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»Dringender Handlungsbedarf« in Ettenberg und Scheffau

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In diesem Haus fehlt eine Abgasabsauganlage. Diese soll aber heuer noch eingebaut werden. (Foto: Voss)

Marktschellenberg – Das Ettenberger Feuerwehrhaus ist dringend sanierungsbedürftig. Das ist eine der Erkenntnisse, die aus dem Feuerwehrbedarfsplan für die Gemeinde Marktschellenberg hervorgehen. Robert Kroha vom Planungsbüro Luelf & Rinke Sicherheitsberatung stellte diesen in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Montagabend vor. In Ettenberg, so Kroha, gebe es nicht mal eine Heizung.


Für seine Analyse war Robert Kroha mehrmals im gesamten Gemeindegebiet unterwegs und sprach mit dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Marktschellenberg über die Probleme. Die Feuerwehr hat drei Standorte: Marktschellenberg, Ettenberg und Scheffau. Aufgrund der Verteilung der Wohnhäuser im weitläufigen Gemeindegebiet sind alle drei wichtig und notwendig.

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»Schließen sollte man keinen der Standorte«, ist Kroha überzeugt. Er erklärte den Gemeinderäten an diesem Punkt, was es mit der »Hilfsfrist« auf sich hat. Diese beträgt in Bayern zehn Minuten. Die Zeit läuft ab dem Moment, wenn der Mitarbeiter in der Leitstelle bei der Alarmierung den Hörer abnimmt. Von da an sollte es nicht länger als zehn Minuten dauern, bis die Feuerwehr am Einsatzort ankommt. Dies sei dank der gut verteilten Standorte gegeben.

Insgesamt engagieren sich 60 aktive Mitglieder in der Wehr. Laut dem Experten dürften es gerne mehr sein – besonders benötigt werden mehr Kräfte, die im Ort arbeiten. »Man könnte Mitglieder in der Gemeinde rekrutieren. Es müssen aber nicht immer Mitarbeiter des Bauhofs sein. Genauso könnte es jemand aus dem Kindergarten oder der Verwaltung sein«, gab Kroha zu bedenken. Außerdem benötige man mehr Atemschutzgeräteträger. Denn nur wenige der insgesamt 60 Mitglieder seien bei einer Alarmierung auch greifbar, da viele außerhalb arbeiten. Gemeinderätin Sophia Stanggaßinger (CSU-SPD) regte später hierzu an: »Die Gemeinde sollte diejenigen anschreiben, die in Marktschellenberg arbeiten und in anderen Feuerwehren aktiv sind.«

Bei der Ausarbeitung des Soll-Konzepts nahm das Planungsbüro eine Bewertung der drei Feuerwehrhäuser vor. Das Fazit: ernüchternd. In Marktschellenberg selbst herrscht demnach »Handlungsbedarf«, in Ettenberg und Scheffau sogar »dringend«. Das größte Manko im Haupthaus an der B 305 sei eine fehlende Abgasabsauganlage. In Ettenberg gebe es nicht einmal eine Heizung, so Robert Kroha. »Außerdem gibt es keine richtige Umkleide. Die Uniformen hängen in der Garage an Haken.« Weil kein Platz ist, muss zuerst das Fahrzeug herausgefahren werden, damit sich die Einsatzkräfte umziehen können. Nach dem Einsatz können sie sich nicht die Hände waschen, weil es in der Halle kein Waschbecken gibt, fuhr Kroha fort. Aus diesen Gründen habe der Neubau des Standortes Ettenberg die größte Priorität. »Das ist derzeit alles andere als modern«, fügte der Experte noch an.

Die Halle in Scheffau sei ebenso schlicht zu klein. Die Abstände sind zudem ein Problem. Was die Fahrzeuge betrifft, so steht in absehbarer Zeit eine Ersatzanschaffung an, da das Löschfahrzeug »LF 8« schon 29 Jahre alt ist. Kroha riet, man solle sich bei der Ausschreibung mit anderen Gemeinden zusammentun.

2. Bürgermeister Volkhard Geiger (FWG) erinnerte daran, dass die Abgasabsauganlage heuer noch installiert werden soll. »Der Neubau in Ettenberg wird sich nicht umgehen lassen«, merkte er noch an.

Was geht oder nicht, entscheidet der Gemeinderat

Peter Hüttinger (FWG) erkundigte sich, ob Marktschellenberg mit dem Feuerwehrbedarfsplan spät dran ist, im Vergleich mit anderen Gemeinden. Robert Kroha entgegnete, auf Bayern bezogen sei man weit vorne. Seine Aufgabe sei es, zu sagen, wo es klemmt, und die Gemeinde müsse laut Gesetz im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit reagieren. »Was geht oder nicht, muss der Gemeinderat entscheiden«, so der Experte. Damit bezog er sich auf die Ausgaben, die auf die Gemeinde zukommen, sollte alles auf den neuesten Stand gebracht werden.

Nikolaus Rußegger (LWG-Grüne) mahnte, man solle im Rahmen der Leistungsfähigkeit bleiben. Er verglich die Situation mit Berchtesgaden: Diese Gemeinde habe auch drei Feuerwehrstandorte, sei aber wirtschaftlich stärker. »Es ist ein Wahnsinn, dass wir das alles stemmen müssen«, gab Rußegger zu bedenken. Er fragte den Experten, ob es keine Lösung für finanzschwache Gemeinden gebe. »Naja, dann müssten alle Einwohner runterziehen«, antwortete Kroha und zeigte auf der Karte, die an die Wand projiziert wurde, auf das Feuerwehrhaus an der B 305. Dann könnte man nämlich die anderen Standorte schließen, sagte er im Scherz. Der Experte fügte hinzu, die Tatsache, dass ein Feuerwehrhaus geheizt werde, sei keine Luxusanforderung.

»Große Brocken werden wir angehen«

Laut erstem Bürgermeister Franz Halmich (FWG) sei am wichtigsten, das alte Fahrzeug zu ersetzen. Dieser Punkt solle in ein bis zwei Jahren, eventuell 2020, in den Haushaltsplan aufgenommen werden. Spätestens bei der Neubeschaffung müsse auch ein Neubau in Angriff genommen werden. Im Rahmen des Feuerwehrbedarfsplans, so Halmich, wurde auch die Löschwasserberechnung vorgenommen. »Dies war wichtig, um zu erfahren: Wie viel Löschwasser steht uns zur Verfügung?« Die Gemeinde habe jetzt ihre Punkte aufgesetzt bekommen. »Und große Brocken werden wir angehen.«

Gemeinderat Clemens Wagner (CSU-SPD) sieht nun die Gemeinde in der Pflicht. Die Hausaufgabe sei, alle genauen Maßnahmen, die im Feuerwehrbedarfsplan gefordert werden, zu benennen und die Kosten aufzuschlüsseln. Volkhard Geiger riet abschließend, das Löschfahrzeug schon 2019 in den Haushaltsplan mit aufzunehmen. Abschließend gab der Gemeinderat einstimmig der Umsetzung des Feuerwehrbedarfsplans grünes Licht. Annabelle Voss