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Festliches Konzert zwischen den Jahren in Rimstings Pfarrkirche St. Nikolaus

Edler Kontrast von Barock-Juwelen und feiner Volksmusik

Zum Bersten mit erwartungsfrohen Zuhörern gefüllt war die Pfarrkirche St. Nikolaus in Rimsting am Zweiten Weihnachtstag, hatten doch Bert Dirsch und der Geiger Florian Sonnleitner, Konzertmeister beim Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, wie schon seit fast 20 Jahren wieder Preziosen der Barockmusik und unverfälschte Volksmusikstücke zu einem stimmigen und anspruchsvollen Programm zusammengestellt.

Das Kammerorchester beim Brandenburgischen Konzert. (Foto: Kaiser)

Die »hauseigenen« Chiemseer Musikanten mit Zither, Hackbrett, Harfe, Gitarre und Kontrabass und die Stoaberg Sängerinnen aus dem Berchtesgadener Land standen für den volksmusikalischen Anteil gut, hochkarätige Musiker aus bedeutenden Orchestern Deutschlands spielten als »Rimstinger Kammerorchester« und präsentierten sich als begnadete Solisten. Martin Fogt, Moderator beim Sender Bayern Klassik, las heiter-besinnliche Texte.

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Alexander Mangstl an der Konzertharfe intonierte das Lied »Es werd scho glei dumpa«, die Saiteninstrumente schlossen sich an und ließen sich von ruhigen Weisen der Orgel ablösen. »Miass ma nach Bethlehem geh« sangen ganz schlicht und glockenrein, in sympathischer Einfachheit die Stoaberg Sängerinnen. Auch ihr Hirtenlied »Gehts Brüder, stehts vom Schlaf auf« und der dankbar-besinnliche Jahresausklang »Ganz leis und stad vergeht das Jahr« waren sängerische Kostbarkeiten; Rudi Ritter an der Zither war ihr feinfühliger Begleiter.

Mit einer nachdenklichen Air, einer sehr lebendigen, mitreißenden Boureé und einer festlichen Hornpipe aus einer Suite von G. F. Händel stellte sich das Kammerorchester vor. Später im Programm geriet ihm das Brandenburgische Konzert Nr. 3 zum musikantischen Zentrum des Konzerts. Begeistertes und begeisterndes Musizieren der Violinen und Violen, die im Stehen spielten, und der Bassgruppe von drei Celli und Kontrabass klang aus dem Ritornell des 1. Satzes, behutsame Cembalomelodien (Eva Barbarino) leiteten über zum entfesselten Allegro-Schlusssatz – es war faszinierend, wie viel Musikantentum doch in den »altgedienten«, versierten Musikern steckt!

Als »klassisches« Gegenstück zu den Naturstimmen der drei Stoaberger Sängerinnen zeigte die Sopranistin Felicitas Fuchs, dass auch eine perfekt aus gebildete Stimme die Zuhörer unmittelbar ansprechen kann. Ihre souverän geführte Stimme ließ aufhorchen bei Händels Arie »Eternal source of light«, vom Kammerorchester begleitet. Mit Harfenbegleitung machte sie das so oft misshandelte Bach/Gounod-Ave Maria zu einem stimmigen, überzeugend schlichten Werk.

Als Solist an der Harfe präsentierte Alexander Mangstl virtuos und sehr musikantisch den 1. Satz aus Giovanni Battista Viottis Sonate in B-Dur. Martin Vogt, sozusagen ein Solist der Sprechstimme, las Texte von Erich Kästner (»Felix holt Senf« – sehr skurril und doch tiefgründig), von Leo Kammerer (»Der liebe Gott von Rosenheim« mit lustigen Seitenhieben auf das Finanzamt), »Weihnachten 1946« (schon etwas dubios mit dem Onkel in der Blechdose). Als Instrumentalsolist brillierte Peter Wöpke mit dem 1. Satz aus J. Haydns Cellokonzert C-Dur. Er spielte ihn gar nicht fein gebürstet, eher gegen den Strich, lebendig, mit vitalem Interesse am Gestalten.

Die Chiemseer Musikanten beschränkten sich leider auf nur zwei Stücke, das feierliche, doch agile und belebte Menuett KV 364 von W. A. Mozart und, frisch und optimistisch, den »Haunzberg Boarischen«, ein starkes Stück. Damit hatten sie auch den letzten Abschnitt des Konzerts eingeleitet. Weitere Höhepunkte boten danach die Eingangsarie und das abschließende Alleluja aus J. S. Bachs Kantate »Jauchzet Gott in allen Landen« BWV 51 für Pikkolotrompete (Bernhard Holzmann, Oper Nürnberg) und Kammerorchester. Auch die »Rezepte für ein gutes neues Jahr« von Katharina Elisabeth Goethe, der Mutter von J. W. von Goethe, Ludwig Thomas »Neujahr bei Pastors« und die sehr bedenkenswerten »Neujahrswünsche eines Dorfpfarrers in Mecklenburg«, gelesen von Martin Fogt, gehörten dazu.

Trompetenglanz und Hörnerschmelz des Kammerorchesters beendeten mit Händels »Wassermusik«-Suite II den Abend, für den sich die Zuhörer mit brausendem Beifall für die Solisten und die Ensembles bedankten. Engelbert Kaiser