch denkbar?

Draisaitl: Absolut. Dirk hat sich ja einen Legendenstatus in Dallas erarbeitet. Mein Kopf ist derzeit auch nur bei den Oilers. Ich würde gerne meine gesamte Karriere dort bleiben.

Trotz des Frusts, die Playoffs wieder nicht erreicht zu haben?

Draisaitl: Natürlich ist das frustrierend. Vor allem, wenn du zwei Jungs hast, die beide über 100 Punkte machen und das Team kommt trotzdem nicht in die Playoffs. Wie oft hat es das gegeben, dass zwei Spieler eines Teams so oft punkten? Aber es bringt nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Ich kann ja auch recht wenig daran ändern, wie das Team aufgestellt ist. Ich werde jedenfalls im Sommer hart trainieren und alles dafür tun, damit wir es kommende Saison wieder in die Playoffs schaffen.

Glauben Sie, mit Edmonton mal den Stanley Cup zu gewinnen?

Draisaitl: Natürlich ist der Stanley Cup mein großes Ziel. Da ist ja bei jedem Sportler so. Natürlich waren wir die letzten zwei Jahre weit weg. Aber ich weiß, wie schnell sich das wieder drehen kann.

Sie haben 105 Scorerpunkte gesammelt, ihr Sturmpartner McDavid 116. Dadurch wurden Sie mit NHL- und Oilers-Größen wie Wayne Gretzky und Jari Kurri verglichen. Wie empfinden Sie das?

Draisaitl: Natürlich ist das eine Ehre, mit solchen Spielern genannt zu werden. Ich habe schon eine sehr gutes Gefühl dafür, wo ich in meiner Karriere bin und wie erfolgreich ich bin. Im Endeffekt habe ich jetzt noch nicht so viel erreicht, dass ich mir davon was kaufen kann. Eishockey ist ein Teamsport und wir haben die Playoffs verpasst.

Beim Nationalteam spielen Sie nicht an der Seite eines Weltstars wie McDavid. Wie schwierig fällt da die Umstellung?

Draisaitl: Auch im Nationalteam sind alle sehr gute Eishockeyspieler. Natürlich versuche ich, den Jungs zu helfen und sie gut aussehen zu lassen. Aber ich bin niemals zu gut für irgendwen.

Es fokussiert sich alles auf Sie. Kommen Sie damit zurecht?

Draisaitl: Das habe ich schon ganz gut drauf, mit Verantwortung umzugehen. Als Profisportler gehört es auch dazu, Druck zu haben. Ich weiß, was ich leisten kann. Aber ich weiß auch, dass wir gar nichts erreichen, wenn ich alleine spiele. Wir sind ein Team, das zusammenfinden muss. Wenn ich dabei aber derjenigen sein muss, der voran geht, dann mache ich das natürlich sehr gerne. Das ist auch mein Ziel. Denn ich glaube, dass das unserer Mannschaft am meisten hilft.

Es scheint, als könnten Sie Druck abschütteln. Wie kommt das?

Draisaitl: Abschütteln vielleicht nicht, aber ich mag solche Situationen ganz gerne - unter Druck zu stehen. Unter Druck habe ich immer schon am besten performt.

Woher kommt der Ehrgeiz? War das schon immer so?

Draisaitl: Wenn man Sport so sehr mag, dann kommt das von alleine. Als Junge ist das natürlich mehr Spaß. Dann kommt aber irgendwann der Zeitpunkt, wo man merkt: Oh, das könnte wirklich was werden. Ab da an wollte ich immer einer der Besten der Welt werden. Ich wollte kein Durchschnitt sein. Ich wollte immer etwas leisten, was schwierig ist.

Gehören Sie zu den weltbesten Spielern?

Draisaitl: Ich hoffe es. Die Gruppe ist ja riesengroß. Es gibt viele überragende Eishockey-Spieler. Ich glaube schon, dass ich mich in diese Gruppe reingearbeitet habe. Ich glaube auch, dass ich noch Potenzial nach oben habe und noch besser spielen kann.

Wie überrascht waren Sie vom Abgang von Marco Sturm als Bundestrainer in die NHL und von der Entscheidung, Toni Söderholm zu seinem Nachfolger zu machen?

Draisaitl: Als wir das von Marco gehört haben, war das natürlich schon ein kleiner Paukenschlag. Unter ihm sind wir mit der Nationalmannschaft in die richtige Richtung gegangen. Natürlich muss er die Chance aber ergreifen. Toni kannte ich natürlich vom Namen her schon, er hat ja auch noch mit Dominik Kahun zusammengespielt. Ich denke, dass das eine gute Lösung ist. Er spricht super deutsch. Sein Spielkonzept passt. Bis jetzt macht es wirklich viel Spaß.

Was ist bei der WM drin?

Draisaitl: Natürlich stehen wir noch nicht da, wo wir zum WM-Start sein wollen. Als Team haben wir schon eine sehr gute Idee davon, wo wir stehen wollen. Dafür brauchen wir einen guten Start, das ist enorm wichtig. Und dann müssen wir marschieren und so viele Punkte wie möglich holen. Am Anfang sind die Spiele, die wir gewinnen können.

Es könnte noch ein NHL-Goalie kommen - wenn Philipp Grubauer oder Thomas Greiss in den Playoffs scheitern. Wie hilfreich wäre das?

Draisaitl: Das wäre schon überragend für uns. Natürlich haben wir hier auch sehr, sehr gute Torhüter. Aber es gibt natürlich auch einen Grund, warum Grubi und Greissi drüben überragende Saisons gespielt haben. Die würden uns schon weiterhelfen.

Es gab seit 2010 drei deutsche Stanley-Cup-Sieger. Deutschland hat bei Olympia Silber gewonnen. Sie sammeln 105 Scorerpunkte in der NHL. Ist der Aufschwung im deutschen Eishockey für Sie greifbar?

Draisaitl: Ich glaube schon, dass das deutsche Eishockey in die richtige Richtung geht. Wir haben jetzt auf einmal viele gute junge Spieler bei der Nationalmannschaft. Es wird da für den Toni immer schwieriger, Entscheidungen zu treffen. Trotzdem gibt es noch viel Luft nach oben. Wir müssen uns weiter verbessern.

Wo geht es mit der Entwicklung im deutschen Eishockey hin?

Draisaitl: Wir müssen gucken, dass wir uns jedes Jahr steigern und uns unter den Top Acht festsetzen. Wir sollten von den anderen Teams wahrgenommen werden als Mannschaft, die auch spielen kann und nicht nur rumhackt. Natürlich müssen wir auch hart arbeiten. Das Wichtigste aber ist, dass die Welt sieht, dass wir auch spielen können. Da hat der Toni ein gutes Konzept. Er will, dass wir die Scheibe vernünftig hinten raus spielen und uns auch trauen, mit den großen Nationen wirklich mitzuspielen. Das finde ich sehr, sehr wichtig.

ZUR PERSON: Leon Draisaitl wurde am 27. Oktober 1995 in Köln geboren und ist der Sohn des früheren Nationalspielers Peter Draisaitl. Mit 16 Jahren wechselte das Sturm-Talent nach Kanada, um in der dortigen Nachwuchsliga zu spielen. 2014 wurde er bei der NHL-Draft - der jährlichen Zuteilung der Transferrechte an den besten Spielern eines Nachwuchs-Jahrgangs - an dritter Stelle von den Edmonton Oilers gezogen. Das hatte zuvor noch nie ein Deutscher erreicht. Seinen Eindruck als weltweites Top-Talent bestätigt Draisaitl seitdem und ist inzwischen einer der besten Spieler der Liga und damit der Welt.

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