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»Du zeigst uns den Weg in neues Land«

Durch ein Spalier seiner Ministranten kehrte Pfarrer Peter Demmelmair in die Sakristei zurück. Fotos: Andreas Pfnür
Die Gerer Blasmusik führte den Kirchenzug vom Pfarrhaus zur Stiftskirche an.
Dicht gedrängt waren im Altarraum die Ministranten und Fahnenabordnungen.

Berchtesgaden – »Ihr macht es falsch, ihr kommt wegen mir«, »rügte« Pfarrer Peter Demmelmair anfangs die Gläubigen, die in so großen Scharen zu seinem Abschiedsgottesdienst geströmt waren, dass viele von ihnen in der Stiftskirche nur einen Stehplatz bekommen hatten. Demmelmair: »Ihr sollt wegen Jesus Christus kommen!« Zuvor war er unter den wuchtigen Böllerschüssen der Markterer Schützen am Ende eines von der Gerer Musikkapelle angeführten Kirchenzuges vom Pfarrhaus zur Stiftskirche gezogen, begleitet von zahlreichen Fahnenabordnungen von Weihnachtsschützen, Trachtenvereinen, Zünften, Kolpingsfamilie und Frauenbund, die im Chorraum Aufstellung nahmen.


Demmelmair erinnerte in seiner Begrüßung an seinen ersten Gottesdienst in Berchtesgaden am 17. März 1996 in der damals ungeheizten Pfarrkirche, als er den Rat eines alten Priesters befolgen musste: »Kurze Predigt und lange Unterhose.« Heute, am vermutlich heißesten Tag des Jahres, seien die Verhältnisse ganz andere. Der Pfarrer begrüßte alle Kirchenbesucher, die trotz der enormen Hitze gekommen waren, besonders aber Schwester Lambertis und die Priester, die mit ihm den Gottesdienst feierten: Pfarrer Manfred Brandlmeier aus München-Hasenbergl (ehemaliger Kaplan), Pfarrer Franz Sturm von der Au, Pater Benno und Pater Kajetan vom Franziskanerkloster, Pfarrer i. R. Kaspar Städele (ehemaliger Pfarrer in Unterstein), Kaplan Stefan Leitenbacher, Pfarrer Bernhard Bielasik von Bischofswiesen, Stadtpfarrer Eugen Strasser-Langenfeld von Bad Reichenhall, Pfarrer Josef Koller von Piding, Pfarrer Josef Neumann vom Altenheim Felicitas sowie die Diakone Bernhard Hennecke und Karl Bodinger und den künftigen Diakon Michael König von der Au. Besonders freute er sich, dass neben seinem evangelischen Mitbruder und Namensbruder Peter Schulz auch dessen langjährige Vorgängerin, Pfarrerin Lieselotte Lindner, gekommen war. Aus Geretsried war Pfarrer Georg März angereist, der vor Jahren sein Pastoralpraktikum in St. Andreas gemacht hatte.

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»Jesus Christus, du zeigst uns den Weg in neues Land«, lauten die ersten Worte des Kyrie, das der Dekanatschor anstimmte. Der Chor, der sich aus verschiedenen Kirchenchören des Dekanats zusammensetzt, sang unter der Leitung von Dekanatsmusikpfleger Reinhard Seidl die Messe »Ins Neuland« von Pater Norbert Maria Becker. Die moderne Messe nach Hosea 10,12 (»Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen«) dreht sich um Begriffe wie Zuversicht, Aufbruch und Neubeginn.

Für seine Abschiedspredigt hatte sich Pfarrer Peter Demmelmair eine Geschichte des geistlichen Schriftstellers Henri Nouwen ausgewählt, der eine große Leidenschaft für Trapezkünstler hatte und einmal mit dem Leiter einer Trapezgruppe ein Gespräch führte. Der Artist sagte: »Wenn ich springe, muss ich absolutes Vertrauen zum Fänger haben. Nicht der Springer ist - wie die meisten Zuschauer glauben - der Star, sondern der Fänger.« Auf Nouwens Frage, wie das gelingt, antwortete der Trapezkünstler: »Das Geheimnis besteht darin, dass der Springer nichts tut und der Fänger alles. Das Schlimmste, was ein Springer tun kann, ist zu versuchen, den Fänger zu erhaschen. Ein Springer muss fliegen, und ein Fänger muss fangen, und ein Springer muss mit ausgestreckten Armen darauf vertrauen, dass sein Fänger da sein wird.«

Dieses Bild vom Springer und Fänger sei ein großartiges Bild für Vertrauen, für Gottvertrauen. »Und dieses Vertrauen wollte ich in den vergangenen 17 Jahren als Pfarrer in Berchtesgaden vermitteln: Wir alle sind geborgen in der Liebe Gottes.« Abschließend zitierte Peter Demmelmair eine Sentenz des römischen Dichters Terenz, die auch auf sein Priesterleben zutreffe: »Ich bin ein Mensch und nichts Menschliches ist mir fremd.« An die zahlreichen Gläubigen appellierte er: »Es geht nicht um den Einzelnen, es geht immer um das Volk Gottes.«

Am Ende des feierlichen Gottesdienstes ergriff der stellvertretende Dekan, Pfarrer Josef Koller, das Wort und zitierte Augustinus: »Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ.« So sei Peter Demmelmair ein Dekan gewesen, in erster Linie aber ein Mitchrist, ein Gleicher unter Gleichen. Er sagte ihm Vergelt's Gott für sein langjähriges Wirken als Dekan und überreichte ihm ein Geschenk. Für die Ministranten bedankten sich anschließend die Oberministranten Andi Angerer, Seppi Hofreiter und Christoph Sommer in launigen Worten für die gemeinsame Zeit. Mit einem kräftigen, vielstimmigen Te Deum endete der beeindruckende Festgottesdienst. Andreas Pfnür