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Ein Bühnenerlebnis der besonderen Art

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Die Tänzerin Pavlina Cerna und der Tubaspieler Pinguin Moschner im Theaterprojekt »empathy to the devil« im Traunsteiner Kunstraum Klosterkirche. (Foto: Giesen)

Der Kunstraum Klosterkirche in Traunstein – nicht wiederzuerkennen! Komplett in Rot gehalten und in Kerzenlicht getaucht: rote Vorhänge, rote Teppiche, eine Unmenge roter Kissen und natürlich die bekannten roten Stühle von Manfred Feith-Umbehr. Dazu rote, menschenähnliche Skulpturen in Eisbrocken gesteckt, die stetig in rote Zinkeimer abtropfen.


Dieses Bild erwartete die rund 80 Besucher, die sich von der ungewöhnlichen Einladung zu einem »Bildmusiktanztheatergeschehen« verlocken ließen, ein – jedenfalls für Traunstein – äußerst ungewöhnliches Kunsttheater zu besuchen. Nach dem etwa 60 Minuten langen Theatererlebnis, gefüllt mit prallem Leben, neuen visuellen, akustischen und atmosphärischen Eindrücken bereute es am Schluss, dem Applaus und den Bravorufen nach zu schließen, wahrscheinlich niemand, der Verlockung gefolgt zu sein.

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Das Kunsttheaterprojekt von Manfred Feith-Umbehr trägt den Titel »empathy to the devil« mit dem Untertitel »deep frosted artwork … melting by candlelight … and a coffeebreak« in Abwandlung eines Titels der Rolling Stones »sympathy for the devil« und lässt natürlich Raum für eine Vielzahl von Interpretationen.

Kern der Aufführung und optisch unauffälliger Moderator ist Pinguin Moschner, der mit improvisierten, oft ganz und gar unorthodoxen Klängen auf seiner Tuba Ton und Rhythmus angibt, zu dem sich zwei begnadete Tänzer bewegen. Alexeider Abad Gozales aus Kuba und Pavlina Cerna aus Prag, Gründer der Tanzgruppe Entre Pasos, natürlich ebenso passend ganz in Rot und Schwarz gekleidet, zeigen nur in Ansätzen klassische Tanzfiguren. Sie bewegen sich zu den oft schrägen Tubatönen teils ruckartig, teils locker entspannt, hüpfen, rollen, schwingen oder fuchteln hektisch herum, aber geben auch Töne von sich, bis zu Pavilina Cernas Rezitation von Goethes Versen »Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / durch des Frühlings holden, belebenden Blick …« bis zu den berühmten Worten »Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein« aus Faust I.

Dieses Zitat zusammen mit den auf zwei Leinwänden gezeigten Ausschnitten einer großartigen filmischen Dokumentation vom Abschmelzen der Gletscher mögen ein Hinweis auf die »Intention« der Darbietung sein. In Zeitlupe wird gezeigt, wie sich riesige Massen von Eis lösen, ins Meer krachen, gewaltige Wasserfontänen spritzen auf. Im weitesten Sinn geht es um »Klima-wandel«, aber nicht nur in der Natur: Das Schmelzen des Eises in menschlichen Beziehungen, symbolisiert durch den natürlichen Klangteppich der konstant abtropfenden Eisbrocken, weist auf die Vision des Künstlers hin – ein menschliches Miteinander ohne Krieg und Aggressionen, ohne vereiste Beziehungen weltweit.

Um das Kunstprojekt in dieser Form in Szene setzen zu können, ist ein unglaublich aufwendiger, auch sehr kostspieliger Apparat an technischen Licht- und Klangeffekten notwendig, der zu einem gewissen Teil nur durch Sponsoren ermöglicht werden konnte. Das Theaterprojekt »empathy to the devil« wird noch weitere Aufführungen in Salzwedel und im Stadttheater in Lippstadt haben, bevor es 2014 auch in Guantamo auf Kuba, Oldenburg und Berlin aufgeführt wird. Christiane Giesen

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