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Wegen der mit Fipronil verseuchten Produkte aus Holland besinnen sich viele Menschen auf regional erzeugte Hühnereier

Eier aus heimischer Erzeugung sind gefragt wie nie zuvor

Grabenstätt – Politiker und Verbraucherschützer versprechen rasche, lücken- und schonungslose Aufklärung im jüngsten Eierskandal. Das ist immer so, wenn die Menschen verunsichert sind, weil Lebensmittel in den Handel kommen, die möglicherweise belastet sind und deshalb zu einem Risiko für ihre Gesundheit werden könnten. Nur eines scheint so sicher wie bei jedem dieser sogenannten Lebensmittelskandale: In ein paar Wochen wird er vergessen sein.

Bernhard Hennes ist der größte Eierproduzent im Chiemgau. Seit auch in heimischen Geschäften Eier aus den Niederlanden entdeckt wurden, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sind, kann er die Nachfrage nach heimischen Eiern kaum noch decken. (Foto: Oberkandler)

Heimischen Eierproduzenten wird er dagegen länger in Erinnerung bleiben, weil er den ganzen Betriebsablauf durcheinandergebracht hat. So jedenfalls sieht es Bernhard Hennes, größter Eierproduzent im Chiemgau. Er ist aus zwei Gründen der Größte: Weil er zum einen das Gardemaß von 1,98 Meter und zum anderen in seinen Ställen Platz für 30 000 Hennen hat.

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»Wir kommen mit dem Ausliefern gar nicht mehr nach«, berichtet er in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Plötzlich wollen alle unsere auf dem Hof in Langenspach erzeugten Eier aus Boden- und Freilandhaltung haben.« Bevor bekannt geworden war, dass belastete Eier aus den Niederlanden auch in bayerischen Supermärkten angeboten wurden, ging das Geschäft bei der Familie Hennes seinen gewohnten und ruhigen Gang: Zweimal die Woche füllten Mitarbeiter die Regale in etwa 80 regionalen Lebensmittelmärkten mit den Langenspacher-Hof-Eiern auf, denn die sollen ja möglichst frisch sein.

»Jetzt kommen täglich mehrere Anrufe, dass das Regal schon wieder leer ist«, berichtet Bernhard Hennes. Das Geschäft boomt also. Hennes lacht: »Glaubst Du, dass unsere Hennen ein einziges Ei mehr legen, nur weil es in Holland einen Skandal gegeben hat und die Chiemgauer sich plötzlich auf die Qualität heimischer Ware besinnen?« Die Engpässe etwas öffnen kann man damit, dass man kleine Eier der Klasse S (unter 53 Gramm) jetzt nicht mehr an die Lebensmittelindustrie verkauft, sondern sie mit der entsprechenden Kennzeichnung im Einzelhandel verkauft.

Damit kann man etwa 20 Prozent mehr Eier anbieten als üblich. Außerdem habe man zufällig gerade das Glück, eine sehr junge Herde Hennen zu haben, die noch überwiegend kleine Eier legt. Außerdem fahre man die Produktion der hofeigenen Eiernudeln zurück, um die höhere Nachfrage heimischer Kunden nach Frischeiern befriedigen zu können.

Muss man denn in den Ställen in Langenspach keine Insektizide einsetzen, um Milben und anderes Ungeziefer niederzuhalten? »Nein«, entgegnet Hennes entrüstet. Wir versprühen Silikatstaub, ein absolut natürliches Mittel. »Das Ungeziefer trocknet ein, wenn es über den Staub läuft.« Ähnlich pfiffig ist die Idee, effektive Mikroorganismen (EM) einzusetzen. Diese »Milieusteuerung«, vor Jahren noch von Kritikern und vor allem der chemischen Industrie belächelt, verwandelt Fäulebakterien in Rottebakterien. Den EM-Arbeitskreis Chiemgau gibt es schon seit fast 20 Jahren. Er hat es sich zum Ziel gemacht, zum Beispiel Milchsäure- und Photosynthesebakterien sowie Hefen in den Ställen einzusetzen – alles Stoffe, die auch in Nahrungsmitteln zugelassen sind.

»In ein paar Wochen ist alles wieder vergessen«, glaubt Hennes. Das haben die sogenannten Lebensmittelskandale um BSE, Rinderwahnsinn, Geflügelpest, Pferdefleisch-Lasagne, Ehec-Gurken und all die anderen Vorfälle gezeigt. Er weiß, dass ihn seine treuen Kunden nicht im Stich lassen werden. Und insgeheim hofft der größte Chiemgauer Eierproduzent, dass all diejenigen, die angesichts der verseuchten Holland-Ware seine Chiemgau-Eier kaufen, sich künftig mehr für heimische Produkte interessieren werden. -K.O.-