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»Durch den Wald laufen jetzt andere«

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Er will seinen jungen Sportlern auch beim Schießen den richtigen Weg weisen: Andi Stitzl, der jetzt als Trainer am Stützpunkt aktiv ist. (Foto: Wukits)

»Durch den Wald laufen jetzt andere«, antwortet Andi Stitzl auf die Frage, ob er auch in diesem Winter bei Biathlonwettkämpfen an der Strecke laut anfeuernd neben seinen Sportlern herlaufen wird. Der 44-Jährige hat sich nach den Olympischen Spielen in Südkorea als Disziplintrainer der deutschen Biathlon-Nationalmannschaft freiwillig zurückgezogen. Unter anderem, weil er seinen Trainerschein in Köln machen möchte und wieder mehr Zeit für seine Familie haben will.


Dem Biathlon bleibt er als Trainer aber weiter erhalten. Er wird am Stützpunkt Ruhpolding eine Gruppe von zehn Jugendlichen zwischen 17 und 20 Jahren betreuen, die überwiegend im Deutschlandpokal zum Einsatz kommen. »Denen kann ich meine Erfahrungen aus dem Weltcup weitergeben.«

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Rückzug aus dem Weltcup war länger geplant

Seinen Rückzug aus dem Weltcup hatte Stitzl schon länger geplant. »Das erfordert viel Zeit und bedeutet auch eine psychische Belastung. Auf diesem Niveau bist du zum Erfolg verpflichtet«, beschreibt er den Job. Besonders freut es ihn, dass er seine Tätigkeit bei den Herren ziemlich erfolgreich beenden konnte. Immerhin waren es für Stitzl die ersten Olympischen Spiele als Trainer – als aktiver Sportler hatte er nie daran teilgenommen.

Jetzt mit den jungen Sportlern zu arbeiten ist für den ehemaligen Biathleten und Langläufer eine ganz neue Erfahrung. »Ich habe zwar schon mit jungen Sportlern gearbeitet, war aber jetzt acht Jahre bei den Senioren. In dieser Zeit hat sich einiges im Trainingsbereich geändert. Es ist ein großer Unterschied, ob du mit erfahrenen und erfolgreichen Athleten arbeitest oder mit jüngeren Sportlern zu tun hast«, sagt er. Stück für Stück will er ihnen die Geheimnisse und Feinheiten des Biathlonsports beibringen.

»Sie sollen dabei keine Reizüberflutung haben, ich muss ihnen aber auch vermitteln, dass wir hier kein Wohlfühlbecken haben. Ich will mit den jungen Sportlern was bewegen. Besonders in diesem Bereich haben wir Nachholbedarf. Wir können es uns nicht leisten, uns auf den Erfolgen auszuruhen«, betont er. Bis zu den nächsten Olympischen Spielen 2022 in Peking besteht seine Aufgabe darin, stabile Sportler auszubilden. »Im Biathlon gibt es nur einen Weg – und der heißt Weltspitze. Das müssen wir konsequent durchziehen, anders geht es nicht. Leider schaffen es nur ganz wenige.«

Für die jungen Sportler geht es darum, perfektes, technisch feines Laufen in der Loipe und sauberes Arbeiten am Schießstand zu lernen. »Biathlon ist eine sehr kompakte Angelegenheit, die Leistungsdichte im Spitzenbereich ist knallhart. Deswegen ist die Dosierung zwischen Belastung und Erholung wichtig.«

Meistens sind die Nachwuchssportler gerade mit ihrer Schule fertig und wachsen in den Profibereich. Andi Stitzl macht den jungen Skijägern aber auch Mut. In seiner Zeit als Aktiver sei es durch die große Leistungsdichte im deutschen Biathlon sehr schwer gewesen, den Sprung in den A-Kader zu schaffen. Aktuell würden sich sowohl bei den Damen und Herren einige Chancen auftun. Einige Spitzenleute sind verletzt, andere werden möglicherweise ihre Karriere in den kommenden Jahren beenden.

»Das muss ihnen den inneren Antrieb geben, mit ihrer Ernährung und ihrem Lebensstil dieses Ziel zu erreichen. Die Athleten sind in letzter Konsequenz für ihre Karriere selbst verantwortlich. Wir Trainer können nur Hilfestellung geben«, beschreibt es Stitzl.

Praktikum beim FC Bayern München

Im Oktober hat er die Ausbildung an der Trainerakademie in Köln begonnen. In diesem Rahmen wird er auch einige Praktika bei anderen Sportarten bestreiten. Erste Kontakte hat er bereits zum FC Bayern München geknüpft. Über den ehemaligen Nachwuchschef des Rekordmeisters, Werner Kern, kam die Verbindung zum neuen Nachwuchs-Campus der Bayern und zu Hermann Gerland. Dort konnte er bereits einige Einheiten mit den Kickern der U 9 bis U 15 mitmachen. Auch mit dem Trainer der U 17, Miro Klose hatte er bereits Kontakt.

»Ich habe die Möglichkeit, auch einmal ein Spiel zu begleiten und Erfahrung zu sammeln. Zum Beispiel wie ein Trainer von der Seitenlinie aus auf die Partie einwirkt«, verrät Stitzl, der selber als Fußballer beim TSV Bergen aktiv war. Geplant ist auch ein Abstecher zum Eishockey – und zwar zu den »Jungadlern« nach Mannheim. »Da kann ich mir einiges an Härte abschauen, vielleicht ist da einiges im Biathlon umzusetzen.«

Andi Stitzl hat also einiges vor. In den nächsten drei bis vier Jahren will er dem Nachwuchs treu bleiben, gibt aber auch zu: »Wenn ich irgendwann in den Spitzenbereich zurückkomme, will ich auch eine führende Position im Weltcup haben.«

Mit einem Trainerjob im Ausland spekuliert er aber nicht. »Ich weiß, wo ich hingehöre. Ich bin stolz darauf, mit deutschen Sportlern zu trainieren. Dazu habe ich durch die Sportfördergruppe der Bundeswehr in Strub alle Möglichkeiten«, sagt er.

Die Trainingsgruppe von Andi Stitzl bilden: Raphael Lankes, Christoph Müller, Alexandra Bernhart, Lucas Lechner, Jessica Lange, Bernhard Schmid (alle SC Ruhpolding), Franziska Pfnür (SK Ramsau), Lisa Spark (SC Traunstein), Andrea Schwarz (SC Peiting), Florian Arsan (SC Vachendorf). SHu