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Drogen gegen Parfüm eingetauscht

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Berchtesgaden/Laufen – Beim Edeka-Markt in Bischofswiesen schob der Schlosser aus Burgkirchen unbemerkt einen ganzen Einkaufswagen voller Spirituosen zur Tür hinaus. Im Müller-Markt in Berchtesgaden hatte er kurz darauf weniger Glück. Auf frischer Tat ertappt, konnte er zunächst fliehen, ehe ihn die Polizei bei einer Straßensperre in Bad Reichenhall festnahm. Weil er Geld für Drogen brauchte, hatte sich der in der Russischen Föderation geborene Schlosser zusammen mit seinem Bruder auf Diebestour gemacht. Das Schöffengericht am Laufener Amtsgericht verurteilte den vielfach vorbestraften Mann zu zwei Jahren Haft. Sein Bruder, gegen den zunächst nicht ermittelt worden war, war nicht vor Gericht erschienen, worauf Staatsanwältin Ulrike Hackler Haftbefehl beantragte.


Eigentlich war der 29-Jährige schon weg von den Drogen. Beziehungsprobleme ließen ihn vor einem halben Jahr rückfällig werden. Das Angebot eines Dealers, Schnaps und Parfüm gegen Heroin einzutauschen, war ihm verlockend erschienen. Und so machte er sich zusammen mit seinem Bruder am 1. Dezember 2012 auf den Weg von seinem Wohnort Burgkirchen ins rund 80 Kilometer entfernte Berchtesgaden.

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Den Edeka-Markt in Bischofswiesen konnte er unbemerkt mit Waren im Wert von 708 Euro wieder über den Eingangsbereich verlassen. Im Drogeriemarkt im Zentrum Berchtesgadens war eine 46-jährige Verkäuferin auf die beiden Männer aufmerksam geworden. »Beide hatten gefüllte Tüten in der Hand«, erinnerte sich die Angestellte im Zeugenstand, »Mir war klar: Da passt was nicht.«

Auf ihre Frage »Kann ich Ihnen helfen«, war sie zur Seite geschoben worden. Beide Männer flohen mit Parfüms im Wert von knapp 600 Euro. Die Geschäftsleiterin an der Kasse hatte die Sache mitbekommen. »Net scho wieda«, habe sie spontan reagiert und war dem Angeklagten hinterhergerannt. »Ich habe geschrien wie wahnsinnig«, erzählte sie vor Gericht, »i war so narrisch.«

Tatsächlich wollte ihr ein 45-jähriger Schönauer zu Hilfe kommen. »Ich bin ihm nach, wohl aber auf dem Straßensplitt ausgerutscht und gestürzt«, berichtete er. Die 29-jährige Geschäftsleiterin aber gab nicht auf, konnte den Täter sogar noch an der Kapuze festhalten, ehe er sich ihrer Verfolgung endgültig entzog. Nach einer Alarmfahndung war er kurz darauf festgenommen worden und saß seither in Untersuchungshaft.

»Das ist wirklich ein Wahnsinn«, kommentierte Richter Thomas Hippler nicht nur diese Geschichte, »es vergeht kein Monat, ohne einen solchen Drogerie-Diebstahl.« Nicht selten seien alle drei Filialen der Kette im Landkreis Berchtesgadener Land hintereinander betroffen.

Der 29-jährige Angeklagte, der seit seinem 13. Lebensjahr in Deutschland lebt, ist kein unbeschriebenes Blatt. Elf Einträge finden sich im Bundeszentralregister. Von Körperverletzung bis zu Diebstahl, von Unterschlagung bis hin zu einer Reihe von Betäubungsmitteldelikten. Etliche Bewährungen waren in der Vergangenheit widerrufen worden und auch bei dieser Tat stand er unter offener Bewährung. Wenige Stunden zuvor hatte sich der Mann noch eine Mischung aus Heroin und Morphium gespritzt. Diese Rauschgift-Abhängigkeit wollte Staatsanwältin Ulrike Hackler denn auch strafmildernd werten, ebenso sein Geständnis. Drei Jahre Haft schienen ihr angemessen.

»Der Sachverhalt hat sich nicht zu hundert Prozent so bestätigt, wie in der Anklageschrift ausgeführt«, erklärte Rechtsanwalt Karl-Heinz Merkl. Insbesondere die »vorsätzliche Körperverletzung« sei tatsächlich wesentlich harmloser zu gewichten. Weil die Waren allesamt wieder zurückgegeben worden waren, sei auch kein wirtschaftlicher Schaden entstanden. Der Verteidiger bat um eine Strafe nicht über 15 Monate und um die Möglichkeit einer Drogentherapie während dieser Zeit.

Das Schöffengericht entschied auf zwei Jahre Freiheitsstrafe wegen Diebstahls und fahrlässiger Körperverletzung. »Ein typischer Fall von Beschaffungskriminalität«, kommentierte Richter Hippler, »insbesondere die Tat im Edeka-Markt war wirklich dreist.« Die Zurückstellung des Strafvollzugs zugunsten einer Therapie sei seine wirklich letzte Chance, warnte Thomas Hippler den Mann. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.