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Ein Brunnenfest für den Brunnenbau in Mali

Traunstein. Mit einem Brunnenfest beging die Kreisarbeitsgemeinschaft (KAG) Malihilfe Traunstein ihr 20-jähriges Bestehen. Gefeiert wurde am Brunnen vor dem Vereinsheim der Naturfreunde Traunstein in der Au mit Kaffee und Kuchen. Außerdem konnten die Besucher typische Gerichte aus Mali probieren. Das von den Besuchern für die Verköstigung gespendete Geld wird für den Bau von Brunnen im westafrikanischen Land Mali verwendet.

Mit dem Geld der Kreisarbeitsgemeinschaft Malihilfe Traunstein wurde dieser Brunnen im westafrikanischen Land Mali gebaut.

Altoberbürgermeister Fritz Stahl gab den Startschuss

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Die Traunsteiner Malihilfe wurde am 1. Januar 1993 auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Fritz Stahl, der bis heute Schirmherr ist, von den Naturfreunden Traunstein, der Arbeiterwohlfahrt, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der SPD-Stadtratsfraktion gegründet. Ziel ist es vor allem, den Bau von Brunnen in dem westafrikanischen Land zu fördern, das zu den ärmsten Ländern der Erde zählt. In den letzten zwei Jahrzehnten konnte die Malihilfe Traunstein nach den Worten von Schatzmeister Konrad Obermaier bei verschiedenen Aktionen rund 40 000 Euro sammeln. Wichtigste Einnahmequelle dabei ist der Verkaufsstand der Naturfreunde auf dem Traunsteiner Christkindlmarkt.

Der Vorsitzende der Kreisarbeitsgemeinschaft, Richard Hell, unterstrich beim Brunnenfest die tragende Rolle und das soziale Engagement der Frauen der Malihilfe. Mit Veranstaltungen und Informationen habe man die Malihilfe am Leben erhalten und Spenden generiert, sagte er. Er berichtete rückblickend auf die vergangenen 20 Jahre unter anderem von der Beteiligung an der »Fair-Woche« des Eine-Welt-Ladens, den Maliabend im Traunsteiner Rathaus und die jährlichen Treffen über die Mittelverwendung. »Unsere Aufgabe besteht darin, der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Malihilfe Geldmittel zur Verfügung zu stellen, weil wir selbst nicht groß genug sind, selbst etwas auf die Beine stellen zu können«, so Hell.

Die LAG-Projektleiterin Gudrun Kahl aus Nürnberg erklärte, dass die Malihilfe so lange an dem Thema dran geblieben sei, sei eine ganz große Leistung. »Die Entwicklungshilfe ist ein schwieriges Thema. Wenn man etwas bewegen will, braucht man einen langen Atem.« Die LAG sei im vergangenen Jahr 30 Jahre alt geworden. Die Gründung sei von zehn Organisationen aus dem Kreis der Arbeiterbewegung erfolgt. Aber auch jede Privatperson könne gerne Mitglied werden.

Schwerpunkt ist die Unterstützung der Frauen

Der Schwerpunkt der Projektarbeit sei die Unterstützung der Frauen, denn diese seien die tragende Kraft und sorgten für ihre Familien. Mit Blick auf die kriegerischen Auseinandersetzungen in Mali sagte Kahl, was die Leute dort jetzt brauchten, sei alles andere als dieser Krieg. Die LAG habe nichts mit der Regierung zu tun, sondern arbeite mit kleinen, nicht regierungsabhängigen Gruppen zusammen, die sehr zuverlässig seien. Die Projekte lägen nicht im Kriegsgebiet im Norden, sondern im Süden der Hauptstadt Bamako.

Bei den Projekten gehe es um die Förderung des Gartenbaus, um die Ernährungssituation der Familien zu verbessern. Ziel sei eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung im Eigenkonsum. Den dort aktiven Frauengruppen soll durch den Verkauf der Überschüsse außerdem ein Einkommen ermöglicht werden, um zum Beispiel für Medikamente, Schulgebühren oder Kleidung für Kinder aufzukommen. Im Dorf Toumoudoto wurde die Ernährungssituation durch die Aufstockung der Getreidevorräte in den Getreidebanken verbessert. Schwierigkeiten gebe es mit der Buchführung wegen des Analphabetismus der Frauen. »Etwa 75 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen«, so die Projektleiterin. Sie sollen daher eine Schulung durch das Personal der Organisation Stop Sahel erhalten.

Schachtbrunnen mit Pumpen und einfacher Technik gebaut

Die Wasserversorgung sei ein weiteres Problem in den Dörfern. Deshalb würden Schachtbrunnen mit Pumpen gebaut. Dabei werde einfache Technik bevorzugt, die auch funktioniere. Ebenso fehlten Sanitäreinrichtungen in den Schulen von Donsosso und Barila, sodass Lehrerinnen und Schüler nur eine schlecht abgeschirmte »open-air«-Toilette zur Verfügung hätten. Dies gelte auch für die Geburtsstation in Barila. Im Rahmen des Projekts sollen daher Latrinenblöcke gebaut werden, um die hygienische Situation zu verbessern.

Seit 2005 habe die LAG mit der malischen Ong Amsopt eine erfolgreiche Aufklärungskampagne über die gesundheitlichen Folgen der Mädchenbeschneidung (Exzision) mit dem Ziel unterstützt, diese zu beenden. In diesem Jahr solle diese Kampagne zunächst in 15 Dörfern gefestigt werden. Neben Informationen über gesundheitliche Langzeitfolgen werde der Akzent auch angesichts der politischen Krise und kriegerischen Auseinandersetzungen mit Vergewaltigungen verstärkt auf Menschenrechte und gegen sexuelle Gewalt gesetzt. Bjr