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Dutzende Feuerwehren ließen ihre Kameraden aus Kammer hochleben

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Zum Abschluss der kirchlichen Feier sangen die Teilnehmer gemeinsam die Bayernhymne.

Traunstein – Die Freiwillige Feuerwehr Kammer feierte am heutigen Sonntag mit einem Festgottesdienst unter freiem Himmel und einem großen Festzug ihr 150. Gründungsfest.

Sie ist damit eine der ältesten Feuerwehren in der Region. Das Jubiläum bildete den abschließenden Höhepunkt der gut besuchten Kammerer Festwoche. Jeweils mehr als 500 Besucher waren am Mittwoch zur Zeltparty und am Freitag zur Ü-30-Party gekommen. Die 1650 Eintrittskarten für den Kabarettabend am Samstag mit Martina Schwarzmann waren bereits nach wenigen Tagen ausverkauft.

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Mehr als 70 Vereine feierten mit

Aus allen vier Himmelsrichtungen strömten Feuerwehrler nach Rettenbach. Die Feldmesse hielt Stadtpfarrer Georg Lindl; der anschließende Festzug, an dem mehr als 70 Vereine und sieben Musikkapellen sowie mehrere Festwagen und Kutschen teilnahmen, führte nach Kammer und von dort zurück zum Festzelt nach Rettenbach, wo der Tag in geselliger Runde ausklang. Statt Ehrengaben für die Vereine wird die Feuerwehr eine Spende an die Traunsteiner Hilfsaktion »Die im Dunkeln sieht man nicht« spenden.

Dekan Georg Lindl, der vergangenes Jahr an gleicher Stelle beim Jubiläum des Trachtenvereins wegen des starken Regens auf eine Predigt verzichtet hatte, ging diesmal auf die Ökonomisierung der Gesellschaft ein. Statt sich eines neu errichteten Gebäudes zu erfreuen, denke man über die Kosten nach, und statt in die Kirche zu gehen, um zu beten, frage man sich, was deren Renovierung wohl kosten werde. Kinder werden als Belastung gesehen, Kranke und Alte als Kostenfalle. Das sei der vorherrschende Trend der Zeit. Es gebe aber auch einen Gegentrend, die Aussage: Das ist mir heilig. Das seien Anliegen, für die ich meine Zeit opfere, Menschen, die einem unendlich wertvoll sind. Gerade an diesem Tag, dem Muttertag, werde mancher sich denken, dass ihm seine Mutter heilig sei – im übertragenen Sinne, versteht sich.

»Und was ist Christen heilig?«, fragte der Dekan: Was religiös sei, was man aus Überzeugung tue, auch Kirchen und Kreuze im öffentlichen Raum. »Es ist schwer nachzuvollziehen, wie Bischöfe dagegen sein können«, sagte der Geistliche und aus dem Kreis der Gläubigen gab es für diese Aussage spontanen Beifall. Toleranz heiße nicht, dass alles gleichviel wert sei. »Und was ist Gott heilig?«, fragte Lindl weiter. Das seien der Mensch und das Leben. Die Feuerwehrler, die an diesem Tag aus dem ganzen Landkreis und aus angrenzenden Regionen gekommen waren, würden aus dieser Theorie Praxis machen. Eine Gesellschaft könne nur funktionieren, wenn sich Menschen auch für Nutzloses und Schönes einsetzen. Als Beispiele nannte er den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden und den Dienst der Feuerwehren, der dem einzelnen keinen eigenen Gewinn bringe.

Pfarrer Lindl weihte »neues« Fahrzeug

Bei der Festmesse weihte Georg Lindl das Erinnerungsband, das Evi Wimmer an die Fahne der Freiwilligen Feuerwehr Kammer heftete. Außerdem weihte er ein Fahrzeug, das ab sofort in Kammer stationiert sein wird. Es ist ein LF 20, welches das 27 Jahre alte Tanklöschfahrzeug 16/25 ersetzen wird. Nach dem Gottesdienst, der von der Kapelle Boarisch Blech mit der Schubertmesse musikalisch gestaltet wurde, ging Oberbürgermeister Christian Kegel kurz auf die Gründung der Kammerer Wehr ein. Rückblickend auf die an diesem Tag zu Ende gehende Festwoche sagte er, was man hier organisiert habe, zeige, welch große Bedeutung die Vereine für das Ortsleben haben.

Landrat Siegfried Walch sagte, das gesellschaftliche Zusammenleben in den Vereinen gebe Heimat. Heimat brauche aber auch Sicherheit. Dafür habe man in der Polizei hauptamtliche Profis und bei der Feuerwehr und den anderen Rettungsdiensten ehrenamtliche Profis. »Darauf können wir uns verlassen.« Kreisbrandrat Christoph Grundner schloss sich den beiden Gratulanten Kegel und Walch an mit der Feststellung an die Kammerer Feuerwehrleute: »Die Bürger werden euch auch die nächsten 150 Jahre brauchen.«

Stadtwehren kümmerten sich um Absperrung

Der Festzug führte dann nach Kammer, wo beim Gasthaus zur Post der Wendepunkt war. Alle fünf Traunsteiner Feuerwehren hatten Freiwillige gestellt, die sich um die Absperrungen kümmerten. Dafür zeigte sich der Kammerer Kommandant Sebastian Reischl besonders dankbar. Fast eine Stunde dauerte das Defilée der rund 2000  Menschen, die ein kraftvolles Zeugnis für ein intaktes Vereinsleben, für heimisches Brauchtum und den freiwilligen Dienst am Nächsten ablegten. Bei bester Stimmung, ausgezeichneter Bewirtung und zünftiger Musik klang das Jubiläum in gemütlicher Runde im Festzelt aus. -K.O.-