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Kunst zum Freuen und Anfassen – bis Mitte August in der Galerie Bezirk Oberbayern

Ebenholz und Elfenbein

Figuren aus vielen kleinen Teilen, aus Draht und Pflanzenresten gestaltet Verena Friedrich. Manche sehen aus wie Blüten. (Foto: Gärtner)

Seit der Wieder-Eröffnung des renovierten Amtsgebäudes des Bezirks Oberbayern an der Münchner Prinzregentenstraße 14 – direkt gegenüber dem Haus der Kunst – ist auch der Zugang zur ebenerdig liegenden, frei zugänglichen Galerie entschieden einladender.


Und, das wird betont, barrierefrei umgebaut. Was es möglich macht, auch Menschen mit Behinderung zur Kunst zu führen. »Kunst inklusive« heißt die Parole seit nunmehr fünf Jahren. Und zwanzig Jahre lang gibt es – nur wenige wissen es vermutlich – Kunst beim Bezirk Oberbayern zu sehen. »Kunst mit allen Sinnen – Kunst zum Begreifen – Kunst leicht verständlich – Kunst für alle« wird das einzigartige »Inklusive Programm« der Galerie Bezirk Oberbayern umschrieben.

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Da passt der Titel der jüngsten Ausstellung im Punkt »Kunst leicht verständlich« auf den ersten Blick nicht so recht. Oder weiß jeder, was »Ebony & Ivory« heißt? Klingt gut auf Englisch. Wär aber auch auf Deutsch nicht schlecht: Ebenholz und Elfenbein. Was Schwarzes, was Weißes. Der Titel eines bekannten Liedes, das von Frieden und Gemeinsinn erzählt, stand Pate. Passt auch gut für die ausgewählten Werke, an denen man seine helle Freude haben kann. Die Papierkünstlerin Verena Friedrich zeigt filigrane Arbeiten. Flockig und federig sind sie entweder an die Wand komponiert oder hängen, manchmal künstlich beleuchtet, von der Decke des lichten Raums. Sobald ihn ein Windhauch durchzieht, bewegen sich die Vorhang-ähnlichen Gebilde ein wenig, ohne auch nur das leiseste Geräusch zu machen.

Gern wüsste man, welches Papier die Künstlerin benutzt. Auch bei den Drähten und den Relikten aus der Natur rätselt man. Ein bisschen länger als sonst hingeschaut – und man kommt leicht von selber drauf. Dass es sich bei den Pflanzen, die Verena Friedrich für ihre Arbeiten hernimmt, um solche von der Insel Fuerteventura handelt, erfährt man auf Nachfrage. Die Künstlerin liebt die »sehr trockene« Insel und hält sich oft dort auf. Fände sie ihre Ästchen, die sie in kleinen »Büschen« zu einem runden Wand-Gebilde fügte, nicht etwa auch im Ebersberger Forst?

Die Nähe heimischer Gewächse in Gärten, Parks oder Alleen nützt der 1991 in München geborene Marcel Muß für seine handfesten Holz- und Linolschnitte ebenso wie für seine Bleistiftzeichnungen. Er ist Mitglied der Künstlergemeinschaft »atelier hpca« und wurde bereits zweimal mit dem Kunstpreis der Lothar-Späth-Stiftung ausgezeichnet. Muß‘ großformatige Farbabdrucke einer ganzen langen »Bahn« von Linolschnitten – beides eindrucksvoll in der Ausstellung präsentiert – kontrastieren mit den feinen, schwebenden Geweben seiner Partner-Exponentin. In der Wahl ihrer von der Natur angeregten und getragenen Motive treffen sich beide und bilden eine Einheit.

In Begleitveranstaltungen zur Ausstellung »Ebony & Ivory«, die bis 17. August werktags von 8 bis 17 Uhr (freitags nur von 8 bis 13 Uhr) dauert, wird auf die Allgemeinverständlichkeit der gezeigten Objekte und Gestaltungen Wert gelegt. Die Schau, die keinen Eintritt kostet, will Kunst-Raum sein »zum Sehen und Hören, zum Tasten und Fühlen«. So gibt es eigene Tastführungen für Blinde und Sehende. Die Veranstaltungen begleitet zudem eine Gebärdensprach-Dolmetscherin. Anmeldungen und Info-Anfragen sind per E-Mail möglich unter galerie@bezirk-oberbayern.de. Hans Gärtner