weather-image

Drei Wochen Nachtdienst und 20 Mark im Monat

5.0
5.0
Bildtext einblenden
So sah das Prinz-Ludwig-Heim in Traunstein aus. Es diente bis 1972 als Traunsteiner Krankenhaus. Die Umstände waren nicht zuletzt auch deshalb erschwert, da es keine Aufzüge gab und sämtliche Utensilien sowie Patienten rauf und runter getragen werden mussten. (Foto: Archivbild)

Traunstein – Anekdoten und lustige Geschichten vergangener Zeit aus dem Traunsteiner Krankenhaus und dem ehemaligen Prinz-Ludwig-Heim standen im Mittelpunkt eines Erzählabends im Angerbauerhof, der vom Verein »Gemeinsam gegen den Krebs« veranstaltet worden war.

Zu Beginn berichtete Dr. Ernst Schraube über die tägliche Arbeit im Prinz-Ludwig-Heim, das vermutlich nur noch den älteren Traunsteinern in Erinnerung ist. Es diente bis zu seinem Abriss 1972 als Traunsteiner Krankenhaus. Dort arbeiteten Anne Rose und Elisabeth Schlömmer als Krankenschwestern. Sie erzählten, dass das Pflegepersonal früher die Spritzen, die aus Glas bestanden, selber ausgewaschen haben und auch die Kanülen selbst feilten.

Anzeige

Die Umstände waren im Prinz-Ludwig-Heim nicht zuletzt auch deshalb erschwert, da es keine Aufzüge gab und sämtliche Utensilien sowie Patienten rauf und runter getragen werden mussten. Das galt auch für Patienten, die nachts starben.

Das Prinz-Ludwig-Heim stand an der Äußeren Wasserburger Straße und diente in beiden Weltkriegen als Lazarett – bevor es 1953 in den Besitz der Stadt Traunstein überging. Jahrelang wurde es als Krankenhaus genutzt, bis es schließlich nur noch ein Krankenhaus in Traunstein gab, nämlich das an der Cuno-Niggl-Straße. Die heute 92-jährige Klosterschwester Margit berichtete, dass der Monatslohn für eine Krankenschwester damals 20 Mark betrug und die Nachtdienste drei Wochen dauerten.

Berühmt war in den 70er Jahren der sechsmal abgeschossene Kampfhubschrauberflieger und Vietnamveteran »Berry«, der als Pilot für das Traunsteiner Krankenhaus zahlreiche Einsätze flog. »Berry« war bekannt wegen seiner tollkühnen Hubschraubereinsätze in der Tschechoslowakei, als er Flüchtlinge in die Bundesrepublik brachte. Eines Tages kam er mit Schussverletzungen ins Traunsteiner Krankenhaus und antwortete auf die Frage, warum er noch bis nach Traunstein geflogen und sich nicht in einem nähergelegenen Krankenhaus versorgen hat lassen: »Da kenn' ich ja keinen und euch kenne ich. Bei einem Flug nach Zwiesel hatte »Berry« Dr. Frieder Klein, dem ehemaliger Chefarzt der Allgemein-Chirurgie, den Weg so beschrieben: »Wenn sie auf uns schießen, sind wir in der Tschechei, ansonsten noch in Deutschland.« Zum Glück war alles gut gegangen.

Hans Dandl und Willi Stettner erzählten schließlich noch von alten Zeiten und der rasanten Entwicklung der Pflege am Traunsteiner Krankenhaus, den Aufbau und die Erweiterung der Krankenpflegeschule und vielen amüsanten Begebenheiten mehr. 132 Jahre lang waren Klosterschwestern vom Orden der Barmherzigen Schwestern in Traunsteiner Krankenhäusern tätig gewesen. Hans Dandl und Willi Stettner erinnerten sich noch an viele von ihnen, wie etwa an Schwester Desolata, der mit ihrer stattlichen Körpergröße von 190 Zentimetern großer Respekt sicher war. fb