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Durchhalteparolen in Nürnberg - »Aufgeben wäre fatal«

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Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader gibt noch nicht auf. Foto: David Ebener Foto: dpa

Mainz (dpa) - Nürnbergs neuer Cheftrainer Roger Prinzen versuchte die kollektive Tristesse auszublenden. Rekord-Absteiger, Fahrstuhl-Club - alle gängigen Synonyme wurden nach dem 0:2 (0:2) beim Europa-League-Anwärter FSV Mainz 05 wieder bemüht.


Tatsächlich machen es die Daten und Taten der vergangenen Wochen schwer, zwei Spieltage vor dem Saisonende in der Fußball-Bundesliga an eine erfolgreiche Rettungsmission des fränkischen Traditionsclubs zu glauben. Der achte Absturz in die Zweitklassigkeit ist nach der neunten Pleite in den vergangenen zehn Spielen wieder ein Stück wahrscheinlicher geworden. Ziel ist für den Tabellen-17. nur noch der Relegationsplatz. »Die theoretische Chance ist noch da«, sagte Sportvorstand Martin Bader. »Aufgeben wäre fatal.«

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Nach der geballten Harmlosigkeit in Mainz stellte Prinzen die Charakterfrage und richtete seinen Fokus bereits auf das nächste Heimspiel am Samstag gegen Hannover 96. »Die Motivation muss von den Spielern kommen, für den Club alles zu geben und zu sagen: In dem Spiel gegen Hannover werde ich alles reinschmeißen und das Herz in die Hand nehmen«, erklärte Prinzen. »Wir müssen einfach sehen, dass wir im letzten Heimspiel gegen Hannover irgendwie wieder in die Erfolgsspur zurückkommen. Eine kleine Chance haben wir noch«, sagte Kapitän Raphael Schäfer. Überzeugend hörte sich das nicht an.

Eigentlich sollte Prinzen als Nachfolger des geschassten Niederländers Gertjan Verbeek den »Bremsfallschirm« (Bader) öffnen. Es blieb beim Versuch, Prinzen und sein Co-Trainer, FCN-Idol Marek Mintal, scheiterten im ersten Spiel des dreiteiligen Großauftrags. Die Niederlagenserie ging weiter, Nürnberg verlor das fünfte Spiel in Serie und blieb mit 26 Punkten auf dem vorletzten Platz hängen, hat aber weiter nur einen Punkt Rückstand auf den HSV, der nach seiner 1:3-Niederlage beim FC Augsburg weiter auf Platz 16 liegt.

»Es war klar, dass Prinzen kein Wundertrainer ist, der nur mit den Fingern schnippt und wir gewinnen dann in Mainz«, betonte Schäfer. Immerhin, so der Keeper, habe die Mannschaft sich wieder viel mehr gegenseitig geholfen. Club-Torjäger Josip Drmic bezeichnete den Trainerwechsel sogar als Fehler. »Ich bin enttäuscht, dass Verbeek gehen musste. Er ist ein hervorragender Trainer, der mich weiter gebracht hat«, gab der Schweizer zu.

In diesem Spannungsfeld muss Prinzen jetzt den Psychologen spielen und an der mentalen Stärke seiner Spieler arbeiten. Seit seiner Beförderung ließ er Standards trainieren - gegen die Mainzer führte trotzdem zwei Situationen nach ruhenden Bällen zu den entscheidenden Toren durch Shinji Okazaki (30. Minute) und Christoph Moritz (44.). Für die Nürnberger waren es schon die Gegentreffer 19 und 20 bei Standardsituationen. »Man hat gespürt, dass die Mannschaft registriert, wieder einen Rückschlag erhalten zu haben«, offenbarte Prinzen.

Schäfer räumte sogar fehlende Qualität ein. »Die Mannschaft gibt alles, sie kämpft und rackert, aber in den entscheidenden Situationen macht sie dann einfach Fehler«, sagte der Routinier. »Aber wir stehen am 32. Spieltag ja auch nicht umsonst auf dem vorletzten Tabellenplatz.« Der »Club« hat die zweitschwächste Defensive und Offensive der Liga. »Wir dürfen jetzt den Kopf nicht hängen lassen und müssen das Glück erzwingen«, forderte Mike Frantz. »Wenn ich nicht mehr an den Klassenerhalt glauben würde, könnten wir den Laden zusperren.«

Mit solchen Sorgen hat Mainz 05 nichts zu tun. Dank des dritten Heimsiegs in Serie ohne Gegentor untermauerte das Team von Thomas Tuchel seine Ambitionen auf eine Qualifikation für die Europa League. Der Trainer war »wahnsinnig glücklich« mit den Leistungen. »Es war ein tolles Wechselspiel zwischen Mannschaft und Fans. Was meine Spieler seit Wochen leisten, auch im Training, ist außergewöhnlich. Ich kann das sehr genießen«, meinte der 40-Jährige. Mit 50 Punkten sind die internen Ziele erreicht, der siebte Platz ist so gut wie sicher. »Wir würden auch nicht Nein sagen, wenn die Mannschaft Sechster wird«, sagte Präsident Harald Strutz.