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«Eden»: Amare (Joshua Edoze, M) und sein Bruderleben in einem griechischen Flüchtlingscamp. Foto: Pierre Meursaut/ARTE France/SWR Foto: dpa

Die Flüchtlingskrise ist eines der großen Themen der Gegenwart. Eine neue Miniserie von Arte und ARD greift fünf Schicksale auf - von einer helfenden Familie, über die Betreiberin eines Flüchtlingscamps bis hin zu Wachmännern.


Berlin (dpa) - Ein gut besuchter Badestrand auf einer griechischen Insel: Kinder spielen dort, eine Familie aus Mannheim sitzt auf ihren Decken und schleckt Eis - bis plötzlich ein übervolles Schlauchboot mit Flüchtlingen an Bord auf den Strand zusteuert und die Ferienidylle zerstört.

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Ohne nach links und rechts zu schauen, springen die Insassen an Land und rennen davon.

Mit dieser Szene beginnt die neue sechsteilige Miniserie »Eden«, die vom 2. Mai an auf Arte und vom 8. Mai an im Ersten gezeigt wird. Sie ist Fiktion, basiert aber auf wahren Begebenheiten. Gedreht wurde 20 Tage lang in einem Flüchtlingscamp in Athen, teils mit den dort lebenden Menschen als Protagonisten. Weitere Orte waren Mannheim Paris und Calais. »Eden« als Titel steht den Machern zufolge für das gelobte Land, das nicht erreichbar und trotzdem mit einer ganz konkreten Vorstellung verbunden ist, die nicht zwingend der Realität entspreche.

Die internationale Produktion dreht sich um Facetten der Flüchtlingskrise. Sie schaut hinter die Kulissen und direkt in den Alltag der Menschen, die aus den verschiedensten Gründen mit dem Thema eng verbunden sind. Regisseur Dominik Moll zeigt in den sechs Episoden fünf Schicksale - von der deutschen Urlauberfamilie, die einen Flüchtling aufnimmt, über die Betreiberin eines privaten Flüchtlingscamps, einem geflüchteten Brüderpaar und zwei Wachmännern bis hin zu einem syrischen Lehrer-Arzt-Paar. Hier und da berühren sich die Erzählungsstränge.

Allen ist gemein, dass sie einen schonungslos offenen Blick in den neuen Alltag der Protagonisten wagen. So wird nicht nur die deutsche Familie (Juliane Köhler, Wolfram Koch und Bruno Alexander) vom griechischen Badestrand weiter begleitet, die kurz darauf einen Flüchtling in ihrem Zuhause aufnimmt. Die wirtschaftliche Seite der Flüchtlingskrise wird am Beispiel der engagierten Betreiberin eines privaten Flüchtlingscamps (Sylvie Testud) gezeigt. Sie kämpft gegen ihre aggressive Konkurrenz, für die Flüchtlinge schlicht Teil »eines boomenden Marktes« sind.

Zu den Protagonisten zählt auch ein nigerianisches Brüderpaar, das aus einem Flüchtlingscamp flüchtet, wobei einer der beiden nach einem Handgemenge mit zwei Wachmännern zu Tode kommt. Was das mit den griechischen Sicherheitsleuten macht, ist ein weiterer Strang der Serie. Vom eigenen Handeln in Syrien wird ein Ehepaar eingeholt, das in Paris Fuß fassen will.

»Ich bin total froh, dass ich da mitspielen durfte«, sagte Juliane Köhler der Deutschen Presse-Agentur über ihre Mitarbeit an der Serie. »Der Film beleuchtet das ganze Thema endlich mal von einer anderen Seite, von einer intensiveren. Und nicht nur so plakativ von außen.« Sie sei seitdem auch toleranter geworden.

»Eden« ist eine Serie, die keine große Politik machen will, mit den tiefen Einblicken in den Alltag von Betroffenen und Helfern aber Impulse setzt. »Das Starke an »Eden« ist, dass es eben keine Antworten bringt. Es ist nicht schwarz-weiß, sondern viele Schatten von Grau«, sagte Mitproduzent Jan Krüger. Er hoffe, dass die Serie eine Plattform schaffen könne, um über das Thema weiter zu diskutieren - gerade jetzt vor der Europawahl.

Schade ist, dass - zumindest im deutschen Fernsehen - durch die Synchronisierung der Charme der Internationalität der Serie zum Teil verloren geht. Schon vor der Erstausstrahlung des neuen Serienhighlights auf Arte werden die Folgen in den Mediatheken beider Sender zu sehen sein. Dort sind sie auch in originalsprachlichen Fassung abrufbar.