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Drei Traunsteiner Bergsteiger und ihre Kunst

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Ein Ehrengast bei der Vernissage zu »Traunsteiner Bergsteigermaler« war Gertrud Heckmair, deren verstorbener Mann Anderl Heckmair der Erstbesteiger der berühmten Eiger Nordwand war. Er unternahm mit Gustl Kröner zahlreiche Bergbesteigungen wie auf die Grandes Jorasses, die Gustl Kröner auf diesem Bild festhielt und es seinem Bergkameraden schenkte. (Foto: Giesen)

»Der Alpenverein ist nicht nur ein Bergsteiger- und Naturschutzverein, sondern auch ein Kulturverein« betonte Hans Helmberger, erster Vorsitzender der Stiftung Heimathaus, bei der außerordentlich gut besuchten Vernissage der neuen Ausstellung »Traunsteiner Bergsteigermaler« im Heimathaus Traunstein.


Gerade die Alpenvereins-Sektion Traunstein mit ihren rund 6500 Mitgliedern wolle diesem Anspruch wieder gerecht werden. Es sei nach der ersten Ausstellung 2008 mit »Berg-Werken« des Künstlers Angerer der Jüngere nun die fünfte Ausstellung im Heimathaus Traunstein, die drei Sektionsmitgliedern, Bergsteigern und Malern – Gustl Kröner, Karl Bierdimpfl und Eugen von Tarnoczy – ein Denkmal setzt.

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Gustl Kröner steht im Mittelpunkt der Ausstellung

Gustl Kröner, 1908 in Traunstein geboren und 1933 bei einem Versuch der Zweitbegehung der Matterhorn-Nordwand durch Steinschlag gestorben, hat von den Dreien als Bergsteiger die größte Bedeutung. Er hinterließ zudem viele schriftliche Zeugnisse, Bilder und Skizzen, sodass er im Mittelpunkt der Ausstellung steht.

Gustl Kröner entwickelte sich zu einem der besten Bergsteiger Anfang der 1930er Jahre, sodass die damals herausragenden deutschen Bergsteiger – wie Anderl Heckmair, der spätere Erstbesteiger der Eiger Nordwand – mit ihm unterwegs waren. Mit Gustl Kröner verband Heckmair eine enge Freundschaft, was sich auch daran zeigte, dass Heckmairs hochbetagte Witwe zu der Vernissage kam und ein Bild von Kröner zur Verfügung gestellt hatte.

Kröners künstlerische Neigung war schon früh ausgeprägt. Er ging zwar lieber zum Klettern, aber besuchte auch die Meisterschule für Malerei und Gestaltung in München. Die führende deutsche Kunstzeitschrift dieser Zeit, »Die Mappe«, widmete Gustl Kröner 1933 eine Extra-Ausgabe, woraufhin seine Berufung als Dozent am Schweriner Maltechnikum folgte.

Auch Karl Bierdimpfl, 1933 in Traunstein geboren, kam früh zum Bergsteigen ebenso, wie sich auch sein Talent zum Malen früh zeigte. Er absolvierte eine Lehre zum Steinmetz bei der Traunsteiner Firma Zerle, ging dann beruflich zweimal in die Schweiz, wo ihm auch schwierigste Touren in den Westalpen gelangen. Von dort führten ihn Malreisen nach Paris und die Provence.

Bierdimpfl war als Maler Autodidakt, der aus reiner Freude vor allem Aquarelle malte, die er nie verkaufte oder ausstellte, sondern verschenkte. Auch während seiner schweren Krankheit, an deren Folgen er schon 1967 mit erst 34 Jahren starb, war das Malen immer ein Lichtblick. Für die Alpenvereins-Sektion sei Karl Bierdimpfl »ein echter Glücksgriff« gewesen, betonte Fritz Petermüller, einer der Ausstellungs-Organisatoren. Bierdimpfl übernahm ab Frühjahr 1961 die Leitung der Jungmannschaft der Sektion und es gelang ihm, in kurzer Zeit wieder eine sehr ambitionierte, große Gruppe aufzubauen, deren Mitglieder zum Teil noch heute in der Sektion aktiv sind.

Von ganz anderer Art war der akademische Maler Eugen von Tarnoczy, dessen Familie aus Ungarn stammte. 1886 in München geboren, lebte er ab 1918 in Traunstein. Alpinistische Höchstleistungen sind von ihm nicht dokumentiert, denn er ging vor allem in die Berge, um Motive für seine Malerei zu finden.

Er malte auch Bilder für die Deutsche Lufthansa und wurde in der Fachwelt manchmal als Hochgebirgsmaler in der Tradition des berühmten Alpenmalers Edward Theodore Compton bezeichnet.

Tarnoczy malte fast alle Traunstein umliegenden Berge aus eigenem Erleben, insgesamt rund 6000 Bilder im Laufe seines Lebens. Extrem war auch er, aber in der Fliegerei, der erste Traunsteiner Flieger. Er schloss seine Ausbildung zum Flieger schon 1910 ab und gehörte damit zu den »Alten Adlern«, die ihre Lizenz zum Fliegen vor dem Ersten Weltkrieg erwarben. Tarnoczy starb mit 91 Jahren 1976 in Traunstein.

Wichtiger Blickfang der Präsentation ist eine Vitrine, in der die alpine Ausrüstung um das Jahr 1930 gezeigt wird – Hanfstricke zum Sichern und schwere, oft selbst angefertigte Steigeisen. Eine Ausrüstung, in der noch in den 50er Jahren geklettert wurde. Gegenübergestellt ist die, wie von einem anderen Stern wirkende, hochmoderne Ausrüstung von heute.

Lob für das große Engagement der Sektion Traunstein

Grünen-Stadtrat Wilfried Schott würdigte im Namen der Stadt und in Vertretung von Oberbürgermeister Christian Kegel das große, sehr verdienstvolle Engagement der DAV Sektion Traunstein, diese Dokumentations- und Kunstausstellung zu initiieren. Die Organisatoren der Ausstellung Otto Huber, Fritz Petermüller und Hans Helmberger haben für die Ausstellung umfangreich recherchiert, so ist auch ein reich bebildeter Katalog erschienen, der durch viele Fotografien und Repros der ausgestellten Bilder die Bergsteigerei zu Beginn bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebendig werden lässt.

Die Ausstellung »Traunsteiner Bergmaler« ist bis Sonntag, 8. November, im Heimathaus Traunstein täglich von 10 bis 15 Uhr sowie sonntags von 10 bis 16 Uhr zu sehen.

Eine ergänzende Veranstaltung mit dem Künstler findet am kommenden Samstag, 24. Oktober, um 19 Uhr in der Zieglerstube des Heimathauses statt. Otto Huber, Fritz Petermüller und Hans Helmberger berichten über das abenteuerliche und extreme Leben der drei Traunsteiner Persönlichkeiten, Gustl Kröner, Karl Bierdimpfl und Eugen von Tarnoczy, musikalisch umrahmt von der Moospointner Klarinettenmusik. Christiane Giesen

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