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Ein anregender, bunter Querschnitt zeitgenössischer Kunst

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»Käfig«, Installation von Cosima Strähhuber, dahinter einige der großformatigen Zeichnungen von Claudia Weber. (Fotos: Giesen)
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»Standort Staudach«, Dreierblock Planparallel, von Karl-Heinz Hauser, Holzschnitt, Tetraprint auf Buchbinderleinen.

Wieder ist es dem Kunstverein Traunstein gelungen, eine bunte, sehr anregende Offene Jahresausstellung im Kunstraum Klosterkirche und auf zwei Stockwerken der Städtischen Galerie Traunstein auf die Beine zu stellen. 118 Künstler reichten insgesamt 216 Arbeiten aus Malerei, Grafik, Fotografie, Bildhauerei und Installation ein. Die Jury mit Judith Bader, Klaus Ballerstedt und Samuel Rachl wählten daraus die Arbeiten von 52 Mitgliedern des Kunstvereins Traunstein und 23 Nichtmitgliedern aus, von denen jeweils ein bis zwei ihrer Werke zu sehen sind.


Aus den ausgewählten Arbeiten entstand – nicht zuletzt durch klug bedachte Hängung – eine repräsentative, stimmige Gesamtschau über das künstlerische Schaffen der Gegenwart. Lediglich Videoarbeiten fehlen ganz. Die drei unterschiedlichen Ausstellungsräume ermöglichen ein abwechslungsreiches Ausstellungskonzept, bei dem die gegenständliche ebenso wie die abstrakte Bildsprache zu ihrem Recht kommen, traditionell akademisches Sich-der-Kunst-nähern ebenso wie »ästhetische Experimente«.

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Bei der sehr gut besuchten Vernissage begrüßte heuer zum ersten Mal Oberbürgermeister Christian Kegel die Anwesenden. Der Vorsitzende des Kunstvereins, Herbert Stahl, stellte in seiner Ansprache besonders die Gastkünstlerin Claudia Weber vor, deren großformatige Zeichnungen in der Apsis der Klosterkirche zu finden sind. Die Künstlerin wurde 1976 geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und lebt und arbeitet in München und Traunstein.

Bei den gezeigten, sehr großen Zeichnungen bringt sie imaginäre Räume ins Bild, in denen eigenartige Dinge geschehen, sich Wesen, vielleicht Tiere bewegen, »eine undefinierbare Energie, die wir erahnen«, drückte es Herbert Stahl aus. Motiv von sechs der riesigen Zeichnungen sind zwei Spielzeuge ihrer kleinen Tochter, eine Plastikpuppe und eine Wasserpistole, die überdimensional groß auf dem Blatt erscheinen. Durch unendlich viele, übereinander gelegte, aneinander angrenzende Linien und Striche begrenzt die Künstlerin die Gegenstände nicht eindeutig. »Das Raum- und Formgefüge ergibt sich daraus, als ob ich mich in den Raum gewissermaßen hinein zeichnen würde«, erklärt sie. Ihre gezeichneten Räume und Figuren werden durch immer wieder auftauchende Brüche definiert.

Inmitten der Apsis fällt außerdem die große Käfig-Installation von Cosima Strähhuber sofort ins Auge. Der Besucher ist eingeladen, den eigens für diese Ausstellung in drei Rundungen gestalteten Käfig aus, mit rosa Wachs beschichteten, Holzstäben zu betreten – der Betrachter wird selbst Teil des Kunstwerks.

Wie immer ist es leider nicht annähernd möglich, alle erwähnenswerten Werke zu benennen. Erfreulicherweise beteiligen sich heuer viele junge Künstler an der Präsentation, aber auch Altmeister wie Konrad Kurz mit seiner wunderbaren Bronzeskulptur »Großer Wächter« ist vertreten, Hildegard Bauer-Lagally, Heinrich Stichter, Hermann Wagner und Liesbeth Wohrizek, jeweils mit zwei, erst kürzlich entstandenen Bildern im Kunstraum Klosterkirche.

Sehr abwechslungsreich sind auch die beiden Stockwerke der Städtischen Galerie gestaltet. Im ersten Stockwerk bestechen den Betrachter zum Beispiel die dunkel auf weißem Grund in Acryl gemalten »Nest 1« und »Nest 2« oder »Familie«, eine Skulptur aus gebranntem, weißem Ton von Maria Freutsmiedl.

Im zweiten Stock fällt sofort »Der Mantel meines Vaters – Nachfolge? – Aus dem Schatten getreten« auf, ein kühn geschwungener, dunkler Mantel, mit Pappmaché verfestigt, und davor und dahinter im Schatten des Mantels zwei kleine Bronzeskulpturen von Monika Stein, außerdem die verstörende »Europa« in Öl auf Leinwand von Oleg Bogomolov.

Hier ist auch ein großer Dreierblock »Standort Staudach« von Karl-Heinz Hauser zu finden, der heuer auch eine der Jahresgaben stellt, nämlich drei Holzschnitte. Sie geben dem Kunstliebhaber die Möglichkeit, günstig zeitgenössische Kunst zu erwerben. Eine weitere Jahresgabe stellt John Schmitz zur Verfügung, dessen kleinformatige, dunkel gehaltene Bilder ohne Titel die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Für Schmitz ist der Vorgang des Malens wie Meditation, sodass der Vorgang ebenso wichtig ist wie das Ergebnis.

Zum vierten Mal findet zur Offenen Jahresausstellung des Kunstvereins eine Parallelveranstaltung in der Alten Wache statt unter dem Motto »Kunst im Dialog«. Die Tänzerin und Choreografin Corinna Spieth aus Traunstein präsentiert zusammen mit zwei Tänzerinnen an zwei Abenden am Dienstag und Mittwoch, 28. und 29. Oktober, jeweils um 20 Uhr eine Performance, bei der sie mit den Zuschauern in Dialog tritt.

Die Offene Jahresausstellung ist bis 2. November von Mittwoch bis Freitag von 15 bis 18 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Christiane Giesen