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Ein alter Bulldog trieb den Lift an

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Rudi Kreiner aus Inzell ist in Kanada aufgewachsen. Er erinnert sich an seine ersten Skiabfahrten in »White Court«, einem Dorf in der Provinz Alberta.

Inzell – Rudi Kreiner hat »mit Interesse die Bilder und Beiträge zum Thema Skifahren anno dazumal« verfolgt, wie der 62-jährige an die Lokalredaktion schreibt. Er lebt seit 34 Jahren in Inzell, doch aufgewachsen ist er in der westkanadischen Provinz Alberta. In seinen Erinnerungen nimmt er die Leser des Traunsteiner Tagblatts mit nach Kanada.


»In White Court habe ich 1964 mit sechs Jahren das Skifahren gelernt. Den Schlepplift mit dickem Hanfseil hat der fanatische Autohändler im Dorf am großen Hang hinter seinem Haus gebaut. Angetrieben wurde er von seinem alten Bulldog, die Umlenkrollen waren alte Autofelgen.

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Der TÜV würde den heute auf der Stelle zusperren, aber für uns war das Skifahren dort jedes Wochenende eine Riesenfreude. In der Schule waren die Skifahrer leicht zu erkennen, denn die hatten alle große schmierige Flecken an der Winterjacke, wo das Seil unterm Arm eingeklemmt worden war. Mir hat das Skifahren so viel Spaß gemacht, dass ich sogar im April fürs Wochenende mit meinen Eltern die 300 Kilometer zu den richtigen Bergen nach Jasper mitfahren dürfte. In früheren Jahren waren meine Eltern auch schon dort im Nationalpark, wo man mit einer Pistenraupe mit Kabine zum Fuß des Berges gebracht wurde, um dann auf angeschnallten Fellen (keine Klebefelle) auf den Berg zu steigen.

Im Jahr meines ersten Besuchs wurde im dortigen Marmot Basin der erste Skilift gebaut, ein steiler Doppelschlepplift. Die Bügel aus Holz waren nicht mit einem aufgerollten Nylonseil am Hauptseil befestigt, sondern mit einer schweren Metallstange.

Weil ich so klein war und den Bügel soweit unten brauchte, wollten die Erwachsene mit mir nicht hochfahren, sodass ich meist alleine im Lift war. Die Feder in der Stange war so stark, dass ich mit meinem geringen Gewicht an manchen Stellen mit den Skiern in der Luft hing. Erst in der darauffolgenden Saison wurde ein Anfängerlift gebaut, aber der war für mich langweilig.

Mein Vater war begeisterter Skifahrer und in den weiteren Jahren fuhr unsere sechsköpfige Familie öfters dorthin, in manchen Jahren hatten wir sogar Dauerkarten und rechneten fleißig nach, wie viele Skitage und wie viele Liftfahrten pro Tag wir brauchten, damit es sich 'rechnete'.

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Seine Eltern Gertraud und Helmut waren leidenschaftliche Skifahrer und Skitourengeher.

Denn die Dauerkarten mussten sich ja 'rechnen'! Deshalb fuhren wir dort auch oft bei Temperaturen unter -20°C und bei eisigem Wind – und das ohne Goretex- und Thinsulate-Skikleidung und erst recht ohne Schutzhauben und Sitzheizungen in den später gebauten Sesselliften.

Wir Kinder mussten uns jede Stunde in der Hütte aufwärmen und wunderten uns immer nur, dass es dem Vater nie zu kalt wurde. Er polsterte seinen Hintern mit einer Zeitung in der Skihose, blieb dauernd in Bewegung, um warm zu bleiben und schwärmte, wie gut der Schnee war bei den Temperaturen, denn er blieb schön pulvrig und vereiste nicht. Das war natürlich auch vor den Zeiten, wo täglich sämtliche Pisten flachgebügelt wurden. Stattdessen wuchsen mit der Zeit die Buckel ins Unendliche und wir mussten lernen, damit umzugehen.« fb


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