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Ganz ohne Helene Fischer

Echo-Verleihung vor Neuanfang

Beginner
Das Hamburger Hip-Hop-Trio Beginner geht mit vier Nominierungen ins Echo-Rennen. Foto: Daniel Bockwoldt Foto: dpa

Berlin (dpa) - Ein Helene-Fischer-Abend wird die Echo-Verleihung in diesem Jahr nicht. Deutschlands Schlagerkönigin - gefühlte Daueranwärterin auf den Musikpreis - ist nicht nominiert.

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Und auch sonst soll einiges anders werden, wenn sich die Branche am Donnerstag zu ihrem Gipfeltreffen in Berlin versammelt. Die Echo-Macher proben den Neuanfang.

Neue Regeln, neuer Sender, stärkere Jury: Die Verleihung soll straffer werden, die Juroren sollen mehr Stimmgewicht bekommen. Moderieren werden die Sänger Sasha und Xavier Naidoo. Und nicht mehr das Erste, sondern der Privatsender Vox zeigt die Show - allerdings zeitversetzt um 24 Stunden, am Freitagabend um 20.15 Uhr.

Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), verspricht ein Programm, das «die enorme stilistische Bandbreite der aktuellen Popmusik» widerspiegeln soll. Das Hip-Hop-Trio Beginner geht mit vier Nominierungen als Spitzenreiter ins Rennen. Auftreten sollen unter anderem Udo Lindenberg mit BAP-Sänger Wolfgang Niedecken, die Amerikanerin Beth Ditto von der Indie-Band Gossip, die jetzt solo unterwegs ist, und Die Toten Hosen mit ihrer neuen Single «Unter den Wolken».

Ob diese Auswahl mehr Zuschauer bringt? Nach einem schleichenden Verfall der TV-Quoten hatte der Musikverband im Dezember die Notbremse gezogen und zur 26. Echo-Ausgabe eine Neuausrichtung angekündigt. Das Erste, das die Echo-Verleihung seit 2009 im Programm führte, hatte bald nach der Gala den Ausstieg angekündigt - aus «inhaltlichen Gründen», wie es hieß.

Doch auch die Quote war enttäuschend. Nur noch 3,38 Millionen Menschen schauten zuletzt zu, das entsprach einem Marktanteil von 11,6 Prozent - 1,7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zu anderen Unterhaltungsshows ist das eher verhalten.

Die inhaltliche Kritik lautete: langatmiger Ablauf, zu viele Preise und einige Skandale. Die umstrittenen Deutschrocker von Frei.Wild hatten dem Publikum im vergangenen Jahr den Stinkefinger gezeigt. 2013 war die Band wegen ihres rechtslastigen Images nach Protesten nachträglich von der Nominierungsliste gestrichen worden.

Helene Fischer («Atemlos durch die Nacht») wurde 2016 noch viermal mit dem undotierten Preis ausgezeichnet - in diesem Jahr stand sie zwei Tage vor der Gala nicht einmal auf der Gästeliste. Mit 16 Trophäen ist die Schlagerkönigin Rekordpreisträgerin.

Ein solcher Preisregen für einen Künstler wird in diesem Jahr etwas schwieriger. Für den Echo 2017 wurde die Zahl der Kategorien von 31 auf 22 gekürzt, auch die Auswertungsbasis hat sich geändert. Zwar sind für die Nominierung die Verkaufszahlen entscheidend, die Jury bekommt bei der Preisvergabe aber mehr Gewicht, ihr Votum fließt neben dem kommerziellen Erfolg zu 50 Prozent in das Ergebnis ein. Zu den rund 500 Juroren gehören Journalisten, Händler, Produzenten, ehemalige Preisträger und Nominierte sowie Label-Vertreter.

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