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Dschungel-König Tarzan feiert 100. Geburtstag

New York (dpa) - Die Geschichte vom König des Dschungels entstand aus purer Geldnot. «Als ich angefangen habe zu schreiben, war ich 35 Jahre alt und hatte bei jeder Unternehmung versagt», erzählte der Schriftsteller Edgar Rice Burroughs einmal in einem Interview.

Tarzan
Lex Barker ist Tarzan. Foto: dpa Foto: dpa

Viele Geschichten, die er in Zeitschriften las, fand er schlecht: «Wenn die Menschen für so etwas Mieses bezahlt wurden, dann konnte ich genauso eine miese Geschichte schreiben.» Abends, nach seinem Verkäufer-Job, kritzelte Burroughs auf altes Briefpapier und andere Schnipsel. «Ich dachte nicht, dass es eine besonders gute Geschichte geworden war, und bezweifelte, dass sie sich verkaufen würde.» Aber Burroughs irrte sich: Die vor 100 Jahren zum ersten Mal erschienene Erzählung «Tarzan bei den Affen» wurde zum millionenfach verkauften Weltbestseller.

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Zunächst erschien die Geschichte des Waisenkinds, das von Affen großgezogen und dann zum König des Dschungels wird, 1912 in einer amerikanischen Zeitschrift. Zwei Jahre später folgte eine Buchausgabe und schließlich dutzende Fortsetzungen, die alle in zahlreiche Sprachen übersetzt und überall auf der Welt zu Bestsellern wurden. Für den ersten Text hatte der 1875 geborene Burroughs einen Scheck über 700 Dollar bekommen, aber bald schon gründete er seinen eigene Verlag und erfand neben anderen auch immer neue Geschichten über den Muskelprotz im Lendenschurz.

Tarzan, dessen richtiger Name John Clayton III., Lord Greystoke lautet, ist der Sohn eines englischen Adelspaars. Nach einer Meuterei auf einem Schiff werden die beiden mit ihrem Kind an der afrikanischen Küste ausgesetzt und kommen bald ums Leben. Das Baby wird von einer Gruppe Affen aufgezogen - um welche Spezies es sich handelt, klärt Burroughs nie auf. Sie geben ihm seinen Namen, der in der vom Autor ausgedachten Affensprache «Weiße Haut» heißt. Tarzan lernt klettern, schwingt von Liane zu Liane, schläft auf Bäumen, ernährt sich von rohem Fleisch und läuft nur mit einem Lendenschurz bekleidet und mit einem Messer bewaffnet herum.

Schließlich trifft er zufällig Jane, die Tochter eines Wissenschaftlers, und verliebt sich in sie. Gemeinsam gehen sie zurück in die Zivilisation, doch Tarzan wird sich dort nie wohlfühlen und immer wieder in den Dschungel zurückkehren. Die Bücher seien selbstverständlich keine große Literatur, schrieb der jüngst gestorbene US-Schriftsteller Gore Vidal einmal. «Tarzan wird immer auf den Kopf gehauen und gefangen genommen, er befreit sich immer, es gibt immer eine schöne Prinzessin, die ihn liebt und ihm hilft und einen loyalen Freund. Aber egal wie schwierig das Abenteuer ist: Tarzan gewinnt mit Lendenschurz und Messer gegen alle Widrigkeiten und kehrt am Ende zu seiner Frau zurück.»

Aber trotzdem, so schreibt Vidal weiter, auch er sei natürlich ein großer Fan von Burroughs, diesem «Meister der amerikanischen Tagträumer». Allerdings sei Tarzan, der so viel reduzierter als alle anderen Superhelden daherkommt, wohl vor allem etwas für Männer. «Es gibt fast keinen amerikanischen Mann in meiner Generation, der nicht irgendwann einmal den Siegesschrei des großen Affen nachgemacht oder seine Hände wie er auf die Brust geschlagen hat. Und sicher sind in den Gärten unseres Landes tausende Arme und Beine gebrochen worden bei Versuchen, von Baum zu Baum zu schwingen.»

Erfolgreiche Tarzan-Verfilmungen mit Hollywood-Stars wie Johnny Weissmüller und Lex Barker, sowie Comics und Musicals tragen zur Zementierung des Mythos bei. Die vom Original leicht abgewandelte Begrüßung der beiden Protagonisten - «Ich Tarzan - du Jane» - wird zum geflügelten Wort.

Burroughs bekam von all dem nicht mehr viel mit. Er starb 1950 mit 74 Jahren und wurde auf einem Stück Land in Kalifornien beerdigt, das er gekauft und nach seinem größten Helden benannt hatte: Tarzana, heute eine Gemeinde mit rund 30 000 Einwohnern. Afrika, die Heimat seines Dschungel-Helden, hatte Burroughs in seinem Leben nie gesehen. «Die meisten der Geschichten, die ich geschrieben habe, sind diejenigen, die ich mir selbst vor dem Einschlafen erzählt habe», bekannte er einmal.