»DURCH|BRECHEN« für Harfe und Perkussion

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Die Uraufführung in Salzburg mit dem Harfenisten Johann Niedermaier, der an der Musikschule in Inzell unterrichtet, war im Live-Stream zu verfolgen. (Foto: Janoschka)

Das Stück »DURCH|BRECHEN« – in dieser Schreibweise mit dem symbolisch-senkrechten Trennstrich in der Mitte – für Harfe und Schlagwerk (ein Spieler) komponierte der Flötist und Komponist Patrick Pföß, Vorsitzender der ARTS-Kulturfördervereinigung Traunstein, der auch an der Inzeller Cajetan Adlgasser Musikschule unterrichtet, im Jahr 2020.

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Ende März diesen Jahres wurde es nun von dem Harfenisten Johann Niedermaier im Solitär des Salzburger Mozarteums im Rahmen seines Masterkonzerts uraufgeführt. »Das Stück entstand in einer Zeit, in der die Gesellschaft innehielt. Sie wurde immer wieder zur Pause gezwungen. Unsere Lebensweise wurde durchbrochen. Was heute galt, konnte am nächsten Tag überholt sein,« erklärt der Komponist im Gespräch mit unserer Zeitung, nicht ohne zu betonen, dass Pausen auch etwas Positives haben können, und dass ihnen besonders in der Musik eine besondere Bedeutung zukommt: »Die Qualität und/oder der Ausdruck einer Pause entsteht jedoch aus dem, was vorherging. In Pausen können wir das vorhergegangene Revue passieren lassen, nachsinnen, vergessen, uns auf Neues vorbereiten. Pausen können aber auch dem Vorausgegangenen Nachdruck verleihen. Dies war entscheidend für den Kompositionsprozess von »DURCH|BRECHEN«.

Der metaphorische Titel des Werks löst auch im Zuhörer ganz unterschiedliche Assoziationen aus: Nicht nur ein Zeitablauf kann durchbrochen werden. Auch Knospen oder Sprossen brechen im Frühling durch, oder in der Krise bricht etwas Positives durch. Wenn etwas durchbricht, entsteht etwas Anderes, Neues. Und diese Bilder ließen sich fortsetzen.

Die aparte Kombination von Harfe und Schlagwerk birgt etliche Möglichkeiten, den Hörer mit einem immer neuen rhythmischen Wechsel zu überraschen, verlangt aber auch dem Musiker die Fähigkeit ab, gleichzeitig etwa Zweier- und Dreier-Rhythmen erklingen zu lassen. Der mit der Uraufführung betraute Johann Niedermaier kostete die pausentechnisch-rhythmischen Herausforderungen professionell aus und lauschte den Klängen bewusst nach.

In seiner Komposition berücksichtigte Pföß die instrumentalen Gegebenheiten der Harfe, die mit ihren sieben Pedalen formgebend für die Komposition war: Es entstanden sieben Teile mit sieben grundlegenden Spieltechniken, wobei der erste Teil die Großformel enthält, aus der alles Weitere entstand und abgeleitet wurde, so Pföß.

Pause bedeutet bei Pföß nicht nur Pause, sondern er unterscheidet zwischen vier verschiedenen Bezeichnungen dafür, die auch unterschiedliche Botschaften vermitteln. So symbolisiert die eine, oft durch eine Fermate gekennzeichnete Pause (Aposiopesis) häufig Tod, Verlust oder Ewigkeit, eine andere (Ellipsis) einen unerwarteten Übergang, während die Suspensio den musikalischen Ablauf stoppt, um damit dessen Bedeutung zu betonen und die Dubitatio als Pause Unsicherheit und Zweifel ausdrückt.

Vier gleichmäßige Schläge am Schluss führen Musiker und Zuhörer zurück in die, nach dem »DURCH|BRECHEN« neu entstandene Normalität. Die Uraufführung ist unter dem Link https://youtu.be/o5qag-NspV8 auf YouTube zu sehen. Brigitte Janoschka

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